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23 > Google AdWords Werkstatt - Zweite Chance mit Remarketing
Google AdWords Werkstatt:
Zweite Chance mit Remarketing
Mit Remarketing hat Google eine neue Art der Werbung bei
AdWords eingeführt. Werbetreibende können damit
verlorene Besucher noch einmal gewinnen und zu Kunden machen.
Von Martin Röttgerding.
Unter der Bezeichnung "Remarketing" hat Google
eine neue Funktion für interessensbezogene Werbung mit
AdWords vorgestellt. Hierbei werden Besucher, die schon einmal
auf der Website eines Advertisers waren, mithilfe von Anzeigen
im Content-Netzwerk noch einmal dorthin gelockt. Der Grundgedanke
ist, dass ein ehemaliger Besucher gewisser Weise schon vorqualifiziert
ist - er hat sich ja anscheinend schon mal für das Thema
der Website interessiert. Eine Werbeeinblendung könnte
bei ihm also auf fruchtbaren Boden fallen.
Mit dem AdWords-Remarketing ist aber noch mehr möglich
als einfach alle Besucher noch einmal zu bewerben. So lassen
sich die Besucher auf der Website noch in Zielgruppen einteilen.
Wer z. B. in einem Elektronik-Shop auf die Sektion Laptops
geklickt hat, kann in die Zielgruppe "interessiert sich
für Laptops" eingeteilt werden. Anschließend
bekommt dieser Besucher Werbung zu sehen, die speziell auf
Laptop-Interessenten zugeschnitten ist.
Der Remarketing-Prozess ist in zwei Phasen unterteilt. Zunächst
werden Besucher der Website auf Basis von sogenannten "Remarketing-Listen"
in Zielgruppen eingeteilt, danach werden für diese Zielgruppen
Anzeigen im Content-Netzwerk geschaltet.
Remarketing-Listen
Remarketing-Listen stellen die Bausteine dar, aus denen sich
Zielgruppen zusammenstellen lassen. Eine Zielgruppe ist also
entweder eine einzelne Remarketing-Liste oder eine Kombination
aus mehreren Listen. Die Einteilung von Besuchern in diese
Listen geschieht über Tags, welche auf einer Seite eingebaut
sein müssen. Ein Besucher, der auf eine Seite mit einem
Tag kommt, erhält dann ein Cookie, welches ihn als zugehörig
zur entsprechenden Liste markiert.
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Abbildung 1: Übersicht der Remarketing-Zielgruppen
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Die Übersicht der verfügbaren Remarketing-Listen
findet sich in der linken Navigationsleiste nach einem Klick
auf den Link "Steuerfeld und Bibliothek" (unterhalb
der Kampagnenstruktur) und dann unter dem "Zielgruppen"-
Navigationspunkt. Zur Erstellung einer Remarketing-Liste wird
oben auf "Neue Zielgruppe" ' "Remarketing Liste"
geklickt. Nun können Namen und Beschreibung sowie die
Dauer, für die ein Besucher auf der Liste bleibt, gesetzt
werden. Bis zu 540 Tage, also knapp 18 Monate, sind möglich.
Zuletzt hat man die Wahl, ob ein neues Tag erstellt oder
aus vorhandenen eines ausgewählt werden soll. Bei der
zweiten Option erscheint eine Liste der bereits vorhandenen
Tags zur Auswahl. Hier finden sich auch alle Conversion-Aktionen
wieder, denn Conversion-Tracking-Codes und Remarketing-Tags
sind praktisch das gleiche. An dieser Stelle kann übrigens
auch mehr als ein Tag ausgewählt werden. Ein Besucher
wird dann zu der Liste gezählt, wenn er mindestens eines
der Tags "gesehen" hat.
Aus den Remarketing-Listen lassen sich außerdem noch
benutzerdefinierte Kombinationen erstellen. Damit lassen sich
komplexere Zielgruppen definieren, indem mehrere Listen logisch
verknüpft werden. Ein einfaches Beispiel: Man möchte
Anzeigen für Besucher der Website schalten, die noch
nichts gekauft haben. Dazu definiert man zunächst die
Listen "hat Website besucht" (das zugehörige
Tag baut man auf jeder Seite der Website ein) und die Liste
"hat gekauft" (das Tag hierfür ist der bereits
vorhandenen Conversion-Tracking-Code). Die kombinierte Zielgruppe
definiert man dann als alle Nutzer, die der Gruppe "hat
Website besucht", nicht aber der Gruppe "hat gekauft"
angehören.
Anzeigenschaltung
Sobald Zielgruppen mithilfe von Remarketing-Listen oder Kombinationen
definiert sind, können sie für die Anzeigenschaltung
verwendet werden. Die Ausrichtung auf Zielgruppen geschieht
auf Anzeigengruppenebene, es werden also Anzeigengruppen auf
Zielgruppen ausgerichtet. Die Ausrichtung auf Zielgruppen
kann dabei auch wie gewohnt mit Keywords und Placements kombiniert
werden. Die Anzeigenschaltung wird dann also auf einen bestimmten
Kontext oder auf bestimmte Seiten beschränkt und erfolgt
auch dort nur für die ausgewählte Zielgruppe.
Ob sich die Anzeigenschaltung für eine Zielgruppe lohnt,
lässt sich übrigens der Zielgruppen-Übersicht
entnehmen. Hier steht für jede Zielgruppe auch die momentane
Zahl ihrer Mitglieder. Diese ändert sich automatisch,
wenn neue Nutzer dazu kommen oder alte Mitgliedschaften auslaufen.
Zielgruppen und Strategien
Die einfachste Anwendung von Remarketing ist sicher, ehemalige
Besucher erneut anzulocken. Dazu eignen sich dann besonders
Anzeigen, die zusätzliche Verkaufsargumente bereithalten,
z. B. Gutscheincodes oder Hinweise auf Rabatte oder Sonderaktionen.
Durch die vielfältigen Möglichkeiten der Zielgruppendefinition
und eine theoretisch unbegrenzte Anzahl von Zielgruppen werden
aber auch ausgefeiltere Ansprachen möglich. So könnte
man theoretisch für jedes Produkt eines Shops eine Zielgruppe
definieren, um später ganz gezielt einzelne Produkte
zu bewerben. Praktikabler ist allerdings in den meisten Fällen
eine gröbere Einteilung in Zielgruppen, etwa auf Basis
von Produktkategorien.
Eine interessante Zielgruppe sind auch Besucher, die Warenkörbe
stehen gelassen haben. Hier lässt sich auch noch differenzieren:
Wer einen besonders teuren Warenkorb stehen gelassen hat oder
im Bestellprozess weiter gekommen ist, wird in Zielgruppen
einsortiert, die später intensiver umworben werden. Auch
wer einen Bestellprozess abgeschlossen hat, ist in vielen
Fällen als Zielgruppe weiterhin interessant - im Hinblick
auf Kundenbindung, aber auch im Hinblick auf Cross-Selling.
Alle Zielgruppen lassen sich auch noch zeitlich differenzieren,
indem unterschiedliche Mitgliedschaftsdauern gesetzt werden.
In der Regel wird man dann solche Nutzer stärker umwerben,
deren Besuch noch nicht zu lange zurückliegt.
Dazu werden nicht einmal zusätzliche Remarketing-Tags
benötigt: Man definiert einfach neue Listen mit neuen
Mitgliedschaftsdauern und altem Remarketing-Tag. So könnte
man z. B. auf Grundlage eines Tags die beiden Listen "hat
die Website in der letzten Woche besucht" (Mitgliedschaftsdauer:
7 Tage) und "hat die Website im letzten Monat besucht"
(Mitgliedschaftsdauer: 30 Tage) definieren. Als Zielgruppen
definiert man anschließend "Besuch letzte Woche"
(erste Liste) und "Besuch schon länger her"
(zweite Liste unter Ausschluss der ersten Liste).
Fallstricke
Obwohl Remarketing prinzipiell für viele Werbetreibende
interessant sein dürfte, birgt es auch ein paar Fallstricke.
Ein Problem liegt in der nicht immer korrekten Einteilung
von Besuchern in Zielgruppen. So wird ein Besucher in eine
Remarketing-Liste eingetragen, sobald er eine Seite geladen
hat. Außen vor bleibt, ob er sich näher für
die Seite interessiert hat - erfolgt nach zwei Sekunden der
Klick auf den Zurück-Button, dann ist der Nutzer längst
als Mitglied einer Zielgruppe eingestuft worden.
Dieses Problem lässt sich noch durch speziellere Zielgruppen
oder technische Hilfsmittel lösen, andere Probleme sind
aber grundsätzlicher Natur. Während man beim herkömmlichen
Keyword-Advertising in Suchmaschinen recht "nah"
am Nutzerbedürfnis ist, kann sich das beim Remarketing
ganz anders verhalten. Teilen sich mehrere Nutzer ein Endgerät,
so erreicht man den ursprünglichen Nutzer vielleicht
gar nicht mehr. Möglich ist auch, dass der Nutzer schon
längst Kunde bei der Konkurrenz geworden ist.
Solche Probleme dürften allerdings bei jeder Remarketing-Kampagne
auftreten und sollten niemanden abschrecken. Zum Problem für
den Werbetreibenden wird es allerdings, wenn zu viele Besucher
aus gutem Grund keine Kunden geworden sind, z. B. wegen Sicherheitsbedenken
oder fehlenden Zahlungsmöglichkeiten. Hieran kann dann
auch Remarketing nichts ändern.
Bedenken sollte man beim Remarketing auch, dass Besucher
sich unter Umständen verfolgt fühlen könnten,
wenn man ihnen in den Anzeigen zu nahe tritt. Hier ist also
Fingerspitzengefühl angebracht.
Fazit
Mit Remarketing wird eine interessante Werbeform nun
auch bei Google AdWords verfügbar. Dabei haben
Advertiser eine große Auswahl an Strategien, um
Besucher ihrer Website in Zielgruppen einzusortieren
und später gezielt wieder anzusprechen.
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