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Ausgabe 26 > Pressemitteilungen
richtig verfassen
Pressemitteilungen richtig
verfassen:
Desktop oder Papierkorb?
Wie bringe ich Redakteure dazu, meine Informationen aufzugreifen
und abzudrucken? Ein How-to für gute Pressmitteilungen.
Von Elisabeth Matejka.
Mehr zu diesem Thema finden Sie in unserem Themen-Index:
> Online-PR |
Wer in eigener Sache oder im Auftrag für ein Unternehmen
eine Pressemitteilung verfassen soll, wünscht sich für
seinen Text eigentlich nur einen Effekt: Aufmerksamkeit. Wie
stelle ich es an, dass meine Botschaft gelesen und abgedruckt
wird? Wie ziehe ich die Aufmerksamkeit des Redakteurs auf
meine Meldung? Die Entscheidung zwischen Desktop und Papierkorb
fällt innerhalb von Sekunden. In diesem Artikel habe
ich einige wichtige Grundregeln zusammengestellt.
Der Redakteur
Nehmen wir einmal an, Sie sind nicht mit allen Redakteuren
der Stadt per Du. Und nehmen wir weiterhin an, dass das Unternehmen,
für das Sie schreiben, nicht Apple, BMW oder l'Oreal
heißt. Sie arbeiten also unter normalen Bedingungen,
die da sind: Der Empfänger Ihrer Pressemitteilung ist
ein gestresster Redakteur, der innerhalb von Sekunden entscheidet,
ob er Ihre Informationen verwendet oder nicht. Machen Sie
es ihm also so leicht und angenehm wie möglich: Langweilen
Sie ihn nicht schon im ersten Satz (und am besten nie), schreiben
Sie so, dass er wenig bis keine Arbeit mehr damit hat (und
lassen Sie ihm hin und wieder eine kleine Aufmerksamkeit angedeihen,
ohne ihn zu bestechen - es ist immer gut, wenn man sich kennt).
Das Thema
Der Wurm muss dem Fisch und nicht dem Angler schmecken:
Was der Geschäftsführer eines Unternehmens spannend
findet, holt den Redakteur noch lange nicht hinterm Ofen hervor.
Jede Pressemitteilung braucht eine gute Geschichte, einen
interessanten Aufhänger. Machen Sie sich auf die Suche
nach dem Besonderen. Langweilig: "Geschäftsführer
des Fliesengroßhandels XY ist als Gesellschafter in
das Unternehmen eingestiegen". Spannender: "Der
Fliesengroßhandel XY in Taherting am Chiemsee liefert
exklusive Fliesen für neues 6-Sterne-Hotel in Dubai".
Gute Aufhänger für Fachzeitschriften oder spezielle
Ressorts sind immer: neue Produkte, neue Features, neue Services.
Aber auch Veranstaltungshinweise sind dankbare Themen, die
gerne aufgenommen werden. Auch hier gilt: Je weniger der Redakteur
selbst recherchieren muss, desto lieber wird er Ihren Text
verwenden.
Die äußere Form
Eine Pressemitteilung besteht aus einer stimmigen Überschrift,
einem Vorspann, dem Fließtext und einem Footer. Die
Überschrift behandle ich im nächsten Absatz genauer,
und dem Teasertext habe ich auch einen kleinen Absatz gewidmet.
Warum? Weil man sich genau an diesen Stellen besonders viel
Mühe geben muss, um das Leser-Interesse zu wecken. Der
Fließtext beginnt mit Datum und Ort, diese sind häufig
gefettet. Alle Informationen, die im Vorspann nur angerissen
werden, fasst man nun etwas ausführlicher zusammen. Eine
Pressemitteilung ist im Idealfall auf dem Bildschirm zu lesen
ohne zu scrollen. 300 Wörter oder 2.000 Zeichen sind
normalerweise völlig ausreichend. Wer noch viel mehr
Details und Hintergrundinfos bieten kann, sollte dem interessierten
Redakteur anbieten, auf Anfrage weitere Informationen zur
Verfügung zu stellen. In den meisten Fällen aber
reicht ein kurzer Artikel aus. Am Ende der Pressemitteilungen
steht ein allgemeiner Text, der immer gleich sein darf. Hier
wird das Unternehmen kurz vorgestellt. Wo sitzt das Unternehmen,
wieviele Mitarbeiter, welche Produkte, wie lange gibt es das
Unternehmen schon? All diese Fragen werden in einer Firmendarstellung
beantwortet.
Der Versand
Wenn Sie Pressemitteilungen per E-Mail verschicken, dann
bitte nicht als PDF-Anhang - und schon gar nicht als Microsoft
Word! Leider machen sich die wenigsten Redakteure die Mühe,
ein externes Dokument zu öffnen. Lassen Sie sich lieber
ein Newsletter-Template programmieren oder schreiben Sie die
Pressemitteilung direkt in die Mail. So stellen Sie sicher,
dass Ihre Meldung überhaupt wahrgenommen wird. Der Betreff
der Mail sollte auch gehaltvoller sein als nur den Begriff
"Pressemitteilung" aufzugreifen. Besser ist, gleich
das Thema mit einer Überschrift anzureißen (Aktualität!)
und den Firmennamen zu nennen (Relevanz!). Aber Achtung: Nicht
zu viele Zeichen, sonst wird der Betreff nicht komplett im
E-Mail-Account angezeigt. Auch das kann dazu führen,
dass die Mail gar nicht erst geöffnet wird. Einige Online-Mail-Programme
zeigen nur 20 Zeichen an, Google Mail zeigt fast 90 Zeichen
an - in den Übersichten von Outlook und Apple Mail sind
häufig etwa 40 Zeichen zu sehen. Hier muss die wesentliche
Information auf einen Blick zu erkennen sein. Belasten Sie
das Postfach des Empfängers nicht mit speicherintensiven
Fotos. Eine Mail mit mehreren MB stößt zumeist
auf wenig Gegenliebe - vor allem, wenn der Empfänger
gerade unterwegs ist. Einfacher ist es, das Bild auf einen
externen Speicher zu stellen und dem Empfänger einen
Link zum Download unter den Text zu setzen. Richtig optimal
ist, wenn in der Mail ein Thumbnail zur Voransicht mitgeliefert
wird.
Die Überschrift
Welche Headline Sie für Ihre Pressemitteilung wählen,
kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Eine gute
Überschrift weckt zum einen die Neugier, zum anderen
beinhaltet sie bereits die Kernaussage der Meldung. Formulieren
Sie ruhig prosaisch - der Redakteur wird es Ihnen danken.
Eine Pressemitteilung ist kein Werbetext, sondern eine nüchterne
- nicht langweilige! - Informationsquelle. Je schneller Sie
auf den Punkt kommen, desto eher wird der Redakteur entscheiden
können, ob das Thema passt oder nicht. Nichtsdestotrotz
können Sie dabei ein interessantes oder überraschendes
Detail hervorheben, um den Leser zum Weiterlesen zu verführen.
Am besten lesen Sie Ihre Überschrift Ihrem Kollegen,
Partner oder Ihrem Friseur vor und fragen, um welches Thema
es seiner Ansicht nach in dem Text geht. Gibt dieser eine
falsche Antwort oder ernten Sie einen ratlosen Blick, dann
denken Sie sich besser eine neue Überschrift aus.
Der Vorspann
Die ersten Sätze einer Pressemitteilung können
über das künftige Schicksal der Meldung entscheiden.
Deshalb Obacht! Sie sollten den Kern der Meldung kurz und
knapp wiedergeben. Die Kunst besteht in der Verdichtung dessen
auf wenige Worte, was Sie eigentlich mitteilen möchten.
Denken Sie sich Ihre Pressemitteilung als Antwort auf alle
W-Fragen, die Ihnen einfallen: Wer hat wann was gemacht und
warum? Im Vorspann liefern Sie zunächst einmal die Antwort
auf die Frage: Worum geht es? Und dann kümmern Sie sich
um alle anderen Ws. Bis der potenzielle Wissensdurst eines
Redakteurs gestillt und die Mitteilung eine runde Sache ist.
Das Zitat
Eine Pressemitteilung gewinnt mit einem Zitat an Authentizität
und liefert dem Redakteur gleichzeitig einen schönen
O-Ton für den Artikel. Natürlich wird derjenige
zitiert, der das Unternehmen repräsentieren kann und
darf, sei es der Pressesprecher, der Geschäftsführer
oder ein Abteilungsleiter. Und natürlich gibt es ein
Foto der Person zum Download. Versuchen Sie, die Damen und
Herren des Unternehmens dazu zu bringen, knackige, informative
Aussagen zu treffen. Mit einem "Wir sind sehr glücklich,
dass wir das Produkt xy nun in unserem Sortiment haben,"
kann vermutlich keiner etwas anfangen. "Nach einer Entwicklungsphase
von drei Jahren ist es uns gelungen, das Produkt xy mit vielen
zusätzlichen Features auf den Markt zu bringen."
Schon besser - aus diesem Zitat kann der Leser einige Informationen
ziehen. Häufig dürfte es am schnellsten gehen, wenn
Sie ein Zitat formulieren und die entsprechende Person dieses
genehmigen lassen. Dann passt es auch in den Schreibfluss
und ist aussagekräftig.
Der Stil
Viele Autoren von Pressemitteilungen erliegen einer fatalen
Verwechslung: Eine Pressemitteilung ist kein Werbetext, sondern
die Meldung einer aktuellen Nachricht. Natürlich möchte
sich jedes Unternehmen mit seiner Schokoladenseite in der
Öffentlichkeit präsentieren. Positive Entwicklungen
zu berichten ist per se auch kein Fehler. Nur sollten Sie
sparsam mit Attributen wie "hervorragend", "beste",
"exzellent" und "großartig" umgehen.
Lassen Sie ruhig Zahlen sprechen: "Mit 500 Mitarbeitern
das größte Unternehmen der Region", "laut
Studie das beliebteste Produkt bei den Unter-Dreißigjährigen",
"ausgezeichnet mit drei Hauben von Gault-Millau",
etc. Belegbare Fakten wirken glaubwürdig und können
vom Redakteur verwendet werden, denn er muss in jedem Fall
Fakten liefern. Subjektive Lobhudeleien finden dagegen niemals
den Weg in einen Zeitungsartikel. Grundsätzlich sind
die besten Pressemitteilungen solche, die der Redakteur schon
fast so übernehmen kann, wie sie sind. Wer ein bisschen
seine journalistische Kompetenz auffrischen möchte, dem
ist die Lektüre von Wolf Schneider zu empfehlen: "Deutsch
für Profis - Wege zu gutem Stil".
SEO
Natürlich erliegt man bei Online-Pressemitteilungen
schnell der Versuchung, diese optimal für Google zu bürsten.
Aber bitte nicht vergessen: Eine Pressemitteilung ist genau
dann am sinnvollsten, wenn sie breit gestreut ist. Somit ist
sie sogar eine potentielle Gefahr für das eigene Ranking.
Das gilt besonders für die eigene Seite: Möchten
Sie beim Namen des in der Pressemitteilung vorgestellte Produktes
mit der Pressemitteilung oder der Produktseite gut ranken?
Eines jedoch kann die Pressemitteilung leisten: externe Verlinkung.
Und weil es durchaus möglich ist, dass die Mitteilung
unverändert übernommen wird, sollten die Links darin
gut gesetzt sein: Verlinken Sie zum Beispiel Ihre Online-Produktseite
im Pressetext mit dem Produktnamen und gönnen Sie sich
im Footer auch einen Link zu Ihrem Unternehmen - und zwar
nicht nur mit dem Linktext www.IHREDOMAIN.de. Hier können
noch weitere Keywords verlinkt oder sogar die erste Ebene
Ihrer Navigation mit eingebaut werden.
Fazit
Die Pressemitteilung ist ein anspruchsvolles Format.
Die meisten Redakteure werden jedoch bestätigen,
dass hier ziemlicher Wildwuchs herrscht. Das kann Ihr
Vorteil sein: Wer sich ein bisschen Mühe gibt und
ein paar Regeln befolgt, hebt sich mit seinem Text positiv
von dem Gros der Pressemitteilungen ab.
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Goldene Regeln für gute Pressemitteilungen
- Ein Gedanke pro Satz.
- Abwechselnd lange und kurze Sätze sind gut
für den Groove.
- Keine Schachtelsätze, maximal 14 Wörter
pro Satz.
- Schreibe wie du sprichst, nur besser: schöne
Begriffe, verständlich arrangiert.
- Rede nicht um den heißen Brei herum: aktiv
statt passiv formulieren, Partizipialkonstruktionen
und unnötige Füllwörter vermeiden,
ebenso Wortmonster mit -ung und -keit.
- Mache es dem Leser leicht, den Text zu erfassen:
Das Wichtigste zuerst, lange Texte durch Absätze
und Zwischenüberschriften strukturieren.
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Über die Autorin
Elisabeth Matejka ist Geschäftsführerin der
CONTENTmanufaktur GmbH in München. Zuletzt war
sie Redaktionsleitung bei freundin.de. 2008 machte sie
sich selbständig und gründete zusammen mit
Eric Kubitz die CONTENTmanufaktur. Sie ist für
die redaktionelle SEO-Beratung/Schulung sowie für
den Bereich Content zuständig.
Internet:
www.contentmanufaktur.net
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