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Interview zu Landing-Page-Optimierung mit Prof. Dr. Peter König/WhitematterLabs

Die Analyse von Landing-Pages wird nicht nur für Werbetreibende immer wichtiger. Seit einiger Zeit gibt es das Tool EyeQuant von WhiteMatter Labs, dem Prof. Peter König als wissenschaftlicher Kopf vorsteht. Wir haben mit ihm über seine Beweggründe als Forscher und die Zukunft der Aufmerksamkeitsanalyse gesprochen. Von Maik Bruns.

Guten Tag, Prof. König,

Sie sind Mitgründer und wissenschaftlicher Kopf von WhiteMatter Labs. Stellen Sie Ihr Unternehmen doch bitte kurz vor und erklären Sie uns dabei auch Ihre Rolle.

Bei WhiteMatter Labs erforschen und entwickeln wir neue Technologien aus der Hirnforschung für Anwendungen in Marketing, Usability und Werbung. EyeQuant ist unsere Kerntechnologie: eine Engine zur Vorhersage menschlicher Aufmerksamkeitsprozesse, mit der sich Webseiten und Landing-Pages sehr schnell und effektiv optimieren lassen. Als wissenschaftlicher Direktor koordiniere ich WhiteMatters Forschungsteam und über unseren wissenschaftlichen Beirat die Zusammenarbeit mit Professor Christof Koch vom Caltech und Professor Laurent Itti an der University of Southern California.

Was treibt Sie bei der Entwicklung des Tools an? Ist es eher die Neugier, wie der Mensch im Innern "tickt", oder ist es die kommerzielle Verwertbarkeit?

Am Anfang steht immer die Grundlagenforschung, und diese lebt ausschließlich von der wissenschaftlichen Neugier, menschliches Verhalten zu verstehen und zu erklären. Selbiges gilt für die Motivation zur Erforschung und Entwicklung von performanten Aufmerksamkeitsmodellen: Sie helfen uns zu verstehen, wie das menschliche Gehirn unsere bewusste Wahrnehmung tatsächlich strukturiert. Ein mögliches Kommerzialisierungspotenzial spielt dabei erstmal keine Rolle - hier kommt man als Wissenschaftler ohne eine grundsätzliche Leidenschaft für Wissen und Verstehen nicht weiter. Wenn sich, wie mit EyeQuant geschehen, in späteren Phasen auch klare großartige Anwendungsmöglichkeiten in anderen Bereichen eröffnen, ist das aber natürlich eine tolle Sache.

Wie schätzen Sie Ihr Tool derzeit auf dem Markt im Vergleich zur Konkurrenz ein?

Der Standard, an dem sich EyeQuant orientiert sind nicht andere Tools, sondern die Realität menschlichen Blickverhaltens. Hier erreicht unser aktuelles Modell für die ersten Sekunden über 90 % der Performance einer Eyetracking Studie - ein Wert, der ohne die investierten 20 Mannjahre neurowissenschaftlicher Forschung nicht zu erreichen ist. Wir wissen, dass die meisten unserer Wettbewerber auf im Netz frei verfügbare Algorithmen setzen, die von Mitgliedern unseres wissenschaftlichen Beirats eigentlich nur als Lehrmaterial publiziert wurden und für die Analyse von Webseiten leider ungeeignet sind. Letztendlich werden sich jedoch nur die Tools durchsetzen, die valide Ergebnisse liefern - dass eine Heatmap irgendwo Hot Spots aufweist, genügt nicht.

Sie haben ja noch einiges vor mit EyeQuant. Beispielsweise soll eine Gesichtserkennung integriert werden, die möglichst sogar die gezeigten Emotionen erkennen und daraus ableiten kann, wohin jemand als nächstes blicken wird. Wann wird es soweit sein? Und wie stark wird das die Ergebnisse noch verbessern?

Die genannten Technologien existieren bereits. Wir evaluieren aktuell noch, wie wir diese optimal in EyeQuant integrieren und welche konkreten Zusammenhänge wir ableiten können. Die zu erwartenden Verbesserungen werden wir insbesondere bei Seiten erreichen, die stark auf Blicklenkungen durch Gesichter bauen. Zugleich ist das nach wie vor eine spannende Forschungsfrage - diese Effekte sind weit komplexer, als gemeinhin angenommen.

Schafft EyeQuant irgendwann die hundertprozentige Übereinstimmung der Vorhersage mit den Ergebnissen des Eyetracking?

Je besser wir die Funktionsweisen des menschlichen Gehirns verstehen, desto besser können wir diese Prozesse auch vorhersagen. Für das initiale Blickverhalten eines frischen Nutzers in den ersten Sekunden sind wir ja schon sehr nahe dran. Das war vor 10 Jahren noch undenkbar und ist heute möglich. Die Forschung macht tägliche Fortschritte, die ganz großen Innovationssprünge sind jedoch nicht so einfach vorherzusehen. Wir arbeiten daran!

Wenn ich an die automatisch generierten Vorschläge zur Verbesserung der Aufmerksamkeitswerte denke, die irgendwann in EyeQuant integriert werden, frage ich mich: Wie genau können diese Vorschläge sein? Oder sind es eher allgemeine Vorschläge á la: "Wenn Sie für dieses Element mehr Aufmerksamkeit erzielen wollen, müssen Sie es verändern"?

Letztere Frage können Sie mit EyeQuant oder Eyetracking bereits heute beantworten. Die automatisch generierten Optimierungsvorschläge werden Ihnen jedoch konkretere Empfehlungen an die Hand geben: Mit welcher Farbgebung erreichen Sie bei einem Button im Kontext Ihrer Webseite nicht nur die beste Aufmerksamkeitswirkung, sondern auch eine optimale, CI-konforme Farbharmonie? Insbesondere die Kombination mit der letzteren, ästhetischen Komponente wird EyeQuant für Designer noch wertvoller und interessanter machen.

Glauben Sie, wenn das Tool speziell mit den neuen Funktionen bekannter wird, dass es die Landing-Page-Optimierung revolutionieren kann?

Ich denke, die eigentliche Revolution vollzieht sich im Nutzungsverhalten: Menschen geben Webseiten immer weniger Zeit, sie zu überzeugen. Tools wie EyeQuant sind die konsequente technologische Antwort auf die immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspannen.

Kann denn letztlich das Eyetracking durch eine Software wie EyeQuant ersetzt werden?

Wir verstehen EyeQuant nicht unbedingt als Ersatz für das Eyetracking: Letzteres bleibt bei den komplexeren Usability-Fragen aktuell das Verfahren der Wahl, obgleich eine korrekte Durchführung sehr aufwendig ist. Angesichts der Tatsache, dass EyeQuant sehr viel schnellere und günstigere Ergebnisse liefert, eröffnen wir eher einen gänzlich neuen Markt, der auf das oben angesprochene veränderte Wahrnehmungsverhalten der Menschen reagiert. Die ersten Sekunden werden immer wichtiger - Agenturen arbeiten mit kurzfristigen Deadlines: Deswegen brauchen sie schnelle Tools. Zugleich darf aber nicht vergessen werden, dass EyeQuant selbst auf umfangreichen Eyetracking Studien beruht!

Sie haben ja in Ihrem Scientific Advisory Board mit Prof. Laurent Itti und Prof. Cristof Koch durchaus klangvolle Namen aus der Hirnforschung vereint. Ist Osnabrück das Zentrum der neuronalen Forschung?

Professor Koch und Professor Itti bleiben ja erstmal in Kalifornien :) Aber Scherz beiseite:
Dass eine Osnabrücker Innovation wie EyeQuant im Mutterland der Startups und Uni-Spin-Offs angenommen und sogar kopiert wird zeigt, dass es um die Forschungs- und Innovationsfähigkeit in Europa und Deutschland doch ganz gut bestellt ist! Vielleicht sind wir am Labor für Neurobiopsychologie und am gesamten Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück auch besonders umtriebig.

An welchen anderen Projekten arbeitet WhiteMatter Labs derzeit außerdem?

Wir fokussieren uns auf die Weiterentwicklung von EyeQuant. Neben den schon geplanten Modell- und Feature-Erweiterungen für das Webdesign bietet die Kerntechnologie viele weitere Anwendungsmöglichkeiten, die wir im Laufe der nächsten Jahre in Angriff nehmen werden.

Was können Sie in der Zwischenzeit Unternehmen empfehlen, die Landeseiten erstellen? Lieber ein gutes Buch zum Thema lesen oder EyeQuant benutzen?

Die Erstellung und Optimierung von Landeseiten ist im besten Sinne des Wortes ein modernes Handwerk. Handwerker benötigen Wissen, Fähigkeiten und Werkzeuge: EyeQuant ist ein Werkzeug, ein Buch vermittelt Wissen und die nötigen Fähigkeiten erwirbt man in der Praxis - sei es in einer Agentur oder als Freelancer. Ich würde Unternehmen empfehlen, die Erstellung und Optimierung von Landeseiten einer spezialisierten Agentur oder einem erfahrenen Freelancer anzuvertrauen. Im Optimalfall setzen diese dann auch die modernsten verfügbaren Werkzeuge ein, und dazu gehört heute auch EyeQuant.

Herr Prof. König, vielen Dank für das Gespräch!

 

Über Prof. Dr. Peter König:

Nach dem Doppelstudium der Medizin und der Physik forschte Peter König am Frankfurter Max-Planck Institut für Hirnforschung, am Neurosciences Institute in San Diego und am Institute of Neuroinformatics der ETH/Universität Zürich. Seit 2003 leitet er das Labor für Neurobiopsychologie am Institut für Kognitionswissenschaft an der Universität Osnabrück, welchem er seit 2005 als Direktor vorsteht.

Über WhitematterLabs:

WhiteMatter Labs verknüpft Hirnforschung und Marketing auf eine völlig neue Art: Mit einfach zu bedienenden Neurotechnologien wie EyeQuant werden Marketing- und Werbemaßnahmen schnell und effektiv auf Funktionsmechanismen des menschlichen Gehirns optimiert. Als Spin-Off des Labors für Neurobiopsychologie der Universität Osnabrück bauen die Technologien und Anwendungen der WhiteMatter Labs auf Jahren intensiver und erfolgreicher Grundlagenforschung im Bereich der Computational Neuroscience auf.

 

 

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