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SEO in Action:
Fünf E-Commerce-Sites unter der Lupe - Teil 1

Wie schlagen sich eigentlich große E-Commerce-Websites in Bezug auf Suchmaschinenoptimierung? Für diese Ausgabe von "SEO Action" haben wir uns mal fünf umsatzstarke Online-Händler angeschaut. Im ersten Teil geht es um die Website von Thomann. Von Markus Hövener.
Die Aufgabenstellung

Vor einigen Wochen stieß ich auf eine Auflistung der umsatzstärksten deutschen E-Commerce-Websites. Grundsätzlich sollte man davon ausgehen, dass diese Websites in Bezug auf SEO alles richtig machen. Aber aus der Praxis weiß ich, dass es eben gerade bei so großen Websites immer Potenziale und Probleme gibt. Und deswegen habe ich für diesen Artikel aus der Serie "SEO in Action" fünf der zehn Websites herausgesucht, um dort typische Fehler aufzuzeigen - aber auch, um zu demonstrieren, wie manche dieser Fehler gefunden werden können.

Es geht dabei nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Diese Plattformen haben natürlich schon sehr, sehr viel richtig gemacht, da sie sonst wohl kaum solche Umsätze realisieren würden.

Vielmehr geht es darum, auf die vielen kleinen Feinheiten hinzuweisen, die in der Praxis oft nicht umgesetzt werden. Aber: Wenn ein Unternehmen 100 Millionen Euro Umsatz macht und man mit einer kleinen Verbesserung 1 % mehr Traffic (= mehr Umsatz) generieren kann, ist das relativ gesehen nicht viel - aber absolut gesehen eben doch. Und deswegen lohnt sich der Blick auf die Details.

Trotzdem darf aber eines niemals vergessen werden: Manchmal gibt es eben auch die üblichen begrenzenden Faktoren wie Zeit, Geld und Entwickler-Ressourcen.

Die Vorbereitungen

Gelegentlich gibt es Websites, die ein menschlicher Besucher mit einem Browser anders als Suchmaschinen sieht. So gibt es manchmal sehr skurril implementierte JavaScript-Redirects, die von Suchmaschinen nicht erkannt werden.

Um derartige Effekte zu vermeiden, kann man verschiedene Software-Lösungen einsetzen - oder nutzt einfach die Möglichkeiten, die einem Browser wie der Firefox anbieten. Zunächst empfiehlt es sich, JavaScript auszuschalten (Extras > Einstellungen > Inhalte > JavaScript aktivieren).

Außerdem kann und sollte man sich zusätzlich als Googlebot und nicht als Firefox zu erkennen geben - für den Fall, dass der Web-Server z. B. den User-Agent überprüft und für Google andere Regeln gelten. Das geht z. B. mit dem Add-on "User Agent Switcher", in dem dann ganz einfach der Googlebot ausgewählt werden kann.

Kandidat #1: www.thomann.de

Der erste Kandidat auf der Liste ist www.thomann.de. Hier ist auf den ersten Blick zu sehen, dass Potenzial verschenkt wird.

Startseite

ROI markieren in EyeQuant

Abbildung 1: Thomann geizt auf der Startseite von www.thomann.de mit Texten

Die Startseite einer Website hat prinzipiell innerhalb einer Website das höchste Gewicht und sollte deswegen auch auf allgemeine Suchbegriffe abzielen - im Falle von thomann.de wären das z. B. Suchbegriffe wie "musikinstrumente" oder "studiotechnik". Aber die Startseite von Thomann ist extrem textarm und dient eigentlich nur als Verteiler auf die unterschiedlichen Sprach-/Länderversionen (siehe Abbildung 1).

Übrigens: In seltenen Fällen passiert es leider auch, dass Suchmaschinen Seiten anders angeboten werden als normalen Besuchern - z. B. weil über die IP des abfragenden Crawlers auf dessen Herkunft (z. B. USA) geschlossen wird. Ein deutscher Besucher würde also eine deutsche Seite sehen, während Google die US-Seite sehen würde. Um zu überprüfen, ob dieses Problem vorliegt, kann man bei Google einfach in den Cache reinschauen ("cache:www.thomann.de"). In diesem Fall gibt es allerdings Entwarnung: Auch Google hat die Seite so indexiert, wie man sie als deutscher Besucher im Browser sieht.

Es ist zwar ganz sinnvoll, von der Startseite auf die unterschiedlichen Sprach-/Länderversionen zu verlinken, aber das sollte Thomann in anderer Form machen. So wäre es besser, die Inhalte der deutschen Startseite (http://www.thomann.de/de/) auf der "richtigen" Startseite (http://www.thomann.de/) anzuzeigen. Von dieser Seite aus könnte natürlich trotzdem auf die anderen Versionen verlinkt werden (was jede Seite übrigens auch wirklich macht). Das hätte zur Folge, dass http://www.thomann.de/ - eine Seite mit deutlich mehr Gewicht als die deutsche Unterseite http://www.thomann.de/de/ - deutlich bessere Rankings zeigen würde.

Die Lösung, die unterschiedlichen Versionen in entsprechenden Ordnern ("de", "es", …) abzulegen, ist natürlich prinzipiell richtig. Besser wäre es allerdings, wenn hier eine generische Domain (.com, …) genutzt würde. Dann könnte den unterschiedlichen Versionen über die Google Webmaster Tools auch Zielländer zugeordnet werden (z. B. /se/ = Schweden). Mit einer länderspezifischen Domain (.de) geht das leider nicht.

Allerdings müssten noch einige andere Hausaufgaben erledigt werden, denn die deutsche Startseite http://www.thomann.de/de/ enthält den Seitentitel "Herzlich Willkommen" und eine Überschrift namens "Willkommen zu Hause!" - von allgemeinen Suchbegriffen leider keine Spur. Diese finden sich zwar im einleitenden Text, aber eben leider nicht in wichtigen Seitenelementen wie dem Seitentitel.

Rubrikenseiten

Auf der Startseite sieht man auch einen üblichen Fehler: Wörter werden verkürzt. So steht dort: "…Studio-, Licht- und Beschallungstechnik …". Für einen Menschen ist absolut klar, dass mit "Licht-" eigentlich "Lichttechnik" gemeint ist. Eine Suchmaschine vermag das aber derzeit noch nicht zu erkennen. Dieses Problem findet sich auch in verschiedenen Rubriken (z. B. "Licht- und Bühnenequipment").

Wer sich die Rubriken anschaut, merkt auch schnell, dass hier selten auf die richtigen Suchbegriffe abgezielt wird - ein ebenfalls sehr häufiger Fehler. So gibt es Rubriken wie "Hot Deals" (wer sucht nach "hot deals"?), "Zubehör" (nicht schlecht, aber das sollte man immer in Verbindung mit einer Kategorie verwenden) oder "Fachliteratur" (viel zu allgemein).

 

Weiter geht es mit Teil 2 von SEO in Action: Bonprix

 

Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail:
markus@suchradar.de

Markus Hövener (@bloonatic) bei Twitter:
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