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Letzte Worte:
Man muss nicht auf jeden Zug aufspringen

Wenn man die so genannte Fachpresse in den letzten Jahren verfolgt hat, hat man gesehen, dass unterschiedlichste Säue durchs Dorf getrieben wurden: Shopping-Communities, Live-Shopping, Corporate Blogs - alles immer ultrawichtig und sehr entscheidend in Bezug auf den langfristigen Erfolg. Wer das nicht macht, lebt hinterm Mond - und wer lebt da schon gerne?

Und dann schreibt z. B. die Internet World vor einigen Wochen, dass Shopping-Communities tot sind. Und Live-Shopping hat wohl auch den Nimbus des ultimativen Umsatzbringers verloren. Gebloggt wurde auch schon mal mehr - vor allem in Chefetagen. Ganz so heiß waren die Tipps der vergangenen Tage dann wohl doch nicht.

Als Agentur steht man da ja an vorderster Front. Wenn ein neuer Trend ausgemacht wird, kann man darauf warten, bis das Telefon klingelt und der erste Kunde fragt, warum er denn an diesem Trend noch nicht teilnimmt. Wer Marktführer sein will, muss den Markt schließlich auch führen.

Das soll jetzt keine Medienkritik oder Zeitschriften-Bashing sein. Naja, vielleicht doch ein bisschen. Aber die Chancen, dass sich die Medien ändern und nur noch dialektisch geschriebene Beiträge bringen, sind dann doch eher gering.

Ändern können sich aber auf jeden Fall die Unternehmen. Nicht immer gleich auf den nächsten Zug aufspringen. Nicht das "nächste große Ding" zum ultimativen Heilsbringer erheben.

Oder mit anderen Worten: Wenn ein Unternehmen wirklich eine Facebook-Präsenz braucht, um bestehen zu können, muss es wohl irgendwas falsch gemacht haben. Es mag sein, dass man ohne Facebook- und Twitter-Logos auf der Website von manchen Medien und Agenturen als "hinter dem Mond lebend" eingestuft wird. Aber das muss einen ja nicht unbedingt kratzen.

Eigentlich ist es postum erstaunlich, wie viele Unternehmen die letzten Jahre überlebt haben, obwohl sie nicht twittern, keine Communities betreiben und insgesamt beim Web 2.0 sehr sparsam agieren. Das muss wohl daran liegen, dass es eben doch noch mehr gibt als das schnöde Internet mit seinen wechselnden "Must-Haves" - und zwar gute Produkte, herausragenden Kundenservice, Kontinuität und einen gesunden Markenkern.

Es gibt doch eigentlich nichts Schlimmeres als ein Unternehmen, das sich an Web 2.0 (oder sogar 3.0) heranwagt, ohne 1.0 richtig genutzt zu haben. Oder anders ausgedrückt: Ich sehe in der Praxis so oft Websites, die zwar aber über Facebook Connect und Twitter-Einbindung verfügen, aber dafür in Bezug auf SEO nahezu alles falsch machen. Der Zwang, immer neue Baustellen aufzumachen, hält einen eben auch davon ab, die Zeit mal für die Basics zu nutzen.

Das mag zwar langweilig sein, bringt aber wenigstens Umsatz. Es ist eben doch wichtiger, über SEO 10.000 Besucher zu bekommen, als bei Twitter an die 100-Follower-Marke heranzukriechen. Ist halt auch nicht immer so leicht, soziale Medien zu nutzen, wenn man Schraubmuffen oder Absauganlagen herstellt.

Wenn jemand eine Empfehlung lesen möchte, dass man auch mal langweilig und rückständig sein darf: Hier ist sie. Ja, man muss nicht bei Facebook sein, um cool zu sein. XING ist für viele geschäftliche Zwecke eh besser und verursacht auch nicht so viele Bauchschmerzen in Bezug auf Datenschutz.

Und wenn man schon etwas ausprobiert, sollte man die anderen Baustellen nicht links liegen lassen. Und: Man sollte die neuen Baustellen beobachten und vor allem auch bewerten. Wieviel Arbeit stecke ich da rein? Und wieviel bekomme ich da wieder raus?

Eines darf man dabei natürlich nicht vergessen: Es macht ja auch Spaß, mal was Neues zu probieren. Der Erste zu sein. Erwarten Sie nur einfach nicht, dass das "new kid on the block" alle Spielregeln auf den Kopf stellt und dass sich damit alle Probleme lösen lassen.

 

Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail: markus@suchradar.de

 

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