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9 > AJAX
Suchmaschinen oder AJAX:
Warum nicht beides?
Mit dem Aufkommen von Web 2.0 hat sich auch Ajax im Web etabliert und wird an vielen Stellen eingesetzt, um die Usability von Websites zu erhöhen. Ajax bedeutet im Grunde genommen, dass eine Seite per Javascript mit ihrem Webserver kommunizieren kann, ohne dass sie komplett neu geladen werden muss. Ein prominentes Beispiel dafür sind Routenplaner wie Google Maps: Hätte man Google Maps ohne Ajax realisiert, müsste die Seite jedes Mal vollständig neu geladen werden, sobald man den Kartenausschnitt verschiebt - die Anwendung wäre unbenutzbar. Stattdessen wird immer nur der relevante Ausschnitt nachgeladen, wodurch Bandbreite und vor allem Zeit gespart wird.
Neben komplexen Webapplikationen kommt Ajax auch bei vielen anderen Gelegenheiten zum Einsatz, um den Komfort von Websites zu verbessern. Ein Liveticker lässt sich zum Beispiel vorzüglich mit Ajax realisieren, indem im Hintergrund ständig der Webserver nach neuen Meldungen gefragt wird, welche dann sofort auf der Seite erscheinen.
Das Problem
Suchmaschinen sind von Ajax leider nicht so begeistert. Das Problem mit Ajax liegt darin, dass Suchmaschinen kein bzw. kaum JavaScript "verstehen" können - und ohne JavaScript kein Ajax. Dadurch können möglicherweise wichtige Inhalte nicht von Suchmaschinen erfasst werden. Das ist der Fall, wenn Inhalte per Ajax nachträglich in die Seite eingebaut werden. Denn Suchmaschinen untersuchen den Quelltext einer Seite, wie er nach dem Laden vorliegt. Mit Ajax werden aber nachträglich Änderungen vorgenommen, die die Seite wieder anders aussehen lassen. Der Benutzer bekommt die Seite dann in der Endversion zu sehen, während Suchmaschinen nur die unfertige Version sehen, in der die nachgeladenen Inhalte fehlen.
Dazu ein Beispiel: Eine Seite mit einem neuen Fachartikel soll angezeigt werden. Die Seite ist so gestaltet, dass sie zunächst ohne den Fachartikel geladen wird. Anschließend kommt Ajax zum Einsatz, wählt im Hintergrund den neuesten Artikel aus und lädt ihn in die Seite. Eine Suchmaschine würde die Seite ohne diesen Fachartikel erfassen.
Dieser Umstand ist aber nur ein Teil des Problems. Denn viele Ajax-Anwendungen beschränken sich nicht auf das einmalige Nachladen des Inhalts, sondern ermöglichen das vielfache Nachladen von unterschiedlichen Inhalten.
Modifizieren wir dazu das Beispiel: Der Fachartikel wird nun ohne Ajax ganz normal mit dem Rest der Seite geladen und kann folglich auch von Suchmaschinen erfasst werden. Neben diesem Fachartikel gibt es noch einen weiteren Artikel. Klickt ein Besucher auf den Link zu diesem Artikel, kommt Ajax zum Einsatz und ersetzt den ersten Artikel durch den zweiten, ohne dass die Seite komplett neu geladen wird.
Im Prinzip ist das Problem für Suchmaschinen gleich geblieben: Sie können nur die ursprünglich geladene Seite ohne Ajax erfassen. In diesem Fall würde also der erste Artikel erfasst, der zweite, nachgeladene Artikel jedoch nicht. Geht man aber einmal von der Annahme aus, dass Suchmaschinen Ajax verstehen könnten, stößt man auf ein weiteres Problem: Der zweite Artikel hat die gleiche URL wie der erste. Eine Suchmaschine könnte also gar nicht auf den zweiten Artikel verlinken und würde diesen somit auch gar nicht in den Suchergebnissen anzeigen wollen.
Wenn Sie feststellen möchten, wie Suchmaschinen eine Ajax-Seite wahrnehmen, gibt es einen einfachen Trick: Schalten Sie JavaScript in Ihrem Browser aus [1, 2]. Was Sie jetzt nicht sehen können, können Suchmaschinen (bis auf einige Ausnahmen) auch nicht erfassen. Übrigens ist auch ein kleiner Teil der Internetnutzer mit deaktiviertem JavaScript unterwegs. Diese können Ajax entsprechend ebenfalls nicht nutzen.
Die Lösung
Also was tun, wenn auf Ajax nicht verzichtet werden soll? Wenn die Inhalte auch von Suchmaschinen erfasst werden sollen, kommt man nicht drum herum, sie auch ohne Ajax verfügbar zu machen. Eine gute Möglichkeit dies zu tun, hat Google selbst vorgeschlagen [3].
Das Prinzip ist einfach: Neben einem JavaScript mit Ajax-Funktionalitäten erhalten Links auch eine ganz normale URL als Ziel. Während der Ajax-Teil nur einen kleinen Teil der Seite nachlädt, führt die URL zu einer neuen Seite, in der eben dieser kleine Teil anders ist.
Im Beispiel könnte ein Link also - vereinfacht - so aussehen:
<a href="artikel2.html" onclick="lade_artikel2_mit_ajax(); return false">Zu Artikel 2</a>
Findet eine Suchmaschine diesen Link, wird sie den JavaScript-Teil (onclick=
) ignorieren und dem Link zur Seite "artikel2.html" folgen. Klickt ein Besucher auf einen solchen Link, dann wird das JavaScript ausgeführt. Auf diese Weise sind Inhalte für Suchmaschinen vollständig erfassbar, ohne dass sich für den normalen Benutzer der Seite ein Nachteil ergibt. Und als Bonus wird die Seite auch für die Besucher benutzbar, die JavaScript deaktiviert haben.
Eingesetzt wird dieses Vorgehen unter anderem bei web.de. Dort gibt es in der Mitte der Startseite einen kleinen Bereich mit Schlagzeilen. Ein Klick auf den Reiter Nachrichten führt zum Nachladen der entsprechenden Inhalte, die anschließend angezeigt werden. Für Suchmaschinen sind die Inhalte des Reiters Nachrichten natürlich unerreichbar. Ein Besuch der Seite mit deaktiviertem JavaScript zeigt jedoch, dass der Besucher in diesem Fall einfach auf eine neue Seite geleitet wird.
Fazit
Ajax ist für Suchmaschinen ein Problem, dessen Lösung dem Betreiber der Website überlassen bleibt. Ob der Aufwand gerechtfertigt ist, hängt natürlich vom Einzelfall ab. Gerade wenn es um textlastige Inhalte geht, die sehr für Suchmaschinen geeignet sind, macht eine Anpassung oft Sinn. Werden per Ajax nur Tabellen oder gar Grafiken nachgeladen, kann auf eine Anpassung getrost verzichtet werden.
[1] im Internet Explorer: Extras à Internetoptionen à Sicherheit à Stufe Anpassen à Scripting à Active Scripting à deaktivieren
[2] in Firefox: Extras à Einstellungen à Inhalt à JavaScript aktivieren (Haken entfernen)
[3] http://googlewebmastercentral-de.blogspot.com/2007/11/web-20-aus-spiders-sicht.html
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Über
den Autor
Martin Röttgerding arbeitet als Berater bei der Suchmaschinen-Marketing-Agentur Bloofusion.
Phone: +49-2572-809111
Email: martin@bloofusion.de
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