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Ausgabe 26 > Interview
mit Kay A. Schönewerk
Online-PR:
Interview mit Kay A. Schönewerk zum Thema
"Pressetexte für Google schreiben - oder für
Journalisten?"
suchradar im Gespräch mit Kay A. Schönewerk
über die effektive Nutzung der Schnittstellen zwischen
Public Relations und Suchmaschinenoptimierung.
Mehr zu diesem Thema finden Sie in unserem Themen-Index:
> Online-PR |
Was nützen aufwendig gestaltete Unternehmenswebsites,
wenn potenzielle Kunden und Multiplikatoren diese im World
Wide Web gar nicht erst finden? Und wie können Unternehmen
ihre externe Kommunikation optimieren, um auf dem Schirm von
Verbrauchern, potenziellen Kunden und Medien zu bleiben? Schreiben
wir bald nur noch für Google - oder doch noch für
Journalisten?
Es gibt heute zahlreiche Möglichkeiten für Unternehmen,
sich online zu präsentieren: Angefangen von der eigenen
Website über Online-Werbung bis hin zu Presseportalen
und Social Media-Diensten. Wie schätzen Sie dabei die
Bedeutung von Suchmaschinen für Verbraucher und Medienvertreter
ein?
Das Internet ist heutzutage alltäglicher Begleiter für
fast alle Lebenslagen, ob als Nachschlagewerk, als Informationsquelle,
als Dienstleisterverzeichnis, als Online-Shop oder als Kommunikationkanal.
Dabei spielen Suchmaschinen eine entscheidende Filterrolle,
auch bekannt unter dem Begriff 'Gatekeeper-Rolle'. Denn ihre
Algorithmen und Ranking-Faktoren bestimmen, welche Informationen
die User erhalten und welche nicht. Für Unternehmen bedeutet
das, dass sie mit ihren Informationen also erst die Suchdienste
überzeugen müssen, bis sie ihre Zielgruppen erreichen.
Und was heißt das konkret für die Presseverantwortlichen
in Unternehmen?
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Mit Ausbruch des Vulkans auf Island stiegen die Begriffe
'Aschewolke' (blau) und 'Flugplan' (rot) im Volumen
stark an. (Quelle: Google Insight)
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Erhöhte Selektion. In den (Online-) Redaktionen der
Medien zeigt sich ein ähnliches Bild wie unter der gesamten
Bevölkerung. Die Recherche nach Informationen beginnt
online in den Suchmaschinen. Daher haben wir hier die erste
Selektionshürde durch Google & Co. Hinzu kommt, dass
Journalisten ebenso - noch - die Rolle der Multiplikatoren
besitzen, sofern sie die Zeit dafür haben. Das heißt,
selbst wenn es die Pressestelle bestenfalls gemeinsam mit
der SEO-Redaktion schafft, die Unternehmensinformationen auf
den vordersten Plätzen der Suchmaschinen zu positionieren,
damit die Medien überhaupt darauf aufmerksam werden,
so kann der Redakteur letztlich immer noch entscheiden, ob
er darüber berichtet oder nicht.
Welche Auswirkung hat diese Entwicklung auf die PR-Arbeit
von Unternehmen?
Die Presseverantwortlichen müssen sich stärker
auf den Online-Kanal konzentrieren. Ob Presseportale, Social
Networks, Twitter, Foren, Portale, Blogs - je mehr Instrumente
eingesetzt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit,
Aufmerksamkeit im digitalen Informationsdschungel zu erreichen.
Doch vor allem müssen sie lernen, wie Suchmaschinen funktionieren.
Sie sagen also, jedes Unternehmen sollte eine Facebook-Gruppe
haben, sollte twittern, sollte einen Blog haben und mehrere
Portale nutzen etc.?
Nein. Vor dem Einsatz und der Nutzung solcher Instrumente
für die Kommunikationsarbeit sollte immer eine Analyse
stehen, wie sie auch von den meisten SEO-Agenturen angeboten
werden. Für eine erfolgreiche Strategie ist es wichtig
zu wissen, wer seine Zielgruppen sind, wie diese angesprochen
werden müssen und über welche Kanäle diese
zu erreichen sind. Es bringt nichts, eine Facebook-Gruppe
zu gründen, wenn die Zielgruppe dort nicht anzutreffen
ist. Ebenso muss den Unternehmen klar sein, dass Social-Media-Instrumente
regelmäßig - um nicht zu sagen täglich - gepflegt
werden müssen.
Das heißt, es muss Verantwortliche geben, die auch
Zeit für diese Aufgabe haben, beziehungsweise in eine
externe Content-Agentur investiert werden. Zudem ist es sinnvoll,
sich im Vorfeld Gedanken über die Inhalte zu machen,
über die man berichten will. Hier ist es wiederum wichtig
zu wissen, was die Zielgruppe überhaupt interessiert.
Daher ist es effektiver, auf Basis einer Social-Media-Analyse,
gezielt die passenden Instrumente für das eigene Unternehmen
und für die Zielgruppen auszuwählen, als auf zu
vielen Baustellen nur halbherzig zu agieren.
Prophezeien Sie bereits das Ende der klassischen Pressearbeit?
Ich bin der Meinung, dass sich die klassischen PR-Maßnahmen
und die Maßnahmen der Online-PR ergänzen müssen.
Medien werden nicht durch andere verdrängt und ersetzt,
sondern ergänzt. Das hat natürlich Auswirkungen
auf die bisherige Struktur und Arbeit einer Online-Redaktion.
Die Bedeutung sprachlicher und stilistischer Kriterien muss
beispielsweise zu Gunsten der Online-PR und der Suchmaschinenoptimierung
überdacht werden.
Was zählen dann aber noch Offline-Maßnahmen?
Die Verbindung von Offline- und Online-PR ist auch in Zukunft
noch bedeutend. Wie gesagt, die Kanäle bleiben bestehen,
die Strukturen ändern sich lediglich. Beim Lesen von
Texten, egal ob off- oder online, prägen sich bestimmte
Begriffe im Kopf der Leser ein. Diese Schlüsselwörter
sind es, die später für die Google-Suche genutzt
werden. Daher muss die Kommunikation einheitlich ablaufen,
damit diese Schlagwörter offline und online übereinstimmen.
Es darf nicht von Herrenschuhen gesprochen, aber auf Lederslipper
optimiert werden.
Bleiben wir bei der Online-PR: Die Presseverantwortlichen
sollen also keyword-optimierte SEO-Texte schreiben, damit
sie ihre Informationen attraktiv für die Suchmaschinen
gestalten? Was ist jedoch mit der Gatekeeper-Rolle der Journalisten,
deren Qualitätsanspruch noch nicht dem Sparzwang der
Redaktionen zum Opfer gefallen ist?
So schwarz-weiß darf man das nicht sehen. SEO und PR
sind nur auf den ersten Blick zwei unterschiedliche Paar Schuhe.
Bei genauerem Hinsehen entdeckt man die Ähnlichkeiten
und Synergieeffekte. Und genau diese Schnittstellen sind es,
die ich meine.
Es ist heute sogar leichter für PR-Treibende, die SEO-Vorteile
zu nutzen, als noch vor ein paar Jahren. Denn zu den Ranking-Faktoren
der Suchdienste zählen neben Keyword-Dichten und Backlinks
zunehmend hochwertige Inhalte, Aktualität und Leserfreundlichkeit
- alles Kriterien guter PR-Arbeit.
Das heißt, allein mit guter Pressearbeit wird ein
Unternehmen besser bei Google & Co. gelistet?
Ja und nein. Qualität, Regelmäßigkeit und
Aktualität werden von den Suchdiensten zwar positiv bewertet,
dies allein reicht jedoch nicht aus, um auf Platz eins zu
landen. Hierfür bedarf es zusätzlich einer gewissen
Content-Optimierung - Stichwort: Keywords.
Die Kunst liegt darin, google-optimierte und dennoch leserfreundliche
Texte zu verfassen. Hierbei muss jedes Unternehmen selbst
entscheiden, wie groß es den Spielraum der Suchmaschinenoptimierung
für die SEO-Redaktion innerhalb der PR-Abteilung gestaltet.
Ziel ist es, sowohl die Suchdienste als auch die Journalisten
zu überzeugen. Je nach Zielgruppe, Konkurrenz, Suchvolumen
der Keywords, etc. kann das von Unternehmen zu Unternehmen
unterschiedlich leicht oder schwer sein.
Was zählt noch zur Arbeit der SEO-PR?
Leserfreundlicher Content ist für die Journalisten auch
nur interessant, weil sie an ihre Zielgruppe, die Leser, denken.
Das gleiche gilt für die User einer Website. Sind die
Inhalte ansprechend und informativ, so halten sich die User
länger auf einer Website auf. Suchmaschinen bewerten
meiner Meinung nach das Ergebnis der geringeren Absprungrate
positiv. Zudem können sie so wertvollen Content von 'Schlagwort-Aneinanderreihungen',
den unbeliebten SEO-Texten, unterscheiden. Weiterhin spielt
die bereits angedeutete Zugänglichkeit der Informationen
über mehrere Kanäle eine entscheidende Rolle. Dies
kann ein eigener News- beziehungsweise Pressebereich auf der
Website sein, die Nutzung von Presseportalen oder News Feeds
und natürlich Social-Media-Anwendungen. Auf jedem Verbreitungsweg
können wertvolle Backlinks zur eigenen Unternehmenswebsite
generiert werden, die essentielle Ranking-Faktoren für
Google & Co. sind.
Warum sind vor allem Presseportale so wichtig für
erfolgreiche SEO-PR?
Presseportale enthalten sehr viel hochwertigen Content. Das
macht sie attraktiv für textaffine Suchmaschinen und
sie erhalten dadurch eine hohe Sichtbarkeit im Netz. Sind
die Meldungen einmal eingestellt, so werden sie im Archiv
des Portals gespeichert und sind damit auch dauerhaft im Internet
auffindbar. Um den Aufwand für die PR-Treibenden einzuschränken,
ist es ratsam eine Auswahl qualitativ guter Presseportale
zu treffen. Hier helfen zum einen aktuelle Analysen, die sich
mit der Sichtbarkeit von Presseportalen beschäftigen
und auch die Güte aus der SEO-Perspektive bestätigen,
oder zum anderen die Unterstützung durch eine SEO-Agentur.
Welche Rolle spielen Online-PR-Instrumente wie Blogs,
Social Networks, Foren, etc. im Rahmen der Suchmaschinenoptimierung?
Unter dem weiten Begriff des Web 2.0 zusammengefasst sind
diese Instrumente vor allem ressourcenschonend und können
im Schneeballsystem viele User unterschiedlicher Zielgruppen
erreichen. Ideal für die Steigerung der Aufmerksamkeit
und des Bekanntheitsgrades. Weiterhin ist es die multimediale
Darstellung der Inhalte in Form von Texten, Bildern, Videos,
Podcasts, usw., die nicht nur die User, sondern auch die Suchdienste
im Rahmen der Universal Search besonders ansprechen. Das bedeutet,
neben suchmaschinenoptimierten Texten tragen die multimedialen
Darstellungsformen essentiell zu einem besseren Ranking bei
Google & Co. bei.
Wie sieht eine solche multimediale SEO-PR-Maßnahme
beispielsweise aus?
Eine Kunde aus der Healthcare-Branche hatte unsere SEO-Redaktion
damit beauftragt, die Online-Reputation seines Produktes zu
stärken. Es gab dabei fünf unterschiedliche Zielgruppen,
die gleichermaßen angesprochen werden sollten. Wir haben
für jede ein individuelles und suchmaschinenoptimiertes
Themenportal gelauncht: Ein Expertenportal mit Statements
und Fachinhalten, ein informatives, sachliches Wiki, ein Videoportal,
einen Blog, der einen Blick hinter die Kulissen des Unternehmens
und des Produktes erlaubt sowie eine Website mit Erfahrungsberichten
und Hintergrundinformationen von Verbrauchern. Alle Portale
wurden von uns täglich redaktionell betreut sowie mit
Bild-, Ton- und Videoelementen gefüllt. Die Inhalte waren
sowohl userfreundlich als auch suchmaschinenoptimiert. Damit
konnten wir das Ziel erreichen, die positive Online-Reputation
des Produkts und des Unternehmens - dank der erreichten sehr
guten Suchmaschinenplatzierung - deutlich zu schärfen
und zu verbessern.
Fünf Portale, die sowohl inhaltlich als auch SEO-technisch
gepflegt werden müssen. Das hört sich nach sehr
viel Aufwand und hohen Kosten an. Steht dies denn noch in
einem realistischen Verhältnis?
Das Ergebnis, das heißt die Steigerung der Online-Reputation,
spricht für sich. Natürlich kann sich nicht jedes
Unternehmen leisten, ein solches Projekt zu finanzieren. Die
detaillierte Herangehensweise an die Umsetzung eines SEO-PR-Projektes
kann und sollte aber sowieso individuell für das einzelne
Unternehmen ausgehend von den speziellen Kommunikationszielen
analysiert, konzipiert und realisiert werden. Generell sollten
alle Unternehmen anzufangen, die eigene Budgetverteilung zu
überdenken. Allein Budgets für Marketing und klassische
PR einzuplanen wird nicht mehr ausreichen, um marktfähig
zu sein. Wer bei der Geldverteilung den Online-Kanal außen
vor lässt, wird bald den Anschluss verlieren. Eine bessere
Auffindbarkeit der Unternehmenswebsites im Netz, eine Steigerung
der Besucherzahlen sowie die damit erhöhte Chance einer
Auftragsgenerierung, eines Kaufes oder ähnlichem durch
die User rechtfertigen den Aufwand und die Kosten im Nachhinein.
Die Kontrolle, ob die SEO-Maßnahmen funktionieren,
erhält man durch die Sichtbarkeit in den Suchmaschinen.
Doch wie kann ein PR-Treibender überprüfen, wo seine
Informationen in Social Media-Kanälen gestreut werden?
Dafür gibt es Analyse-Tools, die ähnlich wie Clipping-Dienste
für die Online-PR funktionieren und einen Überblick
geben, wo und wie über das eigene Unternehmen berichtet
wird. Und auch für die Evaluation der SEO-Maßnahmen
gibt es diverse Tools, die stetig weiterentwickelt werden.
Für die richtige Interpretation der Daten ist jedoch
einiges an Fachwissen erforderlich. Hier ist eine Unterstützung
durch externe Dienstleister ratsam. Zum einen kann man die
SEO-Projekte samt Evaluation an SEO- beziehungsweise Content-Agenturen
auslagern oder aber Unternehmen holen sich das Wissen beispielsweise
durch einen Workshop ins Haus.
Wenn SEO-PR so viele Vorteile hat, warum werden diese
Maßnahmen erst von so wenigen Unternehmen genutzt?
Bei den meisten Unternehmen liegen die Gründe dafür,
dass noch keine SEO-PR-Maßnahmen in diesem Sinne durchgeführt
werden, in meist fehlenden finanziellen und somit personellen
Ressourcen und/oder schlichtweg im fehlenden SEO-Wissen. Selbst
wenn ein Unternehmen optimalerweise bereits über eine
PR- und eine SEO-Redaktion verfügt, arbeiten diese meist
noch isoliert voneinander. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit
zwischen dem 'technischen' SEO und 'inhaltlicher' PR findet
bisher vor allen durch Dienstleister wie Agenturen Anwendung.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schönewerk.
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Über Kay A. Schönewerk:
Kay A. Schönewerk ist Gründer und Inhaber
der SEO-Agentur 4iMEDIA Professionals, die zur Dachmarke
4iMEDIA Agenturgruppe gehört. Im Rahmen ganzheitlicher
Kommunikationsstrategien zählt sowohl SEO als auch
Public Relations, Corporate Publishing usw. zum Leistungsportfolio
der Agenturgruppe.
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