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Linkaufbau mit Bildern:
Infografiken unter der Lupe

Schnell mal eine Infografik erstellen und schon bekommt man viele neue Links? Ganz so einfach ist es nicht: ein Blick auf Erfolgsfaktoren für Infografiken. Von Markus Hövener.

Linkaufbau mit Infografiken ist bereits seit einiger Zeit ein spannendes Thema. Wer fleißig Tweets oder Blog-Posts verfolgt, stolpert immer mal wieder über eine gut gemachte Infografik - Grafiken, die so breit sind, dass sie noch gut in ein Blog-Layout passen, und oftmals sehr hoch (>1.000 Pixel). Dort werden dann zu einem Thema informative, lustige, kontroverse Inhalte angeboten (siehe Kasten "Einige Beispiele").

Derlei Grafiken werden in der Regel erstellt, um gezielt Links für die Website aufzubauen. Wie funktioniert das? Wie kann man das am besten steuern?

Warum Infografiken?

Zunächst stellt sich natürlich die Frage, warum diese Art Grafik für Leser und vor allem Blogger so interessant sind. Infografiken passen auf jeden Fall in die heutige Zeit: Sie sind optisch attraktiv und schnell zu verstehen (anders als z. B. komplexe Studien).
Vor allem aber bieten sie den Vorteil, dass sie sehr schnell von anderen in deren Blog übernommen werden können und diese so mit minimalem Aufwand relevante, attraktive Inhalte anbieten - ohne selber überhaupt Text schreiben zu müssen. Sie verlinken also in der Regel nur auf etwas, das auf einem anderen Server liegt, und fügen bestenfalls noch selber einen Kommentar hinzu.

Infografiken aus Sicht des Erzeugers

Aus Sicht des Erzeugers sind Infografiken vor allem wegen der möglichen Verlinkungen interessant. Man kann so relativ schnell viele gute Backlinks von anderen Blogs erhalten. Darin besteht natürlich auch ein potenzieller Nachteil: Die Verlinkungen werden alle in relativ kurzer Zeit entstehen. Außerdem bilden sich hier - je nach Implementierung - viele oftmals identische Verknüpfungen. Beides kann für den Linkaufbau auch kurzfristig von Nachteil sein, weil Google auf derartige Links negativ reagieren kann.

Ein Beispiel für einen Code, der sich auf dem originalen Blog-Post auf der Seite http://www.homeownersinsurance.org/15-things-about-caffeine/ findet, zeigt, wie der Linkaufbau funktionieren kann:


<a rel="nofollow" href="http://www.homeownersinsurance.org/15-things-you-should-know-about-caffeine/"><img src="http://consumermedianetwork.s3.amazonaws.com/homeowners/caffeine.jpg" alt="15 Things Your Should Know about Caffeine" width="500" border="0" /></a><br />
Via: <a href="http://www.homeownersinsurance.org/">Homeowners Insurance</a>


Wer diesen Code also 1:1 übernimmt, erzeugt zwei Links:

  1. Einen Nofollow-Link auf den Blog-Post
  2. Einen Link mit dem Ankertext "Homeowners Insurance" auf die Website www.homeownersinsurance.org.

Dabei ist der zweite Link der eigentlich gewollte, denn dadurch kann das eigene Ranking für den Suchbegriff "homeowners insurance" verbessert werden. Aber wie gesagt: Da hier innerhalb kurzer Zeit viele identische Links entstehen können, kann das auch zu einer Abstrafung führen. Besser wäre es daher, wenn die Ankertexte bei Abruf der Seite jeweils rotieren würden.

Erfolgsfaktoren

Dann stellt sich natürlich auch die Frage, welche Erfolgsfaktoren es denn für Infografiken gibt. Denn: Nicht alle "zünden" auch wirklich und führen zum gewünschten Erfolg.

Erfolgsfaktor #1: Thema

Es eignen sich nicht alle Themen gleichermaßen zum Linkaufbau. Das Thema muss eben so gewählt werden, dass es andere Besucher anspricht und diese die Infografik dann - kommentiert oder unkommentiert - übernehmen. Dafür eignen sich z. B. die folgenden Themenbereiche:

  • Unbekannte Facts über Sachen, die fast jeden persönlich betreffen (Koffein-Konsum, Tod, ungesunde Ernährung, Stress, Internet-Nutzung, Internet-Technik, Finanzen, …)
  • Positives über bekannte Persönlichkeiten, Unternehmen oder Produkte ("Wie Apple es zum Erfolg brachte", …)
  • Negatives über bekannte Persönlichkeiten, Unternehmen oder Produkte ("Wie ein Staatskonzern uns abzockt", …)
  • Informatives zu aktuellen Themen (BP-Ölkatastrophe, Verwendung homöopathischer Arzneimittel, Haushaltsloch, Gesundheitsreform, Fußball-Weltmeisterschaft/-Europameisterschaft, …)
  • Ein eher komplexes Konzept auf ein eher einfaches Konzept übertragen ("Wie sähe Facebook als Land aus?", …)
  • Lustiges ("Die wichtigsten ‚Fakten' über Chuck Norris", "Warum es Bielefeld nicht geben kann?" (siehe Bielefeldverschwörung), mit Vorurteilen spielen, …)

Wichtig ist bei all diesen Themen, dass ein dialektischer Aufbau einer Infografik nicht gerade förderlich ist. Oder: Beziehen Sie Stellung, vermeiden Sie Langeweile, leisten Sie sich eine eigene Meinung.

Erfolgsfaktor #2: Aufbereitung

Kritisch ist natürlich auch die grafische Aufbereitung. Häufig wird hier mit Piktogrammen gearbeitet. Es sollte eine klare grafische Linie geben, damit man das Thema schnell versteht. Allzu komplexe Beziehungen/Bezeichnungen sollten vermieden werden.

Übrigens: Infografiken müssen nicht zwangsweise statische Grafiken sein. Ein Beispiel dafür ist die Flash-Anwendung auf der Seite http://www.estadao.com.br/especiais/2010/06/copa_jogadores.shtm, die hundertfach verlinkt wurde - auch von Websites anderer Sprachen, weil die Grafik auch ohne das konkrete Verständnis der Texte sehr verständlich ist.

Erfolgsfaktor #3: Seeding

Aber die schönste Infografik hilft nichts, wenn sie eben keiner in das eigene Blog übernimmt, darüber etwas bei Facebook schreibt oder einen Tweet dazu verfasst. Wichtig ist es daher, selber bereits einen großen "Freundeskreis" (Fans bei Facebook, Follower bei Twitter, RSS-Abonnenten beim Blogs, …) zu haben.

Gerade wer er schafft, eine große Menge an Multiplikatoren zu erreichen, hat sehr gute Chancen darauf, dass die eigene Infografik gut funktioniert. Es entstehen dann oft Ketten der Verlinkung. Zwei Beispiele:

  1. Die Infografik http://www.visualeconomics.com/the-republic-of-facebook_2010-06-29/ wurde z. B. von http://www.geeksaresexy.net/2010/07/04/if-facebook-would-be-a-country-infographic/ übernommen. Dort ist dann wohl auch http://www.makeuseof.com/tech-fun/if-facebook-was-a-country/ auf sie aufmerksam geworden.
  2. Die Seite http://www.homeownersinsurance.org/15-things-about-caffeine/ veröffentlicht die Infografik. Diese wurde z. B. vom reichweitenstarken Blog http://www.thisblogrules.com/2010/06/15-things-you-should-know-about-caffeine.html übernommen, was dann dazu geführt hat, dass auch http://www.vizworld.com/2010/06/15-caffeine/ die Infografik erwähnt.

Derartige Ketten haben also durchaus ihren Nutzen - aber eben auch einen potenziellen Nachteil. Wie im zweiten Beispiel sieht man, dass die Seite http://www.vizworld.com/2010/06/15-caffeine/ nur noch auf den Blog-Beitrag http://www.thisblogrules.com/2010/06/15-things-you-should-know-about-caffeine.html verlinkt. Der eigentlich gewollte Backlink auf http://www.homeownersinsurance.org/ entfällt.

Man könnte natürlich derartige Beiträge aufspüren und dann nochmal um einen Link auf die Quelle bitten - oder eben einfach damit leben, dass derartige Dinge passieren, die die Aktion damit auch organischer aussehen lassen.

Erfolgsfaktor #4: Sharing

Ganz wichtig ist natürlich, dass das Verlinken der Grafik so einfach wie möglich ist. Dazu gehört vor allem das Bereitstellen eines HTML-Codes, aber auch das Bereitstellen von Sharingbuttons für Facebook, Twitter, Digg & Co.
Prinzipiell kann man diesbezüglich in Diensten wie Facebook und Twitter natürlich erst einmal einen Nachteil sehen, da sie zu keiner für Suchmaschinen direkt sichtbaren Verlinkung führen. Für die Verbreitung kann es aber dennoch interessant sein. Es ist nur leider schwierig, diesen Effekt auch zu messen.

In Zeiten, in denen Google alle Tweets analysiert, kann eine häufige Erwähnung bei Twitter aber auch positive Effekte bringen, ohne dass hieraus ein Link resultieren würde. Denn man kann davon ausgehen, dass die massenhafte Erwähnung in Tweets auch ein positives Signal für die eigene Website ist.

ROI markieren in EyeQuant

Abbildung 1: Schlug auf Facebook und Twitter ein wie eine Bombe, wurde aber trotzdem "nur" ca. 250 Mal verlinkt - die Infografik "Republic of Facebook" von visualeconomics.

Ohnehin muss man akzeptieren, dass anteilig nur sehr wenige direkte Verlinkungen entstehen: Eine Infografik wie http://www.visualeconomics.com/the-republic-of-facebook_2010-06-29/ hat mehr als 2.000 Nennungen bei Twitter und Facebook, aber nur ca. 250 Verlinkungen (siehe Abbildung 1).

Kritische Betrachtung

Eigentlich sind Infografiken ein typisches SEO-Thema: Irgendwann macht es jeder, so dass sie dann wieder schlechter funktionieren. Zum Glück ist der Aufwand, eine solche Grafik zu erstellen, relativ hoch, so dass in absehbarer Zeit nicht damit gerechnet werden kann, dass wir von ihnen überflutet werden.

Wichtig ist vor allem, dass auch Infografiken keine Selbstläufer sind. Einfach eine erstellen, auf die eigene Website oder ins Blog stellen und schon kommen die Links? Eher nicht. Denn ohne ein ordentliches Seeding wird das extrem schwer und ist dann wohl eher zufälliger Natur. Infografiken taugen also insgesamt gut als Beimischung für eine Gesamtstrategie, die einen aktiven Twitter-Account, eine Facebook-Seite, einen Blog mit für die Branche relevanten Inhalten und vieles andere voraussetzen.

Und noch eine Einschränkung gibt es leider. Die Beispiele in diesem Artikel stammen alle aus dem nicht-deutschen Sprachraum. Das liegt vor allem daran, dass es relativ schwer ist, ähnlich gute Infografiken zu finden, die auch von vielen Blogs aufgegriffen wurden. So gibt es einfach mehr englischsprachige Blogs und wohl in den USA auch eine andere Blog-Kultur. Auch Plattformen wie Digg oder StumbleUpon werden in den USA stärker genutzt, so dass es oftmals leichter ist, attraktive Inhalte auch der entsprechenden Zielgruppe anzubieten.

Auch sollte man über das Konzept der Infografiken hinausdenken. Spannend sind sie wie gesagt, weil andere sie schnell einfach in das eigene Blog einbauen und so attraktive Inhalte anbieten können. Die bereits erwähnte Flash-Anwendung (http://www.estadao.com.br/especiais/2010/06/copa_jogadores.shtm) ist ein sehr gutes Beispiel für eine Infografik, die über statische Inhalte hinausgeht. Aber Interaktivität gibt es auch hier noch nicht. Es gibt also noch viel Raum für kreative Ideen.

 

Fazit

Linkaufbau über Infografiken kann sehr gut funktionieren, wenn man es schafft, attraktive Inhalte zu erstellen und diese auch den richtigen Multiplikatoren vorzulegen. Dabei ist natürlich einiges zu beachten, denn auch Infografiken sind keine Selbstläufer.

 

Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail:
markus@suchradar.de

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Ausgabe 33 (14. Dezember 2011)

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