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Besucher unter der Lupe:
Reichweitenmessung im Umbruch

 

suchradar Ausgabe 7
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Welche Website hat die größte Reichweite? Wer jetzt direkt an Google denkt, der liegt falsch. Zumindest wenn es nach Nielsen NetRatings geht - und die haben auch gleich ein neues Messkonzept entwickelt, um ihre Aussage zu belegen.

Wenn es bisher um die Beurteilung der Reichweite einer Website ging, dann war die Messung der Page-Views (Seitenabrufe) das wichtigste Kriterium. Die Medien- und Marktforschungsagentur Nielsen NetRatings zweifelt aber an der alleinigen Relevanz der Klicks. So haben sie eine neues Messkonzept vorgestellt: "Total Minutes" misst die Zeit, welche die Besucher auf Websites verbringen.

Dieses Konzept trägt besonders zwei wichtigen Veränderungen in der Internetwelt Rechnung. Erstens nutzen viele Webseiten technische Möglichkeiten wie AJAX. Dabei werden Seitenelemente dynamisch verändert, ohne dass eine neue Seite aufgerufen wird. Dadurch kann der Benutzer wechselnde Inhalte in Anspruch nehmen, ohne dass sich die Zahl der Page Views verändert. Dass solche Seiten aber ihre Nutzer durchaus länger binden können, zeigt der Vergleich von Google und Yahoo in den USA. Während der Nutzer bei Google normalerweise kommt, etwas nachschlägt und ebenso schnell wieder verschwindet - auf diese Weise kamen im Mai 7,4 Milliarden Minuten zustande - steht bei Yahoo die enorme Summe von 19,6 Milliarden Minute, obwohl Google in dem beobachteten Zeitraum mehr Klicks verzeichnen konnte.

Die zweite wichtige Veränderung ist die zunehmende Bereitstellung von Streaming-Inhalten. Angebote wie Videos binden ihre Nutzer normalerweise länger - bei YouTube waren es im Mai durchschnittlich 46 Sekunden pro Seite.

Die Agentur will allerdings nicht die bisherige Maßgröße abschaffen. Scott Ross, der Marketing Direktor des NetView Dienstes, bringt die Meinung von Nielsen NetRatings gegenüber Associated Press aber auf den Punkt: "Gesamtminuten sind das beste Maß für Seiten-Traffic." Insofern unterstützt die Aufnahme der Kenngrößen "Total Minutes" und der "Total Sessions" in den NetView Messkatalog einen ganzheitlichen Messansatz.

Dass die Zählung der Minuten durchaus Auswirkungen auf die Reichweiten-Rangliste hat, ist unbestritten. Ein prominentes Beispiel ist das Angebot von AOL Media Network. Während man in den USA nach der Zahl der Seitenaufrufe auf Platz sechs landete, ist man bei der Minutenmessung unschlagbar. 25 Milliarden Minuten verweilten die Benutzer im Mai auf dem Internetangebot des Konzerns. Eine Zahl, die zu 63 Prozent dem AOL Instant Messenger und der Nutzung von Email Accounts zu verdanken ist.

Kritiker führen dabei einige nachvollziehbare Argumente ins Feld. Eine hohe Minutenanzahl ist nicht äquivalent mit einer vernünftigen Nutzung des Webangebots. Wenn man Seiten wie Yahoo als Startseite gewählt hat oder sich das Messenger Programm gleichzeitig mit dem Computer startet, erhöht sich auch die Summe der Minuten. So landete in Deutschland T-Online mit 1,58 Milliarden Minuten im Mai auf Platz drei - erst danach folgt Google Deutschland mit 993 Millionen Minuten, obwohl die Seite mehr als doppelt so oft angeklickt wurde. Ein weiterer Einwand ist, dass die reine Messung der Nutzungszeit nichts über den Gebrauch der Werbung aussagt.

Die grundlegende Frage bleibt: Wie bewertet man Besucher? Welchen Wert haben Klicks von Nutzern, die nur ein paar Sekunden bleiben? Und diese Frage stellt sich ja nicht nur bei Google oder Yahoo: Auch für Mittelständler ist diese Frage nicht unerheblich. So zeigen viele Website-Analyse-Werkzeuge Werte wie "Seitenabrufe pro Besucher" an, so dass Unternehmen bewerten können, wie intensiv sich Besucher mit ihrem Produkt- und Leistungsangebot auseinandersetzen.

 

Über den Autor

Oliver Behrla macht derzeit ein Praktikum beim suchradar und studiert an der WWU Münster Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Marketing.

Email: oliver.behrla@googlemail.com

 

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