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Ausgabe 24 >EyeQuant
vs. AttentionWizard
Landing-Page-Optimierung:
Aufmerksamkeitstools - EyeQuant vs. AttentionWizard
Bei der Optimierung von Websites, speziell der Landing
Pages, sollten Unternehmen immer wieder testen, ob Benutzer
sich zurechtfinden. Doch vor Eyetracking schrecken viele aufgrund
der hohen Kosten zurück. Tools zum Testen der Aufmerksamkeit
sollen da kostengünstig Abhilfe verschaffen. Wir haben
zwei von Ihnen getestet. Von Maik Bruns.
Das Thema Landing-Page-Optimierung und Usability-Optimierung
kommt bei vielen Website-Betreibern wider besseren Wissens
häufig zu kurz. Speziell, wenn es um die Landeseiten
für größere SEM-Kampagnen geht, scheuen viele
den Aufwand und die Kosten, die sich oft genug durch mehrmaliges
Testen verschiedener Varianten oder womöglich sogar teure
Eyetracking-Studien ergeben.
Doch es geht auch leichter. Das zumindest versprechen u.
a. zwei neuartige Tools, die von sich behaupten, die Aufmerksamkeit
eines Website-Benutzers ein Stück weit vorhersagen zu
können. Sowohl EyeQuant von WhiteMatter Labs als auch
der AttentionWizard (von Site Tuners, hier in der Lite Version
getestet) sollen die Aufmerksamkeit eines Surfers innerhalb
der ersten paar Sekunden in Bezug auf eine Website, eine Landing-Page
oder auch einen Entwurf für ein Banner analysieren. Was
sind das für Tools und was können sie leisten?
Wer steckt dahinter?
Die WhiteMatter Labs (EyeQuant) sind ein Spin-Off des Labors
für Neurobiopsychologie an der Universität Osnabrück.
Der Kopf sowie auch Mitgründer des Unternehmens ist Prof.
Dr. Peter König, der sich über Jahre hinweg einen
Ruf im Spezialgebiet der Hirnforschung erworben hat. Im Kern
haben sich die WhiteMatter Labs auf die Verknüpfung von
Marketing und Hirnforschung spezialisiert, wollen mit dem
Tool EyeQuant entsprechend Online-Marketer und Webdesigner
als Zielkunden gewinnen.
Site Tuners.com (AttentionWizard) aus den USA ist etwas anders
aufgestellt. Einer der Geschäftsführer ist Tim Ash
und dürfte vielen Lesern als Autor des Standardwerks
"Landing Page Optimization: The Definitive Guide To Testing
and Tuning for Conversions" bekannt sein. Tim Ash hat
sich vor allem auf dem Spezialgebiet der Landing-Page-Optimierung
einem breiten Publikum geöffnet und gilt dort als einer
der herausragenden Köpfe. Das Unternehmen SiteTuners
hat sich vor allem der Beratung in puncto Konversions-Optimierung
verschrieben. (Mehr zu Tim Ash ist auch in unserem "suchradar
persönlich"-Interview nachzulesen.)
Woher wissen die, was wir denken? Forschung als Grundlage
Grundlage für Tools wie EyeQuant und den AttentionWizard
sind neurowissenschaftliche Computermodelle. Diese werden
auf der Annahme aufgebaut, dass sogenannte "Bottom up"-Prozesse,
also im Gehirn unwillkürlich gesteuerte Prozesse, beim
Betrachten von Dingen ablaufen. So zieht beispielsweise die
Farbe Rot vor bestimmten Hintergründen unseren Blick
magisch an.
Der AttentionWizard basiert vermutlich (laut einer uns vorliegenden
Studie) hauptsächlich auf dem unveränderten Neuromorphic
Toolkit (http://ilab.usc.edu/toolkit/), welches Prof. Laurent
Itti als den ersten experimentellen Versuch, visuelle Aufmerksamkeitsprozesse
zu modellieren, entworfen hat. Das Toolkit sollte dabei in
erster Linie Forschungszwecken dienen und weniger der schon
konkreten Analyse von Online-Inhalten. Dementsprechend musste
durch SiteTuners (oder kooperierende Unternehmen) das Tool
vor allem in der Darstellung der Ergebnisse modifiziert und
erweitert werden, um zum einen eine visuelle Verwertbarkeit
und zum anderen auch Voraussagen zu Blickfolgen zu ermöglichen.
Die Weiterentwicklung erfolgte dabei ohne weitere Zusammenarbeit
mit Prof. Itti.
Das Tool EyeQuant ist eine Eigenentwicklung. Die letztlichen
Fähigkeiten beruhen laut WhiteMatter Labs auf zahlreichen
Eyetracking-Studien und mehreren Jahren Grundlagenforschung,
um das Tool konkret auf die Analyse von Onlineinhalten abzustimmen.
Für die Aufmerksamkeitsvorhersagen berücksichtigt
EyeQuant im Gesamten dabei über 40, sehr komplexe Bildeigenschaften,
die einen entscheidenden Einfluss auf die Blickbewegungen
ausüben, z. B. den Rot-Grün Kontrast. Vorangetrieben
wird die Weiterentwicklung unter anderem auch von dem schon
erwähnten Prof. Laurent Itti, der zwar bereits verantwortlich
für das Neuromorphic Toolkit zeichnet, sich aber von
der Verwertung des Tools im Bereich der Website- oder Werbeoptimierung
distanziert. Laut WhiteMatter Labs liegt die Begründung
darin, dass "das Toolkit nicht auf diesen Zweck ausgerichtet
ist und dieser Anwendung nur über signifikante Weiterentwicklungen
gerecht werden kann. Weltweit gibt es jedoch nur wenige neurowissenschaftliche
Labors, die diese Entwicklung aktuell wirklich stemmen könnten".
Aus den aus diesen Studien resultierenden Aufzeichnungen
wurden und werden kontinuierlich weiter zunächst sogenannte
Aufmerksamkeitssignaturen der Eyetracking-Probanden gewonnen,
die beispielsweise Farb- und Luminanzkontraste (Luminanz =
Helligkeit), Kontur- und Textur-Eigenschaften sowie die dazugehörige
Position der beobachteten Elemente zueinander in ein Verhältnis
setzen. Daraus entstehen dann die Algorithmen, die für
das spätere "Berechnen statt Eyetracking" die
Basis bilden. So soll EyeQuant letztlich in der Lage sein,
noch nie zuvor gesehene Bilder respektive Online-Inhalte zu
bewerten - insgesamt also eine dem wissenschaftlichen Hintergrund
der WhiteMatter Labs angepasste Vorgehensweise.
Der Weg zu Ergebnissen
Beide Tools gehen dabei zunächst ähnlich vor: Man
nehme einen Screenshot und lade ihn hoch. EyeQuant akzeptiert
hierfür JPG, PNG, BMP, GIF, PDF, SVG in beliebiger Größe;
der AttentionWizard mag nur JPG und PNG in Auflösungen
von 500 x 500 bis 1.200 x 1.600 (in der Lite-Version; in den
Versionen Pro und Pro Unwatermarked können bis zu 1.080
x 1.920 hochgeladen werden). Falls kein Screenshot zur Hand
ist, holt sich EyeQuant einfach selber einen, indem ihm die
URL der zu analysierenden Website mitgeteilt wird. Das kann
der AttentionWizard leider nicht.
Im weiteren Vorgehen unterscheiden sich die beiden Tools:
Während im AttentionWizard keine weiteren Einstellungen
zu tätigen sind und nur noch auf das Ergebnis der Analyse
gewartet werden muss, können EyeQuant noch speziell zu
bewertende Regionen (die "Regions of Interest" oder
ROI) angegeben werden.
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Abbildung 1: So werden die ROI in EyeQuant definiert
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Hierfür muss jeweils ein Name für die Region vergeben
werden (beispielsweise "Call to Action", "Heroshot",
"linke Navigation" o. ä.) und nach Klick auf
den daraus resultierenden Button die dazugehörige Region
im Screenshot mit einem variablen Rechteck gekennzeichnet
werden (s. Abbildung 1).
Für die markierten Bereiche wird bei der Analyse zusätzlich
die Abweichung (in Prozent) zur durchschnittlichen Aufmerksamkeit
der betrachteten Seite ausgewertet. Leider fehlt dem Tool
aktuell noch ein Funktionshinweis für ungeübte Benutzer
(über eine Hilfedatei oder ähnliches). Aber mit
ein bisschen Experimentierfreude kommt der Nutzer auch von
selbst darauf.
Die Auswahl der ROI kann zwar auch weggelassen und die Analyse
direkt gestartet werden, das Feature ist aber durchaus interessant.
Vor allem, wenn genauer betrachtet werden solle, ob ein bestimmtes
Detail nach einer Layout-Änderung eine deutlich andere
Aufmerksamkeit erzielt.
Wenn jetzt die Analyse gestartet wird, muss bei EyeQuant
in der Regel nur wenige Sekunden gewartet werden, bis das
Ergebnis vorliegt. Der AttentionWizard lässt sich hierfür
etwas mehr Zeit. Dort kann es auch gerne mal ein paar Minuten
dauern. Dafür wird der Benutzer hier zusätzlich
über eine E-Mail informiert, wenn die Analyse abgeschlossen
ist. Das wiederum fehlt dem EyeQuant - allerdings war die
Wartezeit hier auch nie so lang, dass zwischendurch etwas
anderes hätte gemacht werden können.
Das Ergebnis: AttentionWizard
Der AttentionWizard stellt nach seiner Analyse ein PDF mit
sechs Seiten zum Download zur Verfügung. In diesem ist
im Grunde genommen nur die dritte Seite interessant. Die erste
Seite ist ein Cover mit dem Titel der Analyse und Datum, die
zweite Seite zeigt den hochgeladenen Screenshot, die Seiten
vier bis sechs sind mehr oder weniger Eigenwerbung. Erst auf
Seite drei findet sich das Objekt der Begierde: Der eingereichte
Screenshot mit einem Overlay in Form einer Heatmap mit zusätzlichen
Blickverlaufslinien. In der Lite-Version ist im unteren Bereich
zusätzlich noch ein kaum störendes Wasserzeichen
zu sehen. Als Beispiel haben wir hier eine Landing Page der
Provinzial-Versicherung zum Thema Altersvorsorge sowie eine
Landing Page für Gebrauchtwagen von Volkswagen genutzt
(Abbildungen 2 und 3).
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Abbildung 2: Analyse einer Provinzial-Landing-Page
durch AttentionWizard
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Abbildung 3: Analyse einer VW-Landing-Page durch AttentionWizard
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Die Heatmap soll jeweils zeigen, wo Aufmerksamkeiten gebündelt
werden (rote bis gelbe Bereiche) und wo weniger Blicke hängen
bleiben (grüne bis transparente Bereiche). Die Nummerierung
soll obendrein zeigen, wie und in welcher Reihenfolge der
Blick eines Benutzers über die Website wandert.
Auf den ersten Blick hatten wir das Gefühl, dass zwar
einige neuralgische Punkte im Layout gefunden wurden, aber
längst nicht alle. Überraschend fanden wir aber,
dass angeblich zum Beispiel das VW-Logo auf der Gebrauchtwagen-Landing-Page
oder auch der Call to Action auf der Provinzial-Seite keine
Aufmerksamkeit auf sich zogen. Auch fanden wir die jeweils
rechts unten gezeigte Abbildung überbewertet, ohne faktisch
nachweisen zu können, ob das tatsächlich so ist
oder nur ein Gefühl. Und ob die Blickreihenfolge so stimmt,
konnten wir uns spontan ebenfalls nicht vorstellen.
Wie die Heatmap interpretiert werden muss, lässt das
Tool offen. Interessierte können kann allerdings eine
"Heatmap Evaluation" für 99 $ bei SiteTuners
erwerben. Das ist zwar im Vergleich zu einer Eyetracking-Analyse
kostengünstig, aber man muss natürlich aufpassen:
Denn auch die "Evaluation" kann nur so gut sein
wie die Heatmap, auf der sie beruht.
Übrigens, gut zu wissen: Nachdem das PDF heruntergeladen
wurde, ist es unter dem eigenen Account jederzeit erneut zum
Download verfügbar - auch in der Lite-Version, dort allerdings
nur bis max. zehn Dateien.
Das Ergebnis: EyeQuant
WhiteMatter Labs ließ uns im Vorfeld wissen, dass die
Übereinstimmung der Ergebnisse von EyeQuant mit denen
einer Eyetracking-Studie mit 88-94 % recht hoch sein soll.
Davon wollten wir uns mit denselben Screenshots, die auch
schon der AttentionWizard auswerten musste, überzeugen.
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Abbildung 4: Ergebnisdarstellung in EyeQuant
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Zunächst ist beachtlich, dass die Analyse so schnell
geht. Das Ergebnis ist dann online abrufbar (s. Abbildung
4) und zeigt den hochgeladenen Screenshot, sofern eingerichtet
auch die Regions of Interest mit den dazugehörigen Abweichungen
zur "Standardaufmerksamkeit" auf der Website und
nicht zuletzt auch das Datum der Analyse.
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Abbildung 5: Heatmap der Provinzial-Landing-Page durch
EyeQuant
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Abbildung 6: Heatmap der VW-Landing-Page durch EyeQuant
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Standardeinstellung ist die Anzeige des Screenshots mit Heatmap
Overlay (Abbildungen 5 und 6) wie im AttentionWizard. Allerdings
gibt es in der Heatmap keine Blickrichtungslinien und Reihenfolgen.
Die Deckkraft des Overlays lässt sich auf Wunsch stärker
oder schwächer einstellen. Zusätzlich lässt
sich der Screenshot auf ca. das Doppelte vergrößern
und hilft so dabei auch kleinere Regionen gut analysieren
zu können.
Auf den ersten und zweiten Blick überzeugte uns das
Ergebnis der Analyse (siehe Screenshots) schon deutlich mehr
als im AttentionWizard. Die Points of Interest schienen besser
gefunden worden zu sein. Allerdings wunderte uns das Fehlen
der Blickrichtungslinien.
Auf Nachfrage bei WhiteMatter Labs ließ uns Fabian
Stelzer, Mitgründer und Marketingleiter, wissen, dass
eine komplette Blickrichtungsprognose nur schwer möglich
sei. Man könne zwar mit einer "gewissen Wahrscheinlichkeit"
voraussagen (eben das wird EyeQuant in Zukunft auch in einer
Professional-Edition leisten), dass der Blick von einem Punkt
zum nächsten weitergleiten würde, aber da die Wahrscheinlichkeit
bei solchen Voraussagen nicht bei 100 % läge, könne
schon der darauf folgende Blicksprung unkalkulierbar werden.
Insofern gehörten Sprünge mit mehreren Punkten eigentlich
in keine seriöse Voraussage. Der Vorhersage des ersten
Blicksprungs wird aber in die kommende Version des EyeQuant-Tools
integriert. Abgestuft nach Wahrscheinlichkeiten wird dann
angezeigt, wohin der Blick eines Betrachters von bestimmten
Punkten im Bild aus wandern könnte.
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Abbildung 7: Hot-Spots-Darstellung in EyeQuant
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Abbildung 8: Darstellung der EyeQuant-Ergebnisse als
"Coverage"
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Interessant ist an EyeQuant, dass es - im Gegensatz zum AttentionWizard
- unterschiedliche Darstellungsmodi gibt. So gibt es neben
der Heatmap-Darstellung auch die Möglichkeit, sich das
Coverage anzuschauen, also quasi den Tunnelblick der Wahrnehmung
des Users nachzuempfinden, oder auch die Hot Spots der Seite
(die mit der größten Aufmerksamkeit) mittels Kreisen
hervorzuheben (s. Abbildungen 7 und 8). Zu erreichen sind
die unterschiedlichen Darstellungen über die drei Buttons
neben dem Datum in der Übersicht.
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Abbildung 9: Die ausgewerteten ROI in EyeQuant
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Mit Klick auf die Zahlen der ROI-Auswertung blendet sich
im Screenshot zusätzlich eine Umrandung der Region mit
Prozentwert ein (Abbildung 9). Hilfreich, wenn einmal vergessen
wurde, an welcher Stelle die markierte Region gewesen ist.
Das Schöne an EyeQuant ist aber nicht nur die Darstellung
der Ergebnisse der Analyse, sondern dass verschiedene Exportmöglichkeiten
für die Ergebnisse zur Verfügung stehen. So lässt
sich nicht nur ein PDF - auf Wunsch auch mit "transparenteren
Karten" - erstellen, sondern auch eine ZIP-Datei mit
einzelnen PNG-Dateien. Diese wiederum wahlweise mit oder ohne
unterlegtem Screenshot, und nicht zuletzt ist sogar die Ausgabe
einer PowerPoint-Präsentation möglich. Hut ab.
Das PDF ist dabei eher "übersichtlich" mit
den harten Fakten (Screenshots plus jeweilige Overlaygrafik)
ausgestattet und nicht zusätzlich wie der AttentionWizard
mit Titelseite und Werbung. Dass hier kein Werbeballast enthalten
ist, ist für den Nutzer angenehm. Unserer Meinung nach
dürfte hier aber ruhig noch ein Titel vorgeschaltet werden,
damit der Leser schon beim Öffnen der Datei sofort über
Zeitpunkt der Analyse und die analysierte Seite informiert
wird.
Ein PNG-Export ist natürlich für diejenigen interessant,
die die Analyse noch weiterverwerten müssen. Speziell
das Feature, die Overlay-Grafiken separat vom ursprünglichen
Screenshot abzuspeichern, ist schon klasse und birgt einen
echten Mehrwert. Die Grafiken sind ordentlich aufgelöst
und auch lesbar betitelt, sodass nicht via Anklicken geschaut
werden muss, welche Datei da vor einem liegt.
Der PowerPoint-Datei fehlt auf der Titelseite der aussagekräftige
Name der analysierten Seite. Auf Seite zwei der Datei wird
kurz erklärt, was die nachfolgenden Seiten zeigen, und
dann geht's auch schon los mit den bekannten Grafiken. Leider
lässt die Formatierung der Datei noch etwas zu wünschen
übrig. Versprungene Texte in teilweise recht dicker Typografie
sind nicht besonders hübsch. Das liegt wohl daran, dass
der PowerPoint-Export dafür vorgesehen ist, Templates
des Benutzers später darüberlegen zu können.
Das ist aber nicht ohne weiteres einleuchtend und sollte von
WhiteMatter Labs noch nachgebessert werden. Besser wäre
es beispielsweise, neben einer "schön" gestalteten
Präsentation eine "templatefreundliche" Version
optional anzubieten. Denn nicht jeder hat ein eigenes Template.
Ansonsten ist es natürlich grundsätzlich toll, wenn
die Ergebnisse direkt "präsentierbar" oder
zumindest von einer PowerPoint-Datei zur nächsten leicht
zu kopieren sind.
In den Export-Einstellungen von EyeQuant lassen sich für
die PowerPoint-Daten auch noch zwei weitere Optionen aktivieren.
Die eine aktiviert die Darstellung, dass für jede Region
of Interest einzelne Seiten ausgegeben werden, die andere
sorgt dafür, dass Bild und Overlaykarten als ein Bild
ausgegeben werden. Der Powerpoint-Export dauert länger
als die ZIP- oder PDF-Ausgabe, die bei allen unseren Tests
innerhalb weniger Sekunden bereitstanden - ist aber zeitlich
immer noch im Rahmen.
Kosten
Den AttentionWizard gibt es in drei Preisstufen. Die kostenlose
Lite-Version erlaubt einen Screenshot alle 15 Stunden, arbeitet
dafür aber mit einigen Restriktionen (z. B. Wasserzeichen
in den Grafiken und recht geringer Auflösung). Die "Pro
Heatmap"-Version kostet zwischen 10 und 25 $ je Heatmap,
abhängig von der Gesamtanzahl der eingereichten Screenshots.
100 Heatmaps kosten beispielsweise jeweils 14 $. Allerdings
ist hier immer noch ein Wasserzeichen in den Ergebnissen sichtbar.
Die "Pro Unwatermarked"-Version ist dann nochmal
deutlich teurer. Zwischen 37,50 $ für eine einzige Heatmap
und 15 $ für 1.000 Heatmaps bewegt sich der Preis.
Zusätzlich lässt sich, wie bereits oben erwähnt,
eine Heatmap Evaluation für 99 $ erstehen. Darüber
hinaus ist derzeit ein Angebot geschaltet ("Express Review
Bundle") bei dem für knapp 600 $ zehn Heatmaps inkl.
telefonischer Beratung zu Landing-Page-Fragen zu bekommen
sind.
EyeQuant hält sich auf der Website bedeckt, was die
Kosten betrifft. Auf Nachfrage erhielten wir allerdings die
Information, dass ab dem 1. Juli eine neue Preisstruktur eingeführt
wird. Drei Preisstufen soll es dann geben: "Freelancer",
"Standard" und "Professional". Für
jede der Stufen wird es sowohl Prepaid-Pakete als auch Flatrates
geben, wobei beispielsweise im Freelancer-Modell eine einzelne
Analyse 10 € kosten und die monatlichen Flatrate ab 99
€ zu haben sein soll. Im mittleren Segment sollen Flatrates
weniger als 500 € Monat kosten.
Die Einzelanalysen sind damit zwar nicht unbedingt günstiger
sind als beim AttentionWizard. Die Flatrates hingegen schon,
speziell natürlich dann, wenn eine gewisse monatliche
Analyseanzahl überschritten wird. Zusätzlich wird
insbesondere die Professional Edition in puncto Leistung auch
mit speziellen Features aufwarten. So ist wie schon oben erwähnt
u. a. die Blickrichtungsvorhersage Bestandteil. Weitere Optionen
wie etwa ein Optimization Factsheet (ohne Kostenangabe) und
eine kostenfreie Vergleichsanalyse mit der äquivalenten
Seite eines Wettbewerbers sind unabhängig vom gebuchten
Paket ebenfalls möglich.
Vor- und Nachteile gegenüber dem Eyetracking
Der Vorteil der beiden Tools liegt auf der Hand: Während
eine Eyetracking-Analyse teuer ist, viel Zeit und viele Probanden
benötigt, steckt man in die beiden Testkandidaten nur
jeweils einen oder mehrere Screenshots (je nach gebuchtem
Paket) und interpretiert die Ergebnisse nach wenigen Minuten
selbst. Gerade im Entwicklungsstadium einer Website ist die
dadurch gewonnene Zeit nicht zu unterschätzen. Und die
Kosten halten sich bei beiden in Grenzen.
Doch während die Tools "nur" die Aufmerksamkeit
des Betrachters untersuchen (mit mehr oder weniger genauen
Methoden), lassen sich mit dem Eyetracking natürlich
sehr viel weitreichendere Untersuchungen bewerkstelligen.
So lässt sich zum Beispiel die Website auch unter weiteren
Usability-Aspekten - wie etwa Bedienbarkeit der Navigation,
Klickpfade etc. - begutachten. Das schaffen derzeit (natürlich)
weder der AttentionWizard noch das unserer Meinung nach schon
sehr gut arbeitende EyeQuant. Letzterem trauen wir immerhin
schon einiges in puncto Aufmerksamkeitsanalyse zu. Man könnte
also sagen: Die Aufmerksamkeitsanalyse ist dem Eyetracking
"vorgelagert" und kümmert sich "ums Grobe",
während die Eyetracking-Analyse das Finetuning darstellt.
Hierzu haben wir im Übrigen auch Prof.
Dr. König interviewt.
Ausblick
Von 'Whitematter Labs konnten wir noch erfahren, was in den
nächsten Ausbaustufen von EyeQuant vorgesehen ist.
- Blickrichtungsvorhersage (wie oben schon erwähnt,
zunächst in der Professional-Ausgabe):
Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Nutzer von Element A
nach Element B blickt?
- Conversion Scoring:
EyeQuant wird in der Lage sein, Nutzern automatische Empfehlungen
für Re-Designs zu liefern, mit denen sich die Conversion
Rate steigern lassen soll. Genauere Informationen hierzu
waren noch nicht verfügbar.
- Auf Dauer sollen auch allgemeine Handlungsempfehlungen
installiert werden.
- Verarbeitung von Gesichtern auf Websites und deren Blickrichtung
- Emotionen:
Wie beeinflussen Gesichter und deren Emotionen die Blicklenkung?
- Semantische/textliche Inhalte sollen stärker in die
Analyse einbezogen werden
- Analyse von Videos/Flash:
Hier wird laut Herrn Stelzer Grundlagenforschung betrieben,
die vielversprechende Fortschritte machen soll
Insgesamt also sehr vielversprechende Funktionen, die den
unserer Meinung nach ohnehin schon vorhandenen Vorsprung
von EyeQuant noch vergrößern dürften.
Fazit
Tools zur kostengünstigen Analyse der Aufmerksamkeitsverteilung
auf Websites werden immer besser. Derzeit können
zwar weder die getesteten Tools EyeQuant und AttentionWizard
das Eyetracking ersetzen. Wenn aber eine schnelle und
trotzdem gute Analyse gefragt ist, scheint derzeit EyeQuant
nicht zuletzt wegen seiner guten Exportfunktionen und
Auswertungsansätzen die Nase vorne zu haben und
auch die valideren Ergebnisse zu liefern.
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