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Wenn Richter entscheiden...
Von amerikanischen Gerichten liest man immer gerne in der "Vermischtes"-Spalte diverser Tageszeitungen. Etwa, wenn sich mal wieder jemand am heißen Kaffee verbrüht hat und dann eine große Kette von Burger-Bratern zu großzügigen Schadensersatzzahlungen verdonnert, während ein deutscher Richterkollege den Betroffenen wegen Dummheit nach Hause geschickt hätte.
Unlängst sind mir aber zwei Urteile aufgefallen, die ich sehr gut finde. Nach einem Blog-Posting bei Search Engine Watch ist eine SEO-Agentur namens Internet Advancement dazu verurteilt worden, einen sechsstelligen Dollarbetrag zu zahlen. Die Urteilsbegründung enthält viele Sätze, die auch gelegentlich bei anderen Agenturen sehen: Demnach wurde das Versprechen abgegeben, "Top-10-Suchmaschinen-Rankings" zu erzielen, was bei den meisten Kunden nicht gelang. Auch die "96-prozentige Erfolgsquote" war durch nichts zu belegen.
Die Entscheidung des Richters wurde mit Sicherheit noch dadurch beeinflusst, dass die Agentur die Kreditkarten ihrer Kunden unrechtmäßig belastete, aber dennoch halte ich das für ein Urteil mit Signalwirkung. Und wenn es stimmt, dass uns die Vereinigten Staaten in Internet-Fragen einige Jahre voraus sind, könnte es dergleichen ja zukünftig mal in deutschen Landen geben - Ausgang ungewiss.
Ein weiteres Urteil zeigt mir auch, dass ein Gericht sich aktiv mit der Realität auseinandersetzt. In einem Prozess (Standard Process v. Banks) hat das Gericht festgestellt, Meta Keywords wirkungslos sind. Während es immer noch deutsche Urteile gibt, nach denen man keine fremden Markennamen in die Meta Keywords aufnehmen darf, hat das amerikanische diese Fragen auf dem Boden der Realität beantwortet: Da das Hinzufügen von Meta Keywords ohnehin keinen Effekt auf die Suchmaschinen-Rankings hat, gibt es auch keinen Grund, das Hinzufügen fremder Markennamen zu verbieten.
So viel Realitätssinn kann ich leider bei deutschen Gerichten nicht immer erkennen. Womit ich nicht sagen will, dass ich unser Rechtssystem gegen das amerikanische tauschen möchte. Aber ab und zu darf man ja wohl noch mal aufs Nachbargrundstück schauen und ein bisschen neidisch werden.
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Über
den Autor
Markus Hövener ist Chefredakteur des Magazins suchradar
und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur
Bloofusion Germany.
Email: markus@suchradar.de
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