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22 > Google Realtime Search
Google Realtime Search:
Ergebnisse in Echtzeit
Auf Google.com kann man seit einigen Wochen bereits etwas sehen, was wohl bald auch in Deutschland verfügbar sein wird: Google Realtime Search. Insbesondere durch Twitter ist nämlich in den letzten Jahren eine Entwicklung vorangetrieben worden, die für die traditionelle Suchmaschine problematisch ist.
So braucht Google manchmal Tage (oder Wochen), um eine neue Seite zu indizieren. Wenn es aber um aktuelle Ereignisse wie den Tod Michael Jacksons, eine wichtige Klimakonferenz oder auch das Erdbeben auf Haiti geht, ist das zu langsam.
Das Thema Realtime Search wird natürlich vor allem mit Twitter in Verbindung gebracht. Twitter hat prinzipiell relevante Inhalte, die aber auch für Google schwer zu schlucken sind: So werden derzeit pro Tag ca. 50 Millionen Tweets geschrieben [http://blog.twitter.com/2010/02/measuring-tweets.html] - immerhin ca. 600 Tweets pro Sekunde. Ein derartiges Aufkommen von vielen kleinen Nachrichten kann Google in der traditionellen Form (Seite für Seite) wohl kaum indexieren.
Das Problem der Aktualität hat Google bereits vor langer Zeit erkannt und ein Konzept namens "Query Deserves Freshness" (QDF) erdacht. So ist Google in der Lage, anhand einer Suchanfrage zu erkennen, ob es sich dabei um ein aktuelles Thema handelt oder nicht. Bei aktuellen Suchanfragen wurden bisher häufig Google-News-Beiträge oder auch Blog-Beiträge angezeigt.
Mit der Einführung von Google Realtime Search hat sich Google diesem Thema nun noch weiter geöffnet: Für aktuelle Suchanfragen können jetzt eben auch Tweets (Nachrichten via Twitter) angezeigt werden.
Einbindung
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Abbildung 1: Einbindung der Realtime-Ergebnisse
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Wer auf Google.com (derzeit noch nicht bei Google Deutschland) nach einem aktuellen Thema sucht, sieht dort manchmal eine Sektion in den Suchergebnissen, die mit "Latest results for <Suchanfrage>" übertitelt ist (siehe Abbildung 1).
Wenn man nun etwas wartet, sieht man, dass "Realtime" wirklich ernst genommen wird: Die jeweils neuen Nachrichten laufen als Ticker in dieser Sektion durch. Man kann den Ticker auch durch Klick auf "Pause" abstellen.
In diesem Ticker können dann verschiedene Arten von Realtime-Ergebnissen erscheinen:
- Tweets (wie in Abbildung 1 der Tweet von "Mahonis")
- Nachrichten
- Blog-Beiträge
- Feeds von MySpace und Facebook
Sonderlich übersichtlich ist diese Darstellung übrigens nicht. Vor allem ist es erst mal gewöhnungsbedürftig, wenn sich in den Suchergebnissen "etwas bewegt".
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Abbildung 2: Realtime-Ergebnisse in der Übersicht
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Wer oberhalb der Box auf den "Latest results for"-Link klickt, kommt auf eine seitenfüllende Suchergebnisseite, die aber ebenfalls durchläuft und die neuesten Ergebnisse immer oben hinzufügt. Wie in Abbildung 2 zu sehen, kann man diese Seite auch auf anderem Wege erreichen: Über das Anklicken des Links "Show Options" in der oberen Zeile und die Auswahl von "Latest" kommt man auch direkt auf die Realtime-Ergebnisse.
In Deutschland gibt es zwar auch eine korrespondierende Option "Letzte Ergebnisse", aber hier erscheint derzeit nur eine statische Seite ohne Tweets & Co. Dieses Feature wird aber wohl im ersten Quartal 2010 auch in anderen Ländern verfügbar sein [1].
Bewertungen
Der Beitrag "How Google Ranks Tweets" [2] erklärt übrigens, was man ohnehin vermutet hätte: Google bewertet Tweets u.a. anhand der Anzahl der Follower des Twitter-Accounts. Es wird also nicht unbedingt jeder Tweet angezeigt. Vielleicht muss dieser intern eine gewisse Schwelle überschreiten, um angezeigt zu werden.
Relevanz
Es stellt sich natürlich die Frage, ob das Thema Realtime Search überhaupt in Bezug auf SEO relevant ist. Dabei muss man zunächst feststellen, dass die Realtime-Ergebnisse ja nur sehr selten angezeigt werden - und dann wahrscheinlich auch eher bei nichtkommerziellen Suchanfragen.
Man kann natürlich trotzdem Beispiele konstruieren, in denen das Ganze trotzdem relevant werden könnte: Wenn Steve Jobs ein neues Produkt wie das iPad vorstellt und jemand dazu einen guten Beitrag schreibt, der es zudem erlaubt, das Produkt direkt zu bestellen, könnte es ja funktionieren.
Leider ist das Beispiel wie gesagt konstruiert und nur schwer in die Praxis umzusetzen. Denn in dem Augenblick, in dem Steve Jobs das Produkt vorstellt, würden wohl sehr viele Beiträge zu diesem Thema erscheinen und der eigene Beitrag würde sehr schnell durch andere Beiträge verdrängt werden.
Insbesondere für News-Portale kann das Thema natürlich trotzdem interessant werden: Wenn ein Portal aktuelle Nachrichten zu einem Thema schreibt und die Nachrichten dann auch noch über Twitter verbreitet, könnte dieser Tweet dann auch in der Realtime Search erscheinen. Aber auch das ist nicht für eine Vielzahl an Unternehmen interessant.
Signale
Ein bisschen relevant könnte es aber schon werden - wenn auch eher indirekt. Google kommuniziert ja seit einiger Zeit, dass sehr viele Signale genutzt werden, um die Rankings zu berechnen (die Rede ist von mehr als 200 Signalen). Ein Signal unter vielen könnte dann auch sein, ob in der Realtime Search über eine bestimmte Website berichtet wird oder eben nicht.
Das könnte Google für zwei unterschiedliche Zwecke nutzen:
- Discovery: URLs, die in vielen Tweets genannt werden, könnten schneller in den Index aufgenommen werden. Google könnte eine brandneue Website, über die viel berichtet wird, als relevanter ansehen und dann dafür sorgen, dass diese schneller oder auch tiefer (also mit mehr Seiten) in den Index aufgenommen wird.
- Ranking: URLs, die in vielen Beiträgen genannt werden, könnten eine (zumindest temporäre) Steigerung in den Suchergebnissen erhalten.
- Trust: Häufig vorkommende URLs könnten auch einen höheren Trust erhalten als solche, über die niemals berichtet wird.
Konsequenz
Derzeit ist das alles sehr spekulativ und wie gesagt für viele Themengebiete und Unternehmen wohl recht uninteressant. Die Realtime Search erscheint als nette technische Spielerei - im Moment aber wohl nicht unbedingt mehr.
Dennoch gibt es eine Konsequenz, über die es sich nachzudenken lohnt: Google versucht immer, legitime (und eben auch illegitime) Websites erkennen zu können. Es gibt derzeit zu viele Signale, die man manipulieren kann. So kann man Links kaufen und Google glauben lassen, dass die eigene Website relevant ist, weil sie eben von vielen anderen Websites verlinkt ist.
Aber was würde Google wohl denken (bzw. algorithmisch schlussfolgern), wenn es z.B. im Bereich Dating zwei Websites gibt, die beide gleichermaßen gut verlinkt sind, von denen aber eine auch recht oft bei Twitter erwähnt wird, während die andere in keinen Tweets erwähnt wird? In diesem Fall könnte die höhere Nennung bei Twitter und in Blogs den Ausschlag für eine Website geben.
Unternehmen sollten sich also - nicht unbedingt nur mit Blick auf SEO - überlegen, wie sie "Buzz" erzeugen können. Wie kann man seine Kunden dazu bringen, etwas über die eigenen Produkte oder Dienstleistungen zu bringen? Welche Aktionen oder Inhalte muss man anbieten, damit Besucher meiner Website darüber berichten?
[1] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Google-startet-Echtzeitsuche-und-visuelle-Suche-fuer-Handys-879235.html
[2] http://www.technologyreview.com/web/24353/?a=f
Fazit
Die Google Realtime Search ist derzeit noch nicht in Deutschland verfügbar, kann aber schon auf Google.com getestet werden. Über den neuen Mechanismus werden aktuelle Ergebnisse - vor allem von Twitter - in die Suchergebnisse aufgenommen. Das mag in Bezug auf Traffic im Moment noch nicht relevant sein, sollte aber Unternehmen motivieren, Kanäle wie Twitter oder Blogs noch etwas ernster zu nehmen.
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Über
den Autor
Markus Hövener ist Chefredakteur des Magazins suchradar
und geschäftsführender Gesellschafter der Suchmaschinen-Marketing-Agentur
Bloofusion Germany.
Email: markus@suchradar.de
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