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PageRank Sculpting 2.0:
Was kommt nach dem Nofollow?

Bei manchen Themen merkt man, wie schnelllebig eine Branche ist. Das Thema PageRank Sculpting gab es vor einigen Jahren noch gar nicht. Und jetzt ist es schon wieder vom Tisch - zumindest in der bisherigen Methode über Nofollow-Links.

Die Grundidee des PageRank Sculpting ist relativ einfach: Suchmaschinen wie Google analysieren bei einer Website die interne Verlinkung, d.h. sie prüfen, welche Seiten einer Website wie oft und von welchen Seiten aus angelinkt werden. Eine Seite, die von jeder Seite aus angelinkt wird, hat demnach mehr internes Gewicht als eine Seite, die von nur einer Seite angelinkt wird. Und je mehr internes Gewicht eine Seite hat, desto größer sind ihre Chancen, in den Suchergebnissen nach vorne zu kommen.

Der PageRank, den gewisse Seiten wie die Startseite haben, fließt also über die internen Links einer Websites auf die einzelnen Seiten. Und genau diesen Fluss möchte man steuern - daher der Name PageRank Sculpting. In der Praxis zeigt sich nämlich, dass Seiten wie die Kontaktseite oder das Impressum sehr viel internes Gewicht anhäufen, da diese Seiten meist von allen Seiten aus verlinkt werden.

Beim PageRank Sculpting möchte man also vermeiden, dass diesen Seiten PageRank zufließt, um dieses Gewicht den anderen relevanten Seiten zur Verfügung zu stellen. In der "Vergangenheit" wurde hierzu das Nofollow-Attribut benutzt. Wer also einen internen Link wie "<a href="impressum.html">" um das Attribut rel="nofollow" ergänzte (also "<a href="impressum.html" rel=nofollow>") sorgte nach Meinung vieler Optimierer dafür, dass diese internen Links ignoriert wurden, um damit das hier gesparte Gewicht auf die wichtigere Seiten zu verschieben.

Nur leider hat Matt Cutts von Google auf der Konferenz SMX Advanced Anfang Juni 2009 verkündet, dass das so nicht mehr funktioniert. Wie auch schon davor ist es relativ schwierig, den positiven Effekt des PageRank Sculpting zu beweisen. Matt Cutts selber wies auch darauf hin, dass seiner Meinung nach die Berechnung der internen Gewichte viel komplexer sei, als dies gemeinhin geglaubt wird.

Ob PageRank Sculpting also wirklich nicht mehr funktioniert oder jemals funktioniert hat, weiß natürlich niemand mit absoluter Sicherheit. In jedem Fall suchen SEOs nach der Äußerung von Matt Cutts nach neuen Wegen, den PageRank auf wichtige Seiten zu lenken. Über die unterschiedlichen Lösungswege wollen wir in diesem Artikel eingehen.

PageRank Sculpting in der Praxis

Zunächst soll es aber noch kurz um die in der Praxis relevanten Fälle von PageRank Sculpting gehen. Streng genommen gibt es eigentlich nur zwei typische Situationen, die in der Praxis diskutiert werden:

  1. Eine Seite verlinkt auf für SEO irrelevante Seiten, z.B. Kontakt, Impressum, AGB, Registrierung. Vor allem bei Online-Shops kommt hier schnell eine zweistellige Anzahl solcher irrelevanten Links zustande.
  2. Eine Seite verlinkt auf viele Seiten, die unterschiedlich relevant sind. Ein Online-Shop zeigt z.B. in der linken Navigation zu einer Kategorie alle verfügbaren Marken an. Die jeweiligen Marken verlinken auf dafür passende Seiten, die also die Produkte dieser Marke anzeigen. In der Praxis zeigt sich aber, dass z.B. von 20 angezeigten Marken nur fünf Marken relevant sind. Wären Nofollow-Links noch eine Alternative, würde man die Links auf die 15 nicht relevanten Marken mit einem Nofollow-Attribut versehen.
Lösungswege

Prinzipiell gibt es natürlich viele Lösungswege, die auch kombiniert werden können. Die folgende Liste erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

JavaScript

Beim Einsatz von JavaScript muss man zunächst prinzipiell feststellen, dass nicht alle Browser über JavaScript verfügen bzw. dass Nutzer JavaScript deaktiviert haben können. Je nachdem, welchen Statistiken man hier glauben möchte, kann man den Anteil dieser Browser auf ca. zwei Prozent schätzen. Wer Links über JavaScript aufbaut, muss also auch bereit sein, eventuell Besucher zu verärgern, die dann bestimmte Funktionen nicht sehen.

Wer Links über JavaScript erzeugt, wird JavaScript so nutzen, dass die Links auf relevante Seiten nach wie vor als HTML-Links im Quellcode erscheinen und dass die Links auf irrelevante Seiten über JavaScript erzeugt werden. Prinzipiell ist das auch eine sehr gute Möglichkeit, nur dass man sich dabei klar sein muss, dass Suchmaschinen wie Google JavaScript-Code mittlerweile sehr gut interpretieren können.

Wer die Links also einfach nur wie folgt in den Quellcode schreibt, hat hier nichts gewonnen:

<script type="text/javascript">
document.write("<a href="irrelevant.html">Irrelevante Seite</a>");
</script>

Um halbwegs auf der sicheren Seite zu sein, müsste man also für die Erzeugung der Verlinkungen Funktionen schreiben und diese in externe JS-Dateien auslagern. Zudem müsste man dann die externen JS-Dateien für Suchmaschinen sperren (über einen Eintrag in der robots.txt).

Das Vorgehen ist dann zwar recht sicher, aber keineswegs sollte man davon ausgehen, dass Suchmaschinen wie Google keinen Weg finden würde, diese JS-Dateien dennoch herunterzuladen und zu verstehen. Im Extremfall könnte hier sogar eine Abstrafung folgen. Man sollte die Funktionen also auf jeden Fall so benennen, dass deren wahre Funktion nicht auf den ersten Blick erkennbar ist.

Formulare

Das Verlinken über Formulare ist natürlich ein gangbarer Weg. Wenn man z.B. Links auf irrelevante Markenseiten über Formulare lösen möchte, könnte man die irrelevanten Links in ein Dropdown-Menü einbauen:

<a href="relevante-marke1.html">Marke 1</a>
...
<a href="relevante-marke6.html">Marke 5</a>
<select onchange="JavaScriptFunktion();">
<option value="6">Marke 6</option>
...
<option value="20">Marke 20</option>
</select>

Analog zu der oben genannten Methodik müsste man die Funktion, die beim Auswählen einer Marke aufgerufen wird, allerdings auch wieder in eine externe JS-Datei auslagern und diese für Suchmaschinen sperren. Außerdem muss man natürlich entscheiden, ob man diese Methodik in Bezug auf Usability mag.

IFrames

Der zweite Weg, der oft diskutiert wird, ist der Einsatz von Iframes (eingebettete Frames). Über ein Iframe kann man eine HTML-Datei in eine HTML-Datei einfügen. Wer also seine irrelevanten Links in ein Iframe auslagert und diese Datei auch für Suchmaschinen sperrt, kann diese Links für Suchmaschinen unkenntlich machen, z.B.

<a href="relevant1.html">Link auf Seite 1</a><br>
<a href="relevant2.html">Link auf Seite 2</a><br>
<iframe src="irrelevante-links.html">

Mal davon abgesehen, dass ein solches Vorgehen einen gewissen Aufwand erfordert, ist auch dieser Weg nicht extrem zukunftssicher. Auch hier könnte eine Suchmaschine algorithmische Filter definieren, die derartige Seiten abwerten - vor allem, wenn ein solches Vorgehen massenhaft umgesetzt wird.

Frames

Natürlich kann man eine Website auch mit einem Frameset aufbauen und die irrelevanten Links in einzelne Frames verschieben, die dann wiederum für Suchmaschinen gesperrt sind. In der Praxis würde man ein solches Vorgehen aber wohl eher vermeiden wollen, weil der Aufwand extrem hoch und der Nutzen sehr gering ist. Außerdem gibt es ja gute Gründe, warum man heutzutage eher auf Frames verzichtet, z.B. die Tatsache, dass man einen bestimmten Zustand im Browser oft nicht als Bookmark ablegen kann.

Sprungmarken

Eine weitere Idee besteht darin, verschiedene irrelevanten zu einer Seite zu verschmelzen. Wer also bislang verschiedene Seiten wie kontakt.html, impressum.html und agb.html hatte, würde die Informationen dieser Seite in eine einzelne Seite mit verschiedenen Sprungmarken integrieren (info.html#Kontakt, info.html#Impressum, info.html#AGB).

Da die Sprungmarke selber nicht Bestandteil der von Suchmaschinen gespeicherten URL ist (das "#" und alles dahinter wird abgeschnitten), hofft man, dass es nun für eine Suchmaschine so aussieht, als würde man mehrfach auf dieselbe Seite (info.html) verlinken. Es könnte also sein, dass so die drei Links nur als ein Link zählen. Ob das wirklich so ist, ist schwer zu beantworten. Auch hier gilt natürlich, dass ein solches Vorgehen algorithmisch leicht zu erkennen wäre, so dass Suchmaschinen hier schnell gegensteuern könnten.

Subseiten anlegen

Wenn man sich das klassische Beispiel der 20 Markenseiten vornimmt, könnte man dieses (ähnlich wie bei der Realisierung über Formulare) ja auch so realisieren, dass man eine Seite baut, die auf alle Marken verlinkt. Während man vorher auf 20 Seiten verlinkt hat, würde man so nur auf sechs Seiten verlinken:

<a href="relevante-marke1.html">Marke 1</a>
...
<a href="relevante-marke5.html">Marke 5</a>
<a href="alle-marken.html">Alle Marken</a>

Auch hier muss man sich allerdings fragen, ob man ein solches Vorgehen in Bezug auf Usability wählen möchte. In machen Fällen kann es ja durchaus sein, dass man so mehr Besucher verliert, als man durch das PageRank Sculpting hinzugewinnt.

Abwägung

Man kann natürlich die genannten Methoden auch mischen. Wer noch sicherer sein möchte, könnte z.B. ein Iframe über JavaScript-Code erzeugen lassen. Eine solche Mischung wäre zwar sehr schwer aufzudecken, würde aber zugleich auch einen hohen Aufwand erfordern und damit auch fehleranfälliger sein.

Insgesamt muss sich bei allen Methoden überlegen, wie sicher (d.h. algorithmisch nicht leicht zu erkennen) eine Methode ist und welchen Aufwand man für diese Sicherheit treiben möchte. Der Effekt, den eine solche Optimierung erzeugen kann, ist wahrscheinlich oft gering im Vergleich zu dem Mehraufwand.

Auch sollte man erwarten, dass Suchmaschinen (wie von Matt Cutts angedeutet) immer schlauer darin werden, Site-Strukturen zu erkennen und die Spreu vom Weizen zu trennen.

 

Fazit

PageRank Sculpting über sogenannte Nofollow-Links funktioniert laut Google leider nicht mehr. Da derzeit sehr viel über verschiedene Alternativen nachgedacht wird, zeigt dieser Artikel einige der möglichen Methoden auf, mit denen man interne Links vor Suchmaschinen verstecken kann. Wer eine der Methoden einsetzen will, muss sich aber klar über die Risiken und auch den nötigen Aufwand sein.

 

Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

Email: markus@suchradar.de

Kommentare

Andre Kolell schrieb am 02.09.2009:
Ich muss zugeben dass ich mich mit diesem Thema bisher nicht weiter befasst habe, aber könnte man nicht auch einfach dynamisch einen Link generieren, z.B. /kontakt_1, /kontakt_2 ... /kontakt_n und diese ganzen unterschiedlichen Anfragen auf die gleiche Ressource routen? Dann dürfte das interne Gewicht der einzelnen Kontaktseiten doch recht gering sein, oder?
Markus schrieb am 02.09.2009:
Das stimmt natürlich, aber in der Summe hat man dann den Seiten 1..N dasselbe Gewicht zugewiesen. So kann man das Problem leider nicht lösen.
Mäge schrieb am 05.09.2009:
Spannende Geschichte. Gibt es eigentlich ein Tool, das die interne Linkstruktur gewichtet darstellt?
Markus schrieb am 06.09.2009:
Gute Frage. Ich kenne leider nur das, das wir intern entwickelt haben. Aber sonst kenne ich leider keins...
Mäge schrieb am 06.09.2009:
Ist dieses Tool öffentlich zugänglich?
Markus schrieb am 06.09.2009:
Leider nein. Sorry...
Dominik schrieb am 07.09.2009:
Mal ne andere Frage: wenn google angeblich in der internen Struktur das nofollow-Attribut ignoriert oder abwertet, kann es dann auch sein, dass dieses Attribut auch für externe Links an Wert verliert, sodass nofollow-Links beispielsweise von blogs die Zielseite also wieder aufwerten?
Markus schrieb am 07.09.2009:
Schwer zu sagen. Müsste man ausprobieren.

Erstell eine Website, für die Du in 1.000 Blogs Nofollow-Kommentare hinterlässt. Und dann mal schauen, was passiert...

Es gibt ja schon einige, die glauben, dass ein Nofollow-Link von der Wikipedia schon einen Wert hat. Das ist aber alles reine Spekulation.
Katharina schrieb am 10.09.2009:
Hallo, ich versuche gerade in die Tiefen von SEO vorzudringen und habe eine kurze Verständnisfrage: es geht also darum, dass Matt Cutts gesagt hat, dass Google das nofollow-Attribut auf internen Seiten ignoriert? D.h. entgegen selbst aktuellster Literatur macht es keinen Sinn, das Attribut bei der internen Verlinkung zu nutzen?
Markus schrieb am 10.09.2009:
Das könnte man so zusammenfassen - zumindest wenn man Matt Cutts glauben schenken möchte.
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