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Worte
Letzte Worte:
Nur meine Meinung ...
Wenn man manchen Bloggern, Journalisten und auch SEOs glauben
mag, ist SEO tot. Der legitime Nachfolger von SEO heißt
Social Media.
Nun mag man einwenden, dass SEO schon sehr oft totgesagt
wurde. Auch nach dem Roll-out von Google Instant fanden sich
derartige Kommentare - und seltsamerweise hat noch keine Agentur
deswegen zugemacht. Totgesagte leben also definitiv länger.
Was in diesem konkreten Fall auch gut ist.
Die Frage, ob Social Media SEO vom Thron stoßen kann,
ist aber dennoch einen genaueren Blick wert. Dabei kann man
gut damit beginnen, Social Media auf seinen SEO-relevanten
Kern zu reduzieren:
- Erzeuge etwas relevantes, das nicht primär auf den
Verkauf ausgerichtet ist. Lobhudel also nicht Deine Produkte
(z. B. Rasenmäher), sondern schreib etwas "drumherum"
(z. B. "Rasen mähen für Einsteiger"
oder "So baue ich mir aus Rasierklingen und einem Rührstab
einen Rasenmäher"). Mach etwas verrücktes.
Etwas informatives. Etwas lustiges. Etwas kontroverses.
- Verteil es über soziale Dienste/Netzwerke wie Facebook,
Twitter, Blogs etc.
- Warte und staune, denn idealerweise verteilt sich die
frohe Botschaft dann über diverse Multiplikatoren wie
von selber.
Die Idee ist gut und es gibt auch viele gute Beispiele,
wo das hervorragend funktioniert. Auf diesem Wege kann man
sowohl direkt Besucher als auch starke Verlinkungen für
die eigene Website erzeugen. Aber Social Media hat eben
auch seine Grenzen.
Social Media funktioniert nicht in allen Branchen
Es ist doch seltsam, dass bei Social Media immer wieder dieselben
Markenkonzerne Erwähnung finden: Ja, Dell hat bei Twitter
ganz viele Follower. Dell hat auch Leute, die nur Social Media
machen. An dieser Stelle könnte man natürlich auch
Lufthansa oder Apple erwähnen.
Nur eine Sache ist wichtig: Die wenigsten Menschen besitzen
ein Unternehmen wie Dell. Es gibt auch Leute, die ein Unternehmen
haben, das Schraubverbindungen herstellt. Oder einen Online-Shop
für Angelbedarf. Da wird's dann offen und ehrlich gesagt
auch schon schwierig mit Social Media.
Social Media braucht Multiplikatoren
Vor allem wird es dann schwierig, wenn es wenige Multiplikatoren
gibt. Für den Online-Shop für Angelbedarf wäre
es klasse, wenn es hunderte Angel-Blogger gäbe, zig Foren,
in denen dann die hippen YouTube-Videos herumgereicht werden,
tausende Twitter-Follower, die jede Nachricht begeistert in
die Welt tragen.
Aber so funktioniert der Markt für Angelbedarf leider
nicht. Und der für Schraubverbindungen erst recht nicht.
Da kann man so viel bloggen und twittern und facebooken, wie
man will.
Social Media wird überschätzt
Ein Beispiel aus den eigenen Reihen: Beim suchradar messen
wir natürlich sehr genau, woher unsere Besucher kommen.
Es kommen zwar Besucher über Twitter, Facebook, unseren
Blog und auch andere Kanäle, aber die meisten Besucher
kommen über einen der klassischen Kanäle - unseren
E-Mail-Newsletter.
Das ist super langweilig und eignet sich eben auch leider
für keine Headline. Zumindest hat lange niemand mehr
postuliert, dass SEO wegen E-Mail-Marketing ausstirbt. Weil
es nicht stimmt. E-Mail-Marketing ist ein Baustein unter vielen
- und das ist Social Media eben auch.
Social Media ist teuer
Ob man "teuer" in Bezug auf Zeit oder Geld sieht,
mag jeder für sich entscheiden. Klar ist, dass jeder
Unternehmer auch vor dem Advent von Social Media schon genug
zu tun hatte. Sicher, es mag sinnvoll sein, Zeit oder Geld
in Social Media zu investieren. Aber in der Praxis merke ich,
dass Social Media im Alltag der Kunden dann doch oft unter
den Tisch fällt.
Es ist schon schwierig, aus manchen Kunden überhaupt
Stichpunkte für einen neuen Beitrag herauszukitzeln.
Da reden wir lieber erst gar nicht über die großen
Maßnahmen.
Klein oder groß?
Dabei ist es interessant, dass Unternehmen doch recht unterschiedliche
Argumentationen haben, warum in Bezug auf Social Media nichts
oder so wenig gemacht wird.
Der Klein-/Kleinst-Unternehmer sagt oftmals, dass er dafür
weder Zeit noch Geld hat. Das stimmt dann leider auch oft.
Bei größeren Unternehmen ist dann zwar Geld vorhanden
- vor allem, weil der Vorstand irgendwo das Buzzword "Social
Media" aufgeschnappt hat - aber dann kommt auch schnell
das ins Spiel, was man "Red Tape" nennt: Compliance-Regeln
des Unternehmens, Begrenzungen durch Gesetze (z. B. in der
Gesundheitsbranche), lange Genehmigungswege im Unternehmen
und so weiter.
Es wird sicher zunehmen, dass immer mehr Unternehmen auch
Social-Media-Verantwortliche einstellen, aber ich glaube einfach
nicht, dass es soweit kommt, wie es kommen sollte: Dass uns
Joe Ackermann mit einer Flip-Kamera gefilmt jeden Freitag
auf einem Whiteboard die Regeln der Börse erklärt
oder dass Rüdiger Grube in seinem Blog seine geheimen
Gedanken zu Stuttgart 21 offenbart.
Ausblick
Ich möchte hier gar nicht falsch verstanden werden.
Ich bin ein großer Fan von Social Media. Leider bin
ich aber auch ein bisschen desillusioniert. Als Einzel-SEO
ist Social Media immer ganz einfach. Schnell was zusammengestellt,
Freelancer kontaktiert, Grafik erstellt, hochgeladen, was
Neues dazugelernt.
Agenturseitig sieht das aber ganz anders aus. Da ist Social
Media eben oftmals schwierig. Entweder weil der Kunde zu klein
ist. Oder weil er zu groß ist. Oder weil er in einer
internetinaffinen Branche unterwegs ist. Oder weil das Thema
im Unternehmen noch nicht die nötige Wertschätzung
erreicht hat. Oder oder oder.
Wenn also SEO tot wäre und Social Media der einzig legitime
Nachfolger, sähe es wohl um den Google-Traffic vieler
Websites nicht so gut aus. Deswegen: Social Media ist toll.
Aber es ist eben nur ein Baustein. Und oftmals gibt es auch
für ein bestimmtes Unternehmen bessere oder dringendere
Bausteine.
Wir bleiben auf jeden Fall an dem Thema dran. Ich glaube,
dass man über Positivbeispiele jenseits von Dell und
Apple mittel- und langfristig auch Unternehmen dafür
begeistern kann, die das derzeit noch nicht auf dem Schirm
haben. Und daran arbeiten wir.
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Über den Autor
Markus Hövener ist Chefredakteur des Magazins
suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.
E-Mail: markus@suchradar.de
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