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Ausgabe 26 > Google
AdWords Werkstatt - AdWords-Qualitätsfaktor
Google AdWords Werkstatt:
Der AdWords-Qualitätsfaktor
Mit dem Qualitätsfaktor versucht Google einen gewissen
Qualitätslevel für AdWords zu gewährleisten.
Drum herum existiert viel Halbwissen - dabei ist eigentlich
alles ganz einfach. Von Martin Röttgerding.
Mit dem AdWords-Qualitätsfaktor (Quality Score) bietet
Google Werbetreibenden einen Anreiz, die Qualität ihrer
Anzeigen zu steigern. Für Google bietet dies gleich zwei
Vorteile: Zum einen profitieren die Nutzer von verbesserten
werblichen Suchergebnissen, was die Suchmaschine insgesamt
attraktiver macht. Zum anderen verdient Google pro Anzeigenklick
- und bessere Anzeigen produzieren mehr Klicks. Für Werbetreibende
ist der Qualitätsfaktor im Hinblick auf Kostensenkung
und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit im Anzeigenumfeld
von großer Bedeutung.
Die Anzeigenauktion
Die Bedeutung des AdWords-Qualitätsfaktors liegt in
der Anzeigenauktion begründet. Bei Google AdWords geben
Werbetreibende an, wie viel sie pro Klick zu zahlen bereit
sind. Jedes Mal, wenn für eine Suchanfrage Anzeigen infrage
kommen, führt Google eine so genannte Anzeigenauktion
durch, um die Anzeigenreihenfolge und die Klickpreise zu bestimmen.
Bevor der Qualitätsfaktor eingeführt wurde, spielten
bei einer solchen Auktion nur die Klickgebote eine Rolle.
Diese wurden der Höhe nach geordnet und jeder Werbetreibende
musste für den Klick dann einen Cent mehr zahlen als
das nächsthöchste Gebot.
Mit der Einführung des AdWords-Qualitätsfaktors
wurde dieses Verfahren etwas komplizierter. Seitdem wird für
jede infrage kommende Anzeige zunächst deren Keyword-Gebot
mit dem zugehörigen Qualitätsfaktor multipliziert,
um den sog. Ad Rank zu bestimmen. Die Ad Ranks werden dann
der Größe nach geordnet und bilden zunächst
die Anzeigenreihenfolge. Der jeweilige Klickpreis ergibt sich
anschließend aus dem Ad Rank der nächstniedrigeren
Anzeige geteilt durch den eigenen Qualitätsfaktor, aufgerundet
auf einen vollen Centbetrag. Einfacher ausgedrückt: Der
Klickpreis ist immer gerade so hoch wie nötig, um den
nächstniedrigeren Wettbewerber zu überbieten.
Ein Beispiel für eine solche Anzeigenauktion: Der Werbetreibende
A bietet einen Euro, B bietet 50 Cent. Der Qualitätsfaktor
für A beträgt 4, für B liegt er bei 10. Bei
der Multiplikation von Gebot und Qualitätsfaktor liegt
B also vor A. Der Klickpreis von B berechnet sich anschließend
aus dem Ad Rank von A geteilt durch den Qualitätsfaktor
von B. Für B gibt es keinen niedrigeren Wettbewerber,
daher muss B für einen Klick nur den von Google individuell
festgelegten minimalen Preis zahlen. Auch dieser Minimalpreis
hängt von einem Qualitätsfaktor ab.
|
|
Gebot
|
Qualitätsfaktor
|
Ad Rank
|
Reihenfolge
|
Klickpreis
|
|
A
|
1,00
|
4
|
4
|
2
|
Minimalpreis
|
|
B
|
0,50
|
10
|
5
|
1
|
4/10=0,40
|
Anhand des Beispiels wird deutlich, dass ein hoher Qualitätsfaktor
ein niedriges Gebot ausgleichen oder sogar überkompensieren
kann. Wollte A auf die oberste Anzeigenposition gelangen,
müsste er hingegen mehr als 1,25 Euro bieten und diese
für einen Klick dann auch tatsächlich zahlen. Ein
vergleichsweise schlechter Qualitätsfaktor bedeutet also
entweder höhere Klickkosten oder eine schlechtere Anzeigenposition
- insgesamt bedeutet der niedrigere Qualitätsfaktor für
A also eine Einschränkung seiner Wettbewerbsfähigkeit.
Für AdWords-Werbetreibende im Allgemeinen bedeutet dies,
dass ein hoher Qualitätsfaktor immer angestrebt werden
sollte.
Zusätzlich zur Anzeigenauktion werden Qualitätsfaktoren
auch herangezogen, um bestimmte Schwellwerte für Gebote
zu berechnen. So hängt das Minimalgebot für die
Einblendung einer Anzeige auf der letzten Position von einem
Qualitätsfaktor ab, ebenso wie das Minimalgebot für
den Sprung auf einen der sog. Premium-Anzeigenplätze
oberhalb der organischen Suchergebnisse und die Einblendung
bzw. das Format der Ad Sitelinks.
Was ist der Qualitätsfaktor?
Im obigen Beispiel bringt jeder Werbetreibende einen Qualitätsfaktor
in die Auktion mit ein. Es drängt sich also die Frage
auf, wo dieser Qualitätsfaktor eigentlich herkommt und
wie er berechnet wird. Hierzu ist zunächst festzuhalten,
dass es den Qualitätsfaktor gar nicht gibt. Stattdessen
gibt es eine Reihe von unterschiedlichen Größen,
die auf verschiedene Weise berechnet werden, aber alle regelmäßig
als der Qualitätsfaktor bezeichnet werden.
Unterschiede gibt es zum einen zwischen den Qualitätsfaktoren
für die Google-Suche, das Such-Netzwerk und das Display-Netzwerk.
Im Display-Netzwerk wird zusätzlich zwischen CPC und
CPM-Anzeigen unterschieden. Außerdem wird unterschieden
zwischen dem Qualitätsfaktor innerhalb der Anzeigenauktion,
von dem die Anzeigenposition und der tatsächliche Klickpreis
abhängen, und dem Qualitätsfaktor bei der Berechnung
des Minimalgebots für die erste Seite.
In Artikeln, Blog-Posts und auch offiziellen Mitteilungen
von Google wird in der Regel pauschal von dem Qualitätsfaktor
gesprochen. Gemeint ist damit normalerweise der Qualitätsfaktor
für die Google-Suche, für gewöhnlich im Kontext
der Anzeigenauktion. Auch in diesem Artikel geht es primär
um den Auktions-Qualitätsfaktor und die Google-Suche.
Wie wird der Qualitätsfaktor berechnet?
Die genauen Formeln zur Berechnung des Qualitätsfaktors
werden von Google immer wieder optimiert und nicht veröffentlicht.
Google nennt aber einige Einflussfaktoren (http://adwords.google.com/support/aw/bin/answer.py?answer=10215).
Diese lassen sich für die Google-Suche grob drei Bereichen
zuordnen: historische Klickraten, Relevanz und Zielseite.
Den mit Abstand größten Einfluss übt die
bisherige Klickrate aus: Ein Keyword-Anzeigen-Paar, das in
der Vergangenheit eine hohe Klickrate hatte, wird mit hoher
Wahrscheinlichkeit auch einen hohen Qualitätsfaktor erhalten.
Eine hohe Klickrate ist dabei immer subjektiv und wird in
Bezug zur Anzeigenposition und im Vergleich zum Wettbewerb
betrachtet.
Es gibt allerdings ganz verschiedene historische Klickraten,
die Google heranzieht, darunter die des Keyword-Anzeigen-Paars
selbst, die des Kontos und die für die betreffende geographische
Region. Im Such-Netzwerk kommt außerdem die Klickrate
des konkreten Placements hinzu. Im Display-Netzwerk spielt
die bisherige Performance auf der aktuellen und auf ähnlichen
Seiten eine Rolle. Dadurch ist es möglich, auch bei neuen
Anzeigen oder Suchanfragen schon Qualitätsfaktoren zu
vergeben. Mit zunehmender Datengrundlage rücken Faktoren
wie die Konto-Performance dann in den Hintergrund.
Auch das Thema Relevanz spielt bei der Berechnung des Qualitätsfaktors
eine Rolle - allerdings eine weit geringere als die Klickraten.
Konkret berechnet Google eine Relevanz des Keywords für
die Anzeige und dann die Relevanz von beidem für die
Suchanfrage. Es ist anzunehmen, dass auch diese Faktoren in
den Hintergrund treten, sobald bessere Daten zu Klickraten
vorliegen.
Etwas anders verhält es sich mit den Faktoren rund um
die Zielseite. Die Qualität der Zielseite kann sich nur
negativ auswirken, wenn nämlich etwas mit der Zielseite
nicht stimmt. Umgekehrt führt eine perfekte Zielseite
aber nicht zu einem höheren Qualitätsfaktor.
Offiziell beurteilt Google die Zielseiten im Hinblick Dinge
wie Navigation, Usability, Transparenz und Datenschutz (http://adwords.google.com/support/aw/bin/answer.py?answer=46675).
Hier ist zwar klar, dass Google und Werbetreibende ein Interesse
haben, diese Dinge ordentlich hinzubekommen. Es ist jedoch
kaum möglich, diese Aspekte automatisiert zu prüfen
und tiefergehend zu beurteilen, so dass diese im Hinblick
auf den Qualitätsfaktor wohl vernachlässigt werden
können. Wichtig ist dagegen die Ladezeit der Zielseite.
Aber auch hier hat sich gezeigt, dass selbst vergleichsweise
langsame Seiten nicht zwangsläufig abgestraft werden.
Die nachrangige Bedeutung der Zielseite liegt vor allem darin
begründet, dass diese Faktoren in der Google-Suche und
im Such-Netzwerk nicht für den Auktions-Qualitätsfaktor
herangezogen werden. Nur für die Berechnung des Minimalgebots
spielt die Zielseite eine Rolle.
Dem Qualitätsfaktor auf die Sprünge helfen
Die Einflussfaktoren des Qualitätsfaktors mögen
vielfältig und geheimnisumwittert sein, lassen sich aber
ganz einfach zusammenfassen: Solange die Landing Page in Ordnung
ist, entscheidet die Klickrate. Entsprechend einfach ist auch
die Konsequenz für Werbetreibende: Eine hohe Klickrate
ist vorteilhaft und sollte angestrebt werden. Der Schlüssel
hierzu liegt in den Anzeigentexten.
Hohe Klickraten weisen vor allem solche Anzeigen auf, die
gut auf die jeweilige Suchanfrage abgestimmt sind. Letztlich
müssen dabei zwei Voraussetzungen erfüllt werden:
Zuerst muss die Aufmerksamkeit des Nutzers gewonnen werden
und anschließend sollte der Nutzer auch tatsächlich
klicken. Zur Gewinnung der Aufmerksamkeit ist es extrem hilfreich,
Wörter der Suchanfrage in der Anzeige zu verwenden, da
diese fett markiert werden. Hierfür eignet sich vor allem
die Überschrift, die mit Abstand die besten Chancen hat,
beim Überfliegen der Suchergebnisse wahrgenommen zu werden.
Um den Nutzer zum Klick zu animieren können anschließend
z. B. Verkaufsargumente genannt werden.
Wie genau die Aufmerksamkeit des Nutzers gewonnen wird und
wie er zum Klick animiert wird, dafür gibt es leider
kein Patentrezept. So bleibt Werbetreibenden nur, mehrere
Anzeigenvarianten gegeneinander zu testen. Der größte
Hebel zur Steigerung der Klickraten bleibt allerdings die
Abstimmung von Anzeigen auf Suchbegriffe. Werbetreibende sollten
sich also ihre Suchanfrageberichte ansehen, um besonders wichtige
Suchanfragen aufzuspüren, die sich anschließend
mit separaten, darauf zugeschnittenen Anzeigen bewerben lassen.
Suchanfrageberichte lassen sich im AdWords-Interface über
den Reiter Keywords und die Schaltfläche "Suchbegriffe
anzeigen" abrufen.
Wenig hilfreich für den Qualitätsfaktor ist übrigens
eine hohe Anzeigenplatzierung, da Google diese bei der Beurteilung
der Klickrate herausrechnet. So sollte es für den Qualitätsfaktor
keinen Unterschied machen, ob eine Anzeige eher auf den oberen
oder den unteren Rängen zu finden ist. In der Praxis
kann es manchmal aber doch möglich und sinnvoll sein,
mit hohen Geboten hohe Platzierungen zu erreichen, um dem
Qualitätsfaktor auf die Sprünge zu helfen. Das liegt
daran, dass in Ermangelung von direkten historischen Klickraten
andere Faktoren herangezogen werden, um einen vorläufigen
Qualitätsfaktor festzulegen. Durch hohe Platzierungen
lassen sich dann schnell Daten sammeln, was möglicherweise
zu einer Verbesserung des Qualitätsfaktors führt.
Der Qualitätsfaktor im AdWords-Interface
Obwohl der Qualitätsfaktor eigentlich für jede
Suchanfrage neu berechnet wird, lässt sich ein Qualitätsfaktor
auch auf der AdWords-Oberfläche anzeigen. Die entsprechende
Spalte kann für Keywords eingeblendet werden und enthält
Werte von 1 bis 10. Google benennt diese grob als "schlecht"
(1-4), "OK" (5-7) und "sehr gut" (8-10)
(http://adwords.google.com/support/aw/bin/answer.py?hl=de&answer=100305).
In der Praxis gilt 7 als normal und 10 als sehr gut, 8 und
9 sind dagegen extrem selten.
Die Aussagekraft dieser Zahlen ist begrenzt, da der Qualitätsfaktor
eben immer von den Umständen einer konkreten Suchanfrage
abhängt, nicht nur von einem einzelnen Keyword. So drückt
die Zahl wohl nur ganz grob den tatsächlichen Qualitätsfaktor
für exakt passende Suchanfragen aus. Unberücksichtigt
bleiben Aspekte wie die Keyword-Anzeigen-Kombination (zu einem
Keyword können ja auch mehrere Anzeigen gehören),
geographische Region oder eben Suchanfragen, die nicht exakt
passen.
Der sichtbare Qualitätsfaktor dient Werbetreibenden
damit in erster Linie als Indikator für die Qualität
ihrer Werbung. Qualitätsfaktoren für Suchanfragen,
die nicht exakt auf ein Keyword passen, bleiben allerdings
gänzlich verborgen, so dass es sich an dieser Stelle
auszahlt, möglichst viele exakt passende Keywords zu
verwenden. Gerade für die wichtigsten Suchanfragen sollte
dies ohnehin geschehen und hier sind natürlich auch die
Informationen für die Qualitätsfaktoren am wichtigsten.
Werbetreibende sollten die Qualitätsfaktoren ihrer wichtigsten
Keywords ab und zu überprüfen und bei schlechten
Qualitätsfaktoren (kleiner als 7) prüfen, ob nicht
Verbesserungen an den zugehörigen Anzeigen möglich
sind.
Fazit
Obwohl die Nuancen des Qualitätsfaktors hochkomplex
sind, geht es doch letztlich nur um Klickraten. Mit
dem Qualitätsfaktor belohnt Google die Werbetreibenden,
die mit ihren Anzeigen viele Klicks produzieren. "Viel"
ist dabei aber immer relativ zur Konkurrenz auf der
gleichen Anzeigenposition gemeint. Werbetreibende sind
also immer dazu angehalten, ihre Anzeigen zu optimieren
und besser auf Suchanfragen abzustimmen.
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