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Letzte Worte:
Nur meine Meinung ...

Wenn man manchen Bloggern, Journalisten und auch SEOs glauben mag, ist SEO tot. Der legitime Nachfolger von SEO heißt Social Media.

Nun mag man einwenden, dass SEO schon sehr oft totgesagt wurde. Auch nach dem Roll-out von Google Instant fanden sich derartige Kommentare - und seltsamerweise hat noch keine Agentur deswegen zugemacht. Totgesagte leben also definitiv länger. Was in diesem konkreten Fall auch gut ist.

Die Frage, ob Social Media SEO vom Thron stoßen kann, ist aber dennoch einen genaueren Blick wert. Dabei kann man gut damit beginnen, Social Media auf seinen SEO-relevanten Kern zu reduzieren:

  1. Erzeuge etwas relevantes, das nicht primär auf den Verkauf ausgerichtet ist. Lobhudel also nicht Deine Produkte (z. B. Rasenmäher), sondern schreib etwas "drumherum" (z. B. "Rasen mähen für Einsteiger" oder "So baue ich mir aus Rasierklingen und einem Rührstab einen Rasenmäher"). Mach etwas verrücktes. Etwas informatives. Etwas lustiges. Etwas kontroverses.
  2. Verteil es über soziale Dienste/Netzwerke wie Facebook, Twitter, Blogs etc.
  3. Warte und staune, denn idealerweise verteilt sich die frohe Botschaft dann über diverse Multiplikatoren wie von selber.
    Die Idee ist gut und es gibt auch viele gute Beispiele, wo das hervorragend funktioniert. Auf diesem Wege kann man sowohl direkt Besucher als auch starke Verlinkungen für die eigene Website erzeugen. Aber Social Media hat eben auch seine Grenzen.
Social Media funktioniert nicht in allen Branchen

Es ist doch seltsam, dass bei Social Media immer wieder dieselben Markenkonzerne Erwähnung finden: Ja, Dell hat bei Twitter ganz viele Follower. Dell hat auch Leute, die nur Social Media machen. An dieser Stelle könnte man natürlich auch Lufthansa oder Apple erwähnen.

Nur eine Sache ist wichtig: Die wenigsten Menschen besitzen ein Unternehmen wie Dell. Es gibt auch Leute, die ein Unternehmen haben, das Schraubverbindungen herstellt. Oder einen Online-Shop für Angelbedarf. Da wird's dann offen und ehrlich gesagt auch schon schwierig mit Social Media.

Social Media braucht Multiplikatoren

Vor allem wird es dann schwierig, wenn es wenige Multiplikatoren gibt. Für den Online-Shop für Angelbedarf wäre es klasse, wenn es hunderte Angel-Blogger gäbe, zig Foren, in denen dann die hippen YouTube-Videos herumgereicht werden, tausende Twitter-Follower, die jede Nachricht begeistert in die Welt tragen.

Aber so funktioniert der Markt für Angelbedarf leider nicht. Und der für Schraubverbindungen erst recht nicht. Da kann man so viel bloggen und twittern und facebooken, wie man will.

Social Media wird überschätzt

Ein Beispiel aus den eigenen Reihen: Beim suchradar messen wir natürlich sehr genau, woher unsere Besucher kommen. Es kommen zwar Besucher über Twitter, Facebook, unseren Blog und auch andere Kanäle, aber die meisten Besucher kommen über einen der klassischen Kanäle - unseren E-Mail-Newsletter.

Das ist super langweilig und eignet sich eben auch leider für keine Headline. Zumindest hat lange niemand mehr postuliert, dass SEO wegen E-Mail-Marketing ausstirbt. Weil es nicht stimmt. E-Mail-Marketing ist ein Baustein unter vielen - und das ist Social Media eben auch.

Social Media ist teuer

Ob man "teuer" in Bezug auf Zeit oder Geld sieht, mag jeder für sich entscheiden. Klar ist, dass jeder Unternehmer auch vor dem Advent von Social Media schon genug zu tun hatte. Sicher, es mag sinnvoll sein, Zeit oder Geld in Social Media zu investieren. Aber in der Praxis merke ich, dass Social Media im Alltag der Kunden dann doch oft unter den Tisch fällt.

Es ist schon schwierig, aus manchen Kunden überhaupt Stichpunkte für einen neuen Beitrag herauszukitzeln. Da reden wir lieber erst gar nicht über die großen Maßnahmen.

Klein oder groß?

Dabei ist es interessant, dass Unternehmen doch recht unterschiedliche Argumentationen haben, warum in Bezug auf Social Media nichts oder so wenig gemacht wird.

Der Klein-/Kleinst-Unternehmer sagt oftmals, dass er dafür weder Zeit noch Geld hat. Das stimmt dann leider auch oft.
Bei größeren Unternehmen ist dann zwar Geld vorhanden - vor allem, weil der Vorstand irgendwo das Buzzword "Social Media" aufgeschnappt hat - aber dann kommt auch schnell das ins Spiel, was man "Red Tape" nennt: Compliance-Regeln des Unternehmens, Begrenzungen durch Gesetze (z. B. in der Gesundheitsbranche), lange Genehmigungswege im Unternehmen und so weiter.

Es wird sicher zunehmen, dass immer mehr Unternehmen auch Social-Media-Verantwortliche einstellen, aber ich glaube einfach nicht, dass es soweit kommt, wie es kommen sollte: Dass uns Joe Ackermann mit einer Flip-Kamera gefilmt jeden Freitag auf einem Whiteboard die Regeln der Börse erklärt oder dass Rüdiger Grube in seinem Blog seine geheimen Gedanken zu Stuttgart 21 offenbart.

Ausblick

Ich möchte hier gar nicht falsch verstanden werden. Ich bin ein großer Fan von Social Media. Leider bin ich aber auch ein bisschen desillusioniert. Als Einzel-SEO ist Social Media immer ganz einfach. Schnell was zusammengestellt, Freelancer kontaktiert, Grafik erstellt, hochgeladen, was Neues dazugelernt.

Agenturseitig sieht das aber ganz anders aus. Da ist Social Media eben oftmals schwierig. Entweder weil der Kunde zu klein ist. Oder weil er zu groß ist. Oder weil er in einer internetinaffinen Branche unterwegs ist. Oder weil das Thema im Unternehmen noch nicht die nötige Wertschätzung erreicht hat. Oder oder oder.

Wenn also SEO tot wäre und Social Media der einzig legitime Nachfolger, sähe es wohl um den Google-Traffic vieler Websites nicht so gut aus. Deswegen: Social Media ist toll. Aber es ist eben nur ein Baustein. Und oftmals gibt es auch für ein bestimmtes Unternehmen bessere oder dringendere Bausteine.

Wir bleiben auf jeden Fall an dem Thema dran. Ich glaube, dass man über Positivbeispiele jenseits von Dell und Apple mittel- und langfristig auch Unternehmen dafür begeistern kann, die das derzeit noch nicht auf dem Schirm haben. Und daran arbeiten wir.

 

Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail: markus@suchradar.de

 

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