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SEO in Action:
Faceted Navigation bei Dooyoo.de

Einige Websites - vor allem Online-Shops - bieten ihren Besuchern schon Filter an, um effizient suchen zu können. Diese Filter kann man aber auch sehr gut für SEO nutzen. Von Markus Hövener.

Auch wenn man vielleicht nicht sofort etwas mit dem Begriff "Faceted Navigation" anfangen kann: Begegnet ist man dieser Art der Suche wohl schon auf vielen Websites. Faceted Navigation findet man bei vielen Preisvergleichsportalen und Online-Shops, bei denen man die Produktvielfalt anhand bestimmter Filter einschränken kann.

Ein Beispiel für Faceted Navigation findet sich auf der Seite http://www.dooyoo.de/herrenschuhe/. In der Kategorie "Herrenschuhe" befinden sich ca. 27.500 Produkte - viel zu viele, um diese von vorne bis hinten durchzuklicken. Es gibt daher einige Filter ("Facets") wie Preis, Hersteller und Marke, anhand derer man die Produktvielfalt eingrenzen kann.

Faceted Navigation ist nun etwas, bei dem SEO auf Usability trifft: Ein solcher Mechanismus ist nicht nur interessant in Bezug auf Benutzerfreundlichkeit, sondern kann auch für SEO hilfreich sein. Die vielfältigen Filter kann man nutzen, um auf Suchbegriffskombinationen abzuzielen. Denn: Wer für einen Suchbegriff wie "camel active herrenschuhe" gefunden werden will, muss auch eine Seite haben, in der diese Suchbegriffe an relevanten Stellen (Seitentitel, Überschrift, Text) vorkommen. Im genannten Beispiel gibt es ja eine Seite für "camel active herrenschuhe" - und zwar die Seite, die man erreicht, wenn man den Filter Marke = "Camel Active" auswählt.

Im Folgenden wollen wir einen Blick auf die Erfolgsfaktoren werfen und dabei auch jeweils nachschauen, wie diese Faktoren bei Dooyoo.de umgesetzt werden. An dieser Stelle muss übrigens auch noch gesagt werden, dass es gar nicht so leicht war, ein gutes Beispiel für Faceted Navigation zu finden. Den Mechanismus nutzen zwar bereits viele Portale und Online-Shops, aber den möglichen Nutzen daraus ziehen nur sehr wenige. Hier herrscht also vielfach ein noch ungenutztes Potenzial.

Faktor 1: In URLs abbilden

Zunächst ist wichtig, dass für Faceted Navigation die einzelnen Filter in den URLs wiederzufinden sein müssen. Dabei sind sprechende URLs natürlich schön, aber nicht zwingend nötig. Dooyoo.de geht hier aber mit gutem Beispiel voran und bildet die Parameter gut in sprechende URLs ab. Wer auf der Seite http://www.dooyoo.de/herrenschuhe/ startet und dann denn Filter Marke = "Adidas" setzt, gelangt zur Seite http://www.dooyoo.de/cid/herrenschuhe/_adidas/. Wer nun weitere Filter auswählt (z. B. Material = "Leder"), gelangt auf Seiten wie http://www.dooyoo.de/cid/herrenschuhe/_adidas/_leder/ und so weiter.

Wichtig ist dabei vor allem, dass eine unterschiedliche Filterreihenfolge zur gleichen URL führt. Wer also zuerst den Filter Material = "Leder" und erst danach den Filter Marke = "Adidas" setzt, sollte ebenfalls zur Seite http://www.dooyoo.de/cid/herrenschuhe/_adidas/_leder/ und nicht zur Seite http://www.dooyoo.de/cid/herrenschuhe/_leder/_adidas/ gelangen. Ansonsten erzeugt man sehr schnell viel Duplicate Content und vergibt dadurch Ranking-Potenziale.

Faktor 2: Relevante und irrelevante Filter

Es ist auch wichtig, zwischen relevanten und irrelevanten Filtern zu unterscheiden. Nicht alle Filter sind relevant in Bezug auf SEO, d. h. dass potenzielle Käufer nach bestimmten Filterwörtern einfach nicht suchen. So wird sehr oft nach einer Marke oder einem Material gesucht, aber eben nicht direkt nach einem Preissegment (z. B. "20-50 Euro").

Das ist vor allem deswegen relevant, weil man über die vielfältigen Filterkombinationen sehr schnell Tausende von Seiten erzeugen kann (z. B. 100 Marken x 10 Materialien x 5 Preissegmente x 20 Farben = 100.000 Filterkombinationen). Man hat dann allerdings eine sehr geringe Chance, alle diese Seiten in den Index zu bekommen. Außerdem wird Google immer kritischer in Bezug auf "Unique Content", so dass man bei zig Tausenden von recht ähnlichen Seiten schnell Gefahr läuft, in irgendeiner Form abgestraft oder abgewertet zu werden.

Dooyoo.de versieht daher eine Seite, die einen irrelevanten Filter enthält, mit einem Robots-Meta-Tag "noindex". Beispiel: Die Seite http://www.dooyoo.de/cid/herrenschuhe/_converse/_20-50-eur/_leder/ wird für den Filter Preis = "20-50 Euro" gesetzt. Dooyoo.de hat aber anscheinend entschieden, dass der Preis-Filter irrelevant ist. Die Seite wird also von der Indexierung ausgeschlossen (<meta name="robots" content="noindex,follow">).

Faktor 3: Suchbegriffe in Seitenelemente einbauen

Ebenfalls wichtig ist, wie eingangs erwähnt, dafür zu sorgen, dass die Suchbegriffe einer Seite auch im Seiteninhalt vorkommen. Leider hat man aber bei einer großen Anzahl Seiten nicht mehr die Möglichkeit, jede Seite manuell zu optimieren. Vielmehr muss man Muster erkennen und so aus den Filtern einen Suchbegriff "zusammenbasteln".

Bei einem Filter wie der Marke ist das sehr einfach, denn eine Marke wird in der Regel als erstes Wort gesucht (also "converse herrenschuhe" im Vergleich zu "herrenschuhe converse"). Bei anderen Filtern ist das etwas schwieriger. Optimal wäre es z. B., bei einem Filterwert Material = "Leder" das Wort "Herrenschuhe" durch "Lederschuhe" zu ersetzen. Je nachdem, wie viel Arbeit man sich bei der Optimierung machen möchte, kann man dementsprechend sehr viel Zeit investieren.

Bei Dooyoo.de geht man den aufwendigen Weg derzeit nicht, was aber angesichts der vielfältigen Themen zu verstehen ist. Man kann aber sehen, dass bei Dooyoo.de viele Seitenelemente auf die Filter abgestimmt werden, z. B. Seitentitel:

http://www.dooyoo.de/herrenschuhe/
Seitentitel = "Herrenschuhe im Angebot und Kauf-Tipps zu Bekleidung und Herrenschuhe"

http://www.dooyoo.de/herrenschuhe/_converse/
Filter: Marke = "Converse"
Seitentitel = "Converse Herrenschuhe im Angebot und Kauf-Tipps zu Bekleidung und günstige Herrenschuhe"

http://www.dooyoo.de/cid/herrenschuhe/_converse/_leder/
Filter: Marke = "Converse" und Material = "Leder"
Seitentitel = "Converse Herrenschuhe Leder im Angebot und Kauf-Tipps zu Bekleidung und günstige Herrenschuhe"

Neben dem Seitentitel erscheinen die Suchbegriffe aber auch in einer Art Breadcrumbs-Navigation und am Anfang und Ende der Produktliste (siehe Abbildung 1). Noch schöner wäre natürlich relevanter Fließtext, aber das wäre angesichts der vielfältigen Filter schon sehr viel Arbeit - zumindest, wenn man die den Filtern zugehörigen Texte jeweils manuell schreiben möchte.

Faktor 4: Gewichtung setzen

Auch bei der Faceted Navigation muss man über die interne Verlinkung der Seiten nachdenken. Denn wer immer alle möglichen Filter-Werte auflistet, sorgt dafür, dass alle Seiten mit denselben Filtern dasselbe interne Gewicht erhalten (z. B. "converse herrenschuhe" und "superga herrenschuhe"). Wie in diesem Fall ist aber eine Marke deutlich wichtiger als die andere, da das Suchvolumen für "converse" deutlich höher ausfällt als das für "superga". Man sollte daher durchaus nur auf die wichtigsten Filterwerte verlinken und so mehr Gewicht auf die wichtigen Seiten bringen (z. B. auf die Top-Marken und die wichtigsten Materialien und Farben).

 

Trend: Immer mehr Suchbegriffe

Faceted Navigation ist interessant, weil in Suchmaschinen immer häufiger nicht nach einem einzelnen Wort, sondern nach Suchbegriffskombinationen gesucht wird. So sucht derzeit in Deutschland etwas weniger als ein Drittel (32,2 %) mit nur einem Suchwort, während mehr als 50 % aller Suchenden Zwei- oder Drei-Wort-Kombinationen eintippen. Wer also Schuhe sucht, tippt nicht nur einfach "schuhe" oder "herrenschuhe" ein, sondern sucht z. B. direkt nach einer Marke oder einer bestimmten Eigenschaft, z. B. "converse herrenschuhe blau".
Quelle: http://www.webmasterpro.de/portal/webanalyse-suchmaschinen-marktanteile.html (Stand: 28.03.2010)

 

 
Weiterer Lesestoff

Auf das Thema Faceted Navigation geht auch Matt Cutts von Google in seinem Interview mit Eric Enge ein. Das Interview ist zwar sehr lang und in englischer Sprache, aber durchaus wert, gelesen zu werden.
http://www.stonetemple.com/articles/interview-matt-cutts-012510.shtml

 

Fazit

Faceted Navigation ist prinzipiell eine interessante Möglichkeit, um mit recht geringem Aufwand auf viele relevante Suchbegriffskombinationen abzuzielen. Dabei gilt es aber einige Regeln zu beachten, da man sonst schnell tausende von irrelevanten Seiten erzeugen kann und so vielleicht mehr Schaden als Nutzen heraufbeschwört.

 

Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

E-Mail: markus@suchradar.de

 

 

 

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Ausgabe 33 (14. Dezember 2011)

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