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Breit oder spitz:
David schlägt Goliath

In der täglichen Agenturpraxis stoßen wir immer wieder auf dasselbe Problem: Viele Websites haben eine dermaßen große Konkurrenz, dass es nur wenig Sinn macht, über Suchmaschinenoptimierung nachzudenken. Ob ein Reisebüro eine Website mit einem Reisevollsortiment ins Internet stellt oder ein Finanzdienstleister mit einer 08/15-Website für konkurrenzlastige Suchbegriffe wie "riester rente" gefunden werden möchte: Die meisten Ziele sind einfach nicht realistisch.

In der Praxis machen sich aber viele Unternehmen das Leben unnötig schwer, da sie die Vorliebe der Suchmaschinen für thematisch spitze Websites nicht ausnutzen.

So ist es bei fast allen medizinischen Suchbegriffen - insbesondere bei Indikationen - so, dass die Suchergebnisse von den bekannten Medizinportalen dominiert werden. Websites wie www.onmeda.de, www.qualimedic.de oder www.medizinfo.de dominieren die Suchergebnisse, weil diese Websites extrem gut verlinkt sind. Die Anzahl der Verlinkungen sind mitunter vier- oder sogar fünfstellig, so dass diese von Google und anderen Suchmaschinen mit besonders guten Suchmaschinen-Rankings belohnt werden.

Dennoch gibt es bei vielen Themengebieten Websites, die diese dominanten Portale in den Suchergebnissen schlagen - und das bei einer (oberflächlich betrachtet) schlechteren Verlinkung. Eine Website wie www.rheuma-online.de hat zwar "nur" ca. 700 Links von anderen Websites, ist aber trotzdem für den Suchbegriff "rheuma" vor den Medizinportalen zu finden.

Wenn man sich den PageRank dieser Website im Vergleich zu den Medizinportalen anschaut, haben die Medizinportale einen wesentlich höheren PageRank. Hier zeigt sich, dass PageRank eine recht geringe Aussagekraft hat: Eine Website mit PageRank 4 kann durchaus eine Website mit PageRank 6 schlagen, wenn sie thematisch gut verlinkt ist.

Der PageRank ist nämlich nur eine quantitative Größe, die nicht das Umfeld der Links berücksichtigt. Suchmaschinen gehen bei ihrer Analyse aber weiter und schauen sich das thematische Umfeld der Links an. Und so kann es passieren, dass eine Website wie www.rheuma-online.de in den Suchergebnissen den ersten Platz einnimmt. Diese Website hat zwar weniger Links, aber fast alle kommen von Seiten, die etwas mit dem Thema Rheuma zu tun haben. Zudem gibt es Links, bei denen der Suchbegriff "rheuma" im verlinkten Text vorkommt - ein weiteres Indiz für Suchmaschinen wie Google, dass diese mit dem Suchbegriff "rheuma" zusammenhängt.

Breit oder spitz?

Wenn ein Thema also zu konkurrenzstark ist, müssen Unternehmen auf Nischen ausweichen. Wenn ein Reisebüro eine Website online stellt, die ein Vollsortiment (Flug, Hotel, Mietwagen, ...) anbietet, sind die Chancen auf gute Rankings bei Null. Die Konkurrenz einer solchen Website ist sehr groß, da alle anderen Vollsortimentler auf dieselben Suchbegriffe abzielen. Ein Reisebüro hat damit nicht nur andere Reisebüros, sondern auch starke Portale wie Opodo.de oder Expedia.de gegen sich.

Wenn dasselbe Reisebüro aber ein spezialisiertes Angebot aufbaut, das z.B. nur Florida-Reisen anbietet oder sich auf Flusskreuzfahrten spezialisiert, ist die Konkurrenzlage dramatisch entschärft. Unternehmen müssen natürlich dennoch über eine gute Link-Strategie verfügen und planvoll für eine thematisch passende Verlinkung sorgen.

Analog könnte ein Pharma-Hersteller Informationswebsites zu Themen wie Rückenschmerzen oder Fußpilz online stellen und bei einer relativ geringen Verlinkung etablierte Portale in den Rankings überholen.

Reichweite

Die Frage stellt sich natürlich immer, ob sich die Strategie lohnt, thematisch spitze Websites zu erstellen. Bei der Planung ist wichtig, dass die Suchvolumina der Suchbegriffe, auf die die Website abzielt, den Aufwand rechtfertigen.

In vielen Märkten ist eine solche Strategie aber die einzig realistische, da es in konkurrenzstarken Segmenten wie Touristik, Bücher oder Elektronik in der Regel keine Alternative gibt. Ein weiterer Online-Shop mit einem Vollsortiment an Elektronik hätte keine sehr große Chance gegen etablierte Marktgrößen wie Amazon oder Ebay. Eine thematische Fokussierung auf Kühlschränke oder Bügeleisen macht aber schon Sinn - vorausgesetzt, dass die Suchvolumina stimmen.

Es ist nicht abzusehen, dass Suchmaschinen dem Faktor Verlinkung eine niedrigere Gewichtung als bisher geben sollten. In vielen Marktsegmenten ist es daher sinnvoll, über Nischenstrategien nachzudenken. Man muss eben nur darauf achten, dass die Nische groß genug ist, damit sich der Aufwand der Optimierung auch rechnet.

 

Über den Autor

ist Chefredakteur des Magazins suchradar und geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion Germany.

Email: markus@suchradar.de

 

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