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Videos für Unternehmen:
Inspiration für bewegte Bilder

Wenn sich Unternehmen nach langem Ringen dafür entscheiden, mit Videos im Internet zu arbeiten, fehlt oft nur noch ein Konzept, was denn mit den Clips gezeigt werden soll. Wir geben etwas Inspiration und zeigen auch, welche Art von Videos sich auf welcher Plattform eignet. Von Maik Bruns.

Vorweg die Basics: Videos so erstellen, dass sie sehenswert sind!

Wer sich Videos schon einmal im Internet Videos angeschaut hat, den hat vermutlich nicht erst einmal irgendetwas daran gestört. Ganz gleich, ob es die verpixelte Bildqualität war, der laut rauschende oder zu leise Ton, bei dem kaum ein Wort verstanden wurde oder die Fahrstuhlmusik im Hintergrund, die deutlich unterhalb der Banalitätsgrenze lag. Daher: Es ist eminent wichtig, dass das Video technisch in Ordnung ist. Denn ansonsten zeigt es vielleicht guten Inhalt, aber das Publikum ist durch technische Unzulänglichkeiten genervt. Im schlimmsten Fall bringt das statt positiver Stimmen eher negative. Daher: Besser, man investiert zunächst in ein externes Mikrofon als sich auf das interne in einer beliebigen Kamera zu verlassen.

Aber auch technisch perfekte Videos können unter Umständen nicht gut ankommen, etwa wenn zu viele Special Effects für die Überblender verwendet und damit übertrieben wirken. Möglicherweise ist aber auch der Inhalt selbst das Problem gewesen: Minutenlang passiert nichts, dass dem Zuschauer hilft zu verstehen, was der Urheber mit dem Film bezweckt hat. Daher sollte der Film auch schnell zur Sache kommen, keine minutenlangen Intros, keine 10-minütigen Monologe bieten - denn die erzeugen meist in hohem Maße Langeweile. Die bewegten Bilder sollten also immer so kurz wie möglich und so ausführlich wie nötig sein.

Weiterhin: Es sollte vom Unternehmer immer kritisch das eigene Vorhaben hinterfragt fragen. Er muss sich darüber hinaus in die Zielgruppe hineinversetzen und deren Bedürfnisse treffen. Eventuell sollte sogar jemand, der zur Zielgruppe gehört, gefragt werden, was er oder sie gerne in einem Video sehen würde oder - wenn der Clip bereits gedreht wurde - fragen, wie das Video ankommt. Wenn sich ein Konzept dann bewährt hat und man ein Gefühl für die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe bekommen hat, kann ggf. wieder etwas "freier" gearbeitet werden.

Ganz wichtig: Ein Video sollte in jedem Fall "gebrandet" werden, also dezent, aber sichtbar den Unternehmensnamen oder die Website-Adresse im Bild zeigen. So ist gewährleistet, dass der Unternehmensname auch dann zu sehen ist, wenn beispielsweise das Video mithilfe von eingebetteten Playern auf anderen als den im Anschluss vorgestellten Plattformen zu sehen ist.

Aller Anfang ist schwer: die Auswahl der Plattform

Bevor überhaupt ein Video für ein Unternehmen wie etwa einen Online-Shop gedreht oder geschnitten werden soll, muss sich ein Unternehmer im Klaren darüber sein, dass es verschiedene Plattformen gibt, auf denen später die Veröffentlichung erfolgen kann. Jede Plattform spricht dabei teilweise unterschiedliches Publikum an und kann dementsprechend auch einmal die falsche sein. Die Plattformen werden hier in aller Kürze vorgestellt.

YouTube

YouTube ist sicherlich die populärste Videoplattform und soll hier stellvertretend für alle anderen mit demselben Schwerpunkt stehen. YouTube ist allerdings das "Must have" unter den externen Sites und nahezu unumgänglich für die Veröffentlichung. Für ein Unternehmen oder eine Kampagne sollte zunächst ein eigener Channel angelegt, in dem die Videos dann abgelegt werden - unabhängig davon, auf welchen anderen Plattformen außerdem noch veröffentlicht werden soll. Denn YouTube stellt nicht nur kostenlos Bandbreite zur Verfügung, sondern zieht darüber hinaus auch sehr viele Menschen an, stellt einen Player und die Möglichkeit bereit, Videos auf anderen Seiten einzubetten, bietet in einem Channel Gestaltungs- und Branding-Möglichkeiten sowie auch eine Bewertungsfunktionalität uvm.

Aber auch bei YouTube gibt es Einschränkungen, z. B. bei der Länge der Videos. Diese liegt bei (Stand 12/2010) zurzeit 15 Minuten. Dementsprechend kann man YouTube je nach Bedarf und Länge der Videos auch "nur" als Teaser-Kanal nutzen und mit kleinen Ausschnitten Werbung für die auf anderen Plattformen abgelegten Clips machen.

Unternehmens-Website

 

Abbildung 1: Ein tolles Unternehmensvideo: Die Zanox-Startseite begrüßt mit einem peppigen Film.

Im Idealfall besteht die Möglichkeit, die Videos auch auf der Unternehmenswebsite unterzubringen. Denn letztlich geht es in den Filmen ja um Dinge, die das Unternehmen betreffen. Was liegt also näher? Dort lässt sich eine Rubrik/Sektion speziell für Videos schaffen. Alternativ lassen sich Filme natürlich auch zu bestehenden Seiten hinzufügen (zum Beispiel ein Produktvideo zur Produktseite). Auch auf der Startseite machen sich manche Videos gut (siehe Zanox auf Abb. 1, http://www.zanox.com/de/). Vergessen Sie nicht, die Videos auch zum Download anzubieten bzw. sie via Video-Sitemap (über die Google Webmaster Tools) auch Google bekannt zu machen. Näheres hierzu findet sich u. a. in suchradar 26.

Es sollte auch nicht vergessen werden, die Website mit einer Suchfunktion für Videos auszurüsten, wenn diese tief auf der Seite versteckt werden. Nachteil an einer Bereitstellung auf der eigenen Website ist natürlich, dass Speicherplatz und Bandbreite bereitgestellt werden müssen - und dementsprechend sind dafür auch Kosten zu tragen. Dafür besteht in der Gestaltung absolute Freiheit.

Facebook-Fanpage

Abbildung 2: Wenn ein Video den Besuchern bei Facebook gefällt, lässt sich das recht leicht an den Feedbacks ablesen.

Sollte ein Unternehmen darüber hinaus bereits im Besitz einer Facebook-Fanpage sein, können auch hier Videos entweder hochgeladen oder bereits auf anderen Plattformen vorhandene Videos "geteilt" und mit einem Erläuterungstext verlinkt werden. Weiterhin besteht hier auch die Möglichkeit - sofern in einem Clip jemand vorkommt, der auf der Facebook-Homepage bekannt ist - dort auch Personen zu markieren. Das sorgt für bessere Vernetzung und Bekanntheit. Videos bei Facebook zu promoten hat den Vorteil, dass Reaktionen vom Publikum direkt mittels "Gefällt mir"-Button oder Kommentaren eingefangen werden können und sie sich dadurch auch schnell verbreiten können (siehe Fanpage von Jungstil in Abbildung 2).

Übrigens: Auf einer Facebook-Fanpage darf man sich auch trauen, auf gut gemachte oder hilfreiche Videos von anderen Unternehmen hinzuweisen. Die Konsumenten wissen ohnehin längst, dass es auch andere Anbieter Anbieter auf dem Markt gibt.

Ran an den Speck: Ideen fürs Video

Welche Art Video kann ein Unternehmen denn nun anbieten? Im Folgenden geben wir einige Tipps.

Unternehmensvideo/Imagevideo

Abbildung3: Die Kunden im Babycenter Meiningen werden durch einen netten Videoclip begrüßt.

Das Unternehmen kann sich beispielsweise so zeigen, wie deren Kunden es nicht kennen - von außen und innen. Es darf dabei ruhig gezeigt werden, wie gearbeitet wird, wie die Büros aussehen, wo und wie die Empfangsdame residiert und vieles mehr. Vielleicht moderiert der Chef das Video ja sogar aus der Ich-Perspektive? Das transportiert Sympathie und lässt ein Unternehmen oder einen Unternehmer näher an den Konsumenten herantreten. Schließlich will man nah am Kunden sein und keine Geheimnisse vor ihm haben. Ein tolles Beispiel für ein Unternehmensvideo gibt es bereits oben (siehe Abb. 1). Das ist professionell produziert worden und ist in jedem Fall ein Hingucker. Und für den etwas kleineren Online-Shop kann es auch durchaus einmal so aussehen wie im Babycenter Meiningen (siehe Abb. 3, http://www.babycenter-meiningen.de/).

Produktvideos

Produktvideos dienen zum besseren Abverkauf von Waren und zur Senkung von Retouren. Wenn einem Kunden schon im Vorfeld ein möglichst guter Blick auf das Produkt gewährt wird, gibt es weniger Überraschungsmomente beim Auspacken. Bei produktbezogenen Videos besteht ganz nebenbei wohl das breiteste Spektrum in der Umsetzung für Clips. Sie können sehr vielfältig und mit unterschiedlicher Intention hergestellt werden: darstellend, erklärend, im Einsatz, künstlich (zum Beispiel aus einem 3D-Programm heraus) oder real.

Abbildung 4: Treepodia bietet automatisierte Videoerstellung an

Möglichkeiten, an entsprechende Videos zu gelangen, gibt es viele. Unter anderem gibt es die von vielen Anbietern ermöglichten automatisch erstellten Videos auf Basis von Templates - etwa durch Treepodia (http://www.treepodia.com). Hier werden Videos aus einfachen Produktbildern nach einem im Template festgelegten Schema in Bewegung und in Aktion gebracht - etwa mittels Ken-Burns-Effekt (http://de.wikipedia.org/wiki/Ken_Burns#Arbeitsweise), zusätzlicher Musik, Sprachkommentar und Texteinblendern. Das kann spektakulär aussehen und ist auch für eine große Anzahl Produkte in einem Shop skalierbar - aber natürlich mit Kosten verbunden.Weiterhin gibt es auch die Möglichkeit, durch Produkthersteller generierte Videos zentral von einem Anbieter abzurufen (z. B. via Cliplister http://www.cliplister.de). Vorteil hierbei: Unternehmen müssen sich nicht mehr um die Videoproduktion kümmern, keinen Speicherplatz bereitstellen, haben immer das aktuellste Herstellervideo in der Präsentation und zahlen dementsprechend "nur" die Abrufe der Videos. Nachteil bei den beiden gerade genannten Varianten: Ihnen gehören die Videos nicht. Das heißt, wenn Sie den Vertrag mit den Unternehmen nicht verlängern, haben Sie auch keine Videos mehr zur Verfügung.

Wenn Sie auf das eigene Look & Feel im Video Einfluss nehmen wollen und Wert darauf legen, dass Ihnen die Videos zur freien Verfügung stehen, gibt es auch hierfür mindestens zwei Varianten:

  • Schnappen Sie sich eine Kamera und legen Sie selbst los
  • oder lassen Sie Profis ran.

Welche der beiden Methoden Sie wählen, hängt vom Geldbeutel und dem Faktor Zeit ab, der Zielsetzung und natürlich, wie und wo die Produkte präsentiert oder erklärt werden sollen. So können selbstgedrehte Filme, wie auf der oben schon erwähnten Facebook-Fanpage von Jungstil, durchaus Charme haben und Besucher anlocken, während Sie vielleicht auf der Startseite des Unternehmens für Irritationen sorgen würden.

Was können Sie nun drehen?

Vielleicht zeigen Sie die von Ihnen verkauften Produkte mal im praktischen Einsatz. Porzellan und Gläser könnten beispielsweise auf einem Esstisch drapiert werden. Eine kleine Kamerafahrt drumherum und etwas unterlegte Musik reichen dann vielleicht schon aus. Eine Hantelbank könnte in einem Fitnessstudio aufgebaut und in Aktion gezeigt werden. So etwas funktioniert natürlich nicht für alle Produkte (z. B. nicht für Batterien). Aber für alles, was vom Konsumenten direkt verwendet werden kann, eignet sich als Ergänzung auch ein kleines Video.

Abbildung 5: Siemens zeigt seine Produkte "in schön"

Je nach Plattform, auf der veröffentlicht werden soll, darf das Video dabei ruhig unterschiedlich aussehen. Während auf der Unternehmens-Website die Produkte teils lieber etwas schöngeistiger gezeigt werden sollten (siehe Abb. 5 mit Siemens-Video), zählt bei Facebook eher die "Ehrlichkeit".

Video-Blog

In einem Unternehmen bieten sich natürlich auch vielfältige andere Gelegenheiten, Video-Clips zu erstellen. Beispielsweise bei Themen, die unter anderem in einem Unternehmens-Blog abgehandelt werden können. Warum also bei folgenden Ideen nicht auch einfach mal zur Kamera greifen?

  • Mitarbeiter stellen sich vor
    Alle Mitarbeiter, mit denen Kunden/Lieferanten in Kontakt kommen, stellen sich per kurzem Video-Statement vor. Vielleicht aber auch diejenigen, die eine ganz spezielle Aufgabe, aber kaum Kontakt nach außen haben. Die Gefilmten können jeweils einen kurzen Text zu ihrer Person aufsagen. Dabei sollte nur beachtet werden, dass die Mitarbeiter nicht irgendeinen geschriebenen Text ablesen, sondern authentisch sind. Auch für eine helle, freundliche Umgebung sollte dabei gesorgt werden. Falls ein Text für die Mitarbeiter vorab definiert wird, sollte dabei immer an eines gedacht werden: Schriftsprache klingt vorgelesen nicht selten gut. Man sollte also prüfen, ob der Text gesprochen gestelzt wirkt.
  • Bestell-/Herstellprozess
    Gibt es im Unternehmen eine Fertigungsanlage? Oder eine automatische Versandstrecke? Dann kann den Kunden in einem Clip gezeigt werden, welchen Weg ein Paket von der Bestellung bis zum Versand nimmt. Das schafft Vertrauen - und gleichzeitig lässt sich mit so einem Video auch kommunizieren, warum es sicher ist, bei diesem Unternehmen zu bestellen.
  • Messe-Video
    Auf der führenden Hersteller-Zusammenkunft des Jahres ist Ihr Unternehmen mit einem Messestand vertreten oder Sie als Produktmanager wollen die Messe besuchen? Dann sollte die Kamera nicht zuhause vergessen werden. Insbesondere spontane Video-Interviews zu aktuellen Marktentwicklungen oder auch kritischen Gegebenheiten - vielleicht mit dem Geschäftsführer oder Produkt-Manager eines Marktführers - können spannende Erkenntnisse bringen. Die Website-Besucher können so am Besuch teilhaben und werden auf den neuesten Stand gebracht.

Anleitungen

Jeder benötigt früher oder später einmal eine Anleitung für ein komplexes oder erklärungsbedürftiges Produkt. Wie richtet man die Software ein? Wie lässt sich eine Grafikkarte in den Rechner einbauen und korrekt anschließen? Wie kann bei dem Handy die SIM-Karte gewechselt werden, ohne den Akku zu zerstören? Und was kann der Benutzer mit den vielen Einstellungsmöglichkeiten an der Spiegelreflexkamera erzielen, die dort zur Verfügung stehen?

Abbildung 6: Apple zeigt gute "How to"-Videos

Ein gutes Beispiel zur Beantwortung von Fragen zur Bedienung gibt hier Apple ab, die auf http://www.apple.com/findouthow/mac/ sehr gute Anleitungen zur Bedienung oder zu Hintergründen Ihrer Produkte geben (siehe Abbildung 6). Sicherlich sind die Videos schon sehr anspruchsvoll hergestellt worden, aber auch mit Abstrichen in der Produktion helfen solche Videos dem Benutzer meist sehr viel weiter als eine 40-seitige Anleitung. Und, wenn einer Ihrer Kunden ein solches Video bei findet, wird er sich viel schneller an das dazugehörige Unternehmen erinnern und auch eher zurückkommen. Denn nach wie vor ist der Service-Gedanke noch zu selten in Videobereiche vorgedrungen und die Konkurrenz noch dementsprechend klein.

Ratgeber

Ein Shop führt 5.000 oder mehr Produkte im Sortiment? Oder weniger, dafür sehr spezielle Ware? Ein Kunde hat da oft nur schwerlich den Überblick, welches Produkt aus der Palette welchen Vorteil hat. Da kann eine Hilfestellung nicht schaden. Zu den gängigsten Produktgruppen lassen sich jeweils kleine Filme drehen, in denen auch die Vor- und Nachteile, die nicht sofort auf den ersten Blick zu sehen sind, deutlich gemacht werden können. Oder die speziellen Einsatzbereiche des Produktes. Dabei sollte möglichst einfach erklärt werden und möglichst auf überflüssige Fremdwörter und Szenesprache verzichtet werden, die ohnehin nur wenige Menschen verstehen. Nebenbei: Die Menschen trauen einem Shop-Betreiber immer mehr Wissen zu als sich selbst. Der kann hier also sogar in eine Beraterrolle schlüpfen.

Abbildung 7: Clemshaw zeigt, wie man den Schläger schwingt.

Natürlich kann ein Unternehmen auch nicht-produktbezogen beraten. So kann ein Shop für Golfbedarf zu Schwungtechniken beim Abschlag aufklären - wie im YouTube Channel von Clemshaw (http://www.youtube.com/user/clemshaw, siehe Abbildung 7). Und ein Herrenausstatter kann Videos anbieten, in denen das Binden eines Krawattenknotens erklärt wird.

 
 
 
 
Die Übersicht

Um nun zu wissen, welche Art Videos sich für welche Plattform eignet, haben wir folgende Übersicht erstellt:



 

Fazit

Wer sich einmal dazu durchgerungen hat, das Thema Video für das eigene Unternehmen zu nutzen, dem werden die Themen voraussichtlich nicht ausgehen. Wichtig ist dabei aber immer, dass man seine Zielgruppe nicht aus den Augen verliert und die Qualität der Videos nicht ganz unten angesiedelt ist.

 

Über den Autor

Maik Bruns arbeitet als Berater bei der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion.

E-Mail:
maik.bruns@bloofusion.de

Maik Bruns (@MaikBruns) bei Twitter:
Follow MaikBruns on Twitter

 

 

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