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Ausgabe 24 > Interview
mit Peter König
Interview zu Landing-Page-Optimierung
mit Prof. Dr. Peter König/WhitematterLabs
Die Analyse von Landing-Pages wird nicht nur für
Werbetreibende immer wichtiger. Seit einiger Zeit gibt es
das Tool EyeQuant von WhiteMatter Labs, dem Prof. Peter König
als wissenschaftlicher Kopf vorsteht. Wir haben mit ihm über
seine Beweggründe als Forscher und die Zukunft der Aufmerksamkeitsanalyse
gesprochen. Von Maik Bruns.
Guten Tag, Prof. König,
Sie sind Mitgründer und wissenschaftlicher Kopf von
WhiteMatter Labs. Stellen Sie Ihr Unternehmen doch bitte kurz
vor und erklären Sie uns dabei auch Ihre Rolle.
Bei WhiteMatter Labs erforschen und entwickeln wir neue
Technologien aus der Hirnforschung für Anwendungen in
Marketing, Usability und Werbung. EyeQuant ist unsere Kerntechnologie:
eine Engine zur Vorhersage menschlicher Aufmerksamkeitsprozesse,
mit der sich Webseiten und Landing-Pages sehr schnell und
effektiv optimieren lassen. Als wissenschaftlicher Direktor
koordiniere ich WhiteMatters Forschungsteam und über
unseren wissenschaftlichen Beirat die Zusammenarbeit mit Professor
Christof Koch vom Caltech und Professor Laurent Itti an der
University of Southern California.
Was treibt Sie bei der Entwicklung des Tools an? Ist es
eher die Neugier, wie der Mensch im Innern "tickt",
oder ist es die kommerzielle Verwertbarkeit?
Am Anfang steht immer die Grundlagenforschung, und diese
lebt ausschließlich von der wissenschaftlichen Neugier,
menschliches Verhalten zu verstehen und zu erklären.
Selbiges gilt für die Motivation zur Erforschung und
Entwicklung von performanten Aufmerksamkeitsmodellen: Sie
helfen uns zu verstehen, wie das menschliche Gehirn unsere
bewusste Wahrnehmung tatsächlich strukturiert. Ein mögliches
Kommerzialisierungspotenzial spielt dabei erstmal keine Rolle
- hier kommt man als Wissenschaftler ohne eine grundsätzliche
Leidenschaft für Wissen und Verstehen nicht weiter. Wenn
sich, wie mit EyeQuant geschehen, in späteren Phasen
auch klare großartige Anwendungsmöglichkeiten in
anderen Bereichen eröffnen, ist das aber natürlich
eine tolle Sache.
Wie schätzen Sie Ihr Tool derzeit auf dem Markt im
Vergleich zur Konkurrenz ein?
Der Standard, an dem sich EyeQuant orientiert sind nicht
andere Tools, sondern die Realität menschlichen Blickverhaltens.
Hier erreicht unser aktuelles Modell für die ersten Sekunden
über 90 % der Performance einer Eyetracking Studie -
ein Wert, der ohne die investierten 20 Mannjahre neurowissenschaftlicher
Forschung nicht zu erreichen ist. Wir wissen, dass die meisten
unserer Wettbewerber auf im Netz frei verfügbare Algorithmen
setzen, die von Mitgliedern unseres wissenschaftlichen Beirats
eigentlich nur als Lehrmaterial publiziert wurden und für
die Analyse von Webseiten leider ungeeignet sind. Letztendlich
werden sich jedoch nur die Tools durchsetzen, die valide Ergebnisse
liefern - dass eine Heatmap irgendwo Hot Spots aufweist, genügt
nicht.
Sie haben ja noch einiges vor mit EyeQuant. Beispielsweise
soll eine Gesichtserkennung integriert werden, die möglichst
sogar die gezeigten Emotionen erkennen und daraus ableiten
kann, wohin jemand als nächstes blicken wird. Wann wird
es soweit sein? Und wie stark wird das die Ergebnisse noch
verbessern?
Die genannten Technologien existieren bereits. Wir evaluieren
aktuell noch, wie wir diese optimal in EyeQuant integrieren
und welche konkreten Zusammenhänge wir ableiten können.
Die zu erwartenden Verbesserungen werden wir insbesondere
bei Seiten erreichen, die stark auf Blicklenkungen durch Gesichter
bauen. Zugleich ist das nach wie vor eine spannende Forschungsfrage
- diese Effekte sind weit komplexer, als gemeinhin angenommen.
Schafft EyeQuant irgendwann die hundertprozentige Übereinstimmung
der Vorhersage mit den Ergebnissen des Eyetracking?
Je besser wir die Funktionsweisen des menschlichen Gehirns
verstehen, desto besser können wir diese Prozesse auch
vorhersagen. Für das initiale Blickverhalten eines frischen
Nutzers in den ersten Sekunden sind wir ja schon sehr nahe
dran. Das war vor 10 Jahren noch undenkbar und ist heute möglich.
Die Forschung macht tägliche Fortschritte, die ganz großen
Innovationssprünge sind jedoch nicht so einfach vorherzusehen.
Wir arbeiten daran!
Wenn ich an die automatisch generierten Vorschläge
zur Verbesserung der Aufmerksamkeitswerte denke, die irgendwann
in EyeQuant integriert werden, frage ich mich: Wie genau können
diese Vorschläge sein? Oder sind es eher allgemeine Vorschläge
á la: "Wenn Sie für dieses Element mehr Aufmerksamkeit
erzielen wollen, müssen Sie es verändern"?
Letztere Frage können Sie mit EyeQuant oder Eyetracking
bereits heute beantworten. Die automatisch generierten Optimierungsvorschläge
werden Ihnen jedoch konkretere Empfehlungen an die Hand geben:
Mit welcher Farbgebung erreichen Sie bei einem Button im Kontext
Ihrer Webseite nicht nur die beste Aufmerksamkeitswirkung,
sondern auch eine optimale, CI-konforme Farbharmonie? Insbesondere
die Kombination mit der letzteren, ästhetischen Komponente
wird EyeQuant für Designer noch wertvoller und interessanter
machen.
Glauben Sie, wenn das Tool speziell mit den neuen Funktionen
bekannter wird, dass es die Landing-Page-Optimierung revolutionieren
kann?
Ich denke, die eigentliche Revolution vollzieht sich im
Nutzungsverhalten: Menschen geben Webseiten immer weniger
Zeit, sie zu überzeugen. Tools wie EyeQuant sind die
konsequente technologische Antwort auf die immer kürzer
werdenden Aufmerksamkeitsspannen.
Kann denn letztlich das Eyetracking durch eine Software
wie EyeQuant ersetzt werden?
Wir verstehen EyeQuant nicht unbedingt als Ersatz für
das Eyetracking: Letzteres bleibt bei den komplexeren Usability-Fragen
aktuell das Verfahren der Wahl, obgleich eine korrekte Durchführung
sehr aufwendig ist. Angesichts der Tatsache, dass EyeQuant
sehr viel schnellere und günstigere Ergebnisse liefert,
eröffnen wir eher einen gänzlich neuen Markt, der
auf das oben angesprochene veränderte Wahrnehmungsverhalten
der Menschen reagiert. Die ersten Sekunden werden immer wichtiger
- Agenturen arbeiten mit kurzfristigen Deadlines: Deswegen
brauchen sie schnelle Tools. Zugleich darf aber nicht vergessen
werden, dass EyeQuant selbst auf umfangreichen Eyetracking
Studien beruht!
Sie haben ja in Ihrem Scientific Advisory Board mit Prof.
Laurent Itti und Prof. Cristof Koch durchaus klangvolle Namen
aus der Hirnforschung vereint. Ist Osnabrück das Zentrum
der neuronalen Forschung?
Professor Koch und Professor Itti bleiben ja erstmal in
Kalifornien :) Aber Scherz beiseite:
Dass eine Osnabrücker Innovation wie EyeQuant im Mutterland
der Startups und Uni-Spin-Offs angenommen und sogar kopiert
wird zeigt, dass es um die Forschungs- und Innovationsfähigkeit
in Europa und Deutschland doch ganz gut bestellt ist! Vielleicht
sind wir am Labor für Neurobiopsychologie und am gesamten
Institut für Kognitionswissenschaft der Universität
Osnabrück auch besonders umtriebig.
An welchen anderen Projekten arbeitet WhiteMatter Labs
derzeit außerdem?
Wir fokussieren uns auf die Weiterentwicklung von EyeQuant.
Neben den schon geplanten Modell- und Feature-Erweiterungen
für das Webdesign bietet die Kerntechnologie viele weitere
Anwendungsmöglichkeiten, die wir im Laufe der nächsten
Jahre in Angriff nehmen werden.
Was können Sie in der Zwischenzeit Unternehmen empfehlen,
die Landeseiten erstellen? Lieber ein gutes Buch zum Thema
lesen oder EyeQuant benutzen?
Die Erstellung und Optimierung von Landeseiten ist im besten
Sinne des Wortes ein modernes Handwerk. Handwerker benötigen
Wissen, Fähigkeiten und Werkzeuge: EyeQuant ist ein Werkzeug,
ein Buch vermittelt Wissen und die nötigen Fähigkeiten
erwirbt man in der Praxis - sei es in einer Agentur oder als
Freelancer. Ich würde Unternehmen empfehlen, die Erstellung
und Optimierung von Landeseiten einer spezialisierten Agentur
oder einem erfahrenen Freelancer anzuvertrauen. Im Optimalfall
setzen diese dann auch die modernsten verfügbaren Werkzeuge
ein, und dazu gehört heute auch EyeQuant.
Herr Prof. König, vielen Dank für das Gespräch!
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Über Prof. Dr. Peter König:
Nach dem Doppelstudium der Medizin und der Physik forschte
Peter König am Frankfurter Max-Planck Institut
für Hirnforschung, am Neurosciences Institute in
San Diego und am Institute of Neuroinformatics der ETH/Universität
Zürich. Seit 2003 leitet er das Labor für
Neurobiopsychologie am Institut für Kognitionswissenschaft
an der Universität Osnabrück, welchem er seit
2005 als Direktor vorsteht.
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Über WhitematterLabs:
WhiteMatter Labs verknüpft Hirnforschung und Marketing
auf eine völlig neue Art: Mit einfach zu bedienenden
Neurotechnologien wie EyeQuant werden Marketing- und
Werbemaßnahmen schnell und effektiv auf Funktionsmechanismen
des menschlichen Gehirns optimiert. Als Spin-Off des
Labors für Neurobiopsychologie der Universität
Osnabrück bauen die Technologien und Anwendungen
der WhiteMatter Labs auf Jahren intensiver und erfolgreicher
Grundlagenforschung im Bereich der Computational Neuroscience
auf.
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