Amazon Keyword-Analyse (Teil 1): Mit Keyword-Recherche besser auf Amazon gefunden werden

Beitrag aus Ausgabe 77 / April 2019
SEO
Nico Erpel

ist seit drei Jahren bei der Online-Marketing-Agentur Projecter als SEO Specialist beschäftigt. Seinen Fokus widmet er der lokalen Suchmaschinenoptimierung und den Entwicklungen auf Amazon.

Um die eigenen Produkte auf Amazon erfolgreich zu verkaufen, müssen diese für relevante Suchbegriffe gefunden werden. Dabei spielt die Auswahl der Keywords eine essenzielle Rolle. Doch was sollte bei der Keyword-Recherche beachtet werden und welche Tools stehen zur Verfügung?

Serie: Amazon Keyword-Analyse

Teil 1: Amazon Algorithmus allgemein & Quellen für eine Keyword-Recherche

Teil 2: Priorisierung der Keyword-Auswahl, Anwendung dieser sowie Ranking-Analyse

21 Prozent – so groß war 2017 der Anteil Amazons am Umsatz des gesamten deutschen Online-Handels (Quelle: de.statista.com/statistik/daten/studie/831978/umfrage/anteil-von-amazon-am-gesamtumsatz-des-online-handels-in-deutschland/). Über 229 Millionen Produkte umfasst aktuell das Sortiment des Online-Riesen und 80 % aller Deutschen nutzen Amazon aktiv in ihrem Alltag (Quelle: de.statista.com/statistik/daten/studie/727703/umfrage/amazon-kunden-in-deutschland/). Für Online-Händler stellt Amazon somit eine spannende Plattform mit großem Potenzial dar, um die eigenen Produkte zu verkaufen.

Um bei der Masse an Produkten und der starken Konkurrenz nicht unterzugehen, ist es wichtig, dass die eigenen Produkte für relevante Suchbegriffe weit oben gelistet werden. Eine Grundlage bilden die Keywords auf den einzelnen Produktseiten. Ein Produkt kann nämlich auf Amazon nur dann gefunden werden, wenn dieses auch die relevanten Suchbegriffe auf der Produktseite aufweist.

Unterschiede: Google und Amazon

Ebenso wie herkömmliche Suchmaschinen beruht auch Amazon auf einem Suchalgorithmus, der „A9“ genannt wird. Ein großer Unterschied zwischen Google und Amazon liegt in der unterschiedlichen Suchintention der Nutzer. Google ist eine Suchmaschine für universelle Anfragen. Nutzer verwenden Google, um Informationen zu einem Problem zu finden, oder suchen nach Produkten und Dienstleistungen. Ziel von Google ist es, dem Nutzer das beste Suchergebnis für jede Art von Anfrage anzuzeigen bzw. die beste Antwort zu liefern. Dagegen lassen sich die Anfragen auf Amazon grundsätzlich einer eindeutigen Kaufabsicht zuweisen – das Ziel für Amazon ist es demnach, das relevanteste Produkt anzuzeigen.

Die unterschiedlichen Ziele wirken sich auf die relevanten Optimierungsfaktoren aus. So achtet Google aktuell sehr stark auf die Seitenladezeit, Nutzerfreundlichkeit der Website und qualitativ hochwertige Backlinks, damit Nutzer schnell und einfach die für sie relevanten Informationen erhalten. Für Amazon sind vorrangig die Conversion Rate (Verhältnis von Besuchern und Käufen) und der Absatz eines Produktes relevant. Allgemein ist die Optimierung von Amazon-Produktseiten aufgrund der Dimensionen weniger umfangreich als eine komplette Website-Optimierung für die Google Suchmaschine. Dennoch gibt es mehrere Bereiche einer Produktseite, die bearbeitet werden können, um das Produkt für bessere Amazon-Rankings zu optimieren. Dazu gehören Titel, Bullet Points (Aufzählung der Produkteigenschaften und -vorteile), Backend Keywords (hinterlegte Keywords, die auf der Produktseite nicht zu sehen sind) und die Beschreibung. Im zweiten Teil dieser Serie wird auf die Optimierung dieser Aspekte genauer eingegangen.

Einen weiteren Unterschied bilden die Möglichkeiten der Datenerfassung und Verwendung von Tools für die Optimierung. Während Google ein umfangreiches Spektrum an Tools, Communitys und Daten (z. B. über die Search Console) anbietet, befinden sich Amazon-Optimierer auf einer grünen Wiese. Amazon bietet an sich kaum brauchbare Daten für die Optimierung an. Nach einer Auflistung mit Keywords und deren Suchvolumen auf Amazon wird vergebens gesucht. An dieser Stelle helfen dann externe Tools, die sich auf Amazon-Optimierung konzentrieren, wie z. B. Sellics, ShopDoc und Amalyze.

Quellen der Keyword-Recherche

Auch wenn sich die Amazon-Optimierung noch in einem sehr frühen Stadium befindet, gibt es bereits mehrere Möglichkeiten, nach relevanten und Performance-starken Keywords zu recherchieren. Doch warum haben Keywords bei der Amazon-Optimierung eine so große Relevanz?

Der Ranking-Algorithmus von Amazon bezieht verschiedene Faktoren eines Produktes ein, gewichtet diese und bestimmt das Ranking (siehe Abbildung 1). Dabei lassen sich die Faktoren in zwei Kategorien teilen: Performance- und Erfolgsfaktoren. Während die Performance-Faktoren eher die vergangene Leistung des Produkts berücksichtigen, bewerten die Relevanzfaktoren die inhaltliche Übereinstimmung zu der Suchanfrage. An dieser Stelle kommen die Keywords ins Spiel. Denn mit diesen lässt sich die inhaltliche Relevanz steigern und lassen sich somit auch höhere Rankings erzielen. Höhere Rankings führen zu besseren Klickraten und im besten Fall zu mehr Käufen. Solch eine Performance-Steigerung wirkt sich zusätzlich positiv auf die Rankings aus. Aus diesem Grund sind Recherche und Auswahl der Keywords sehr wichtig, um erfolgreich auf Amazon zu verkaufen.

Zuerst: Eigenen Kopf einschalten

Bevor Keyword-Tools genutzt werden, gehört zu jeder guten Begriffssammlung ein kurzes Brainstorming. Im besten Fall wird ein kleines Team organisiert, das für 15 Minuten über Begriffe nachdenkt, die die Produkte am besten beschreiben. Dabei lohnt sich oft ein Blick auf die definierten Zielgruppen, um bestimmte Aussprachen, Synonyme und Dialekte mit einzubeziehen. Die gesammelten Begriffe können dann in einer Excel-Tabelle festgehalten werden.

Bei einem großen Produktsortiment, dessen Produkteigenschaften (Farbe, Größe usw.) überwiegend gleich sind, lohnt es sich, die Begriffe in Kategorien zu sortieren (siehe Abbildung 2). Im nächsten Schritt lassen sich dann die Kategorien ganz einfach zu verschiedenen Kombinationen zusammenführen. Hierfür gibt es mehrere Online-Tools, die diese Kombinationsfunktion anbieten.

Rezensionen

Eine weitere gute Quelle für die Keyword-Sammlung bieten Rezensionen der eigenen und der Konkurrenzprodukte. Die von Kunden verfassten Bewertungen weisen oft interessante Keywords auf, die man als Experte auf dem Gebiet gar nicht auf dem Schirm hatte. Die Rezensionen bieten nicht nur einen interessanten Einblick zur Zielgruppe selbst, sondern auch zu deren Sprachgebrauch.

Konkurrenz-Produkte

Weitere interessante Keywords lassen sich ebenfalls auf den Konkurrenz-Produktseiten finden. Hierfür werden die Produktseiten ausgewählt, die besser oder allgemein sehr weit oben gelistet werden. Der Produkttitel, die -beschreibung und die Bullet Points können noch unberücksichtigte Keywords aufdecken. Es lohnt sich ebenfalls, die Produkte anzuschauen, die unter der Rubrik „Wird oft zusammen gekauft“ aufgelistet werden.

Für die Konkurrenz-Recherche können Tools die Arbeit erleichtern. Tools, wie z. B. ShopDoc und Sonar von Sellics, bieten eine Rückwärtssuche an (siehe Abbildung 3). Mithilfe der auf den Produktseiten zu findenden ASIN (Amazon-Standard-Identifikationsnummer) werden die Suchbegriffe ausgegeben, für die das Produkt aktuell gefunden wird. So lassen sich die Keywords der besser gelisteten Konkurrenzprodukte ganz schnell herunterladen.

Auto-Suggest-Funktion von Amazon

Eine weitere gute Quelle bietet Amazon selbst: die Suchleiste. Die Auto-Suggest-Funktion, also die automatisierte Vervollständigung des Suchbegriffs bei der Eingabe, bietet nochmals interessante Einblicke für Keyword-Kombinationen (siehe Abbildung 4). Es ist davon auszugehen, dass die Kombinationen, die ganz oben stehen, am relevantesten sind. Eine hohe Relevanz haben ebenfalls Kombinationen, die bereits erscheinen, obwohl der Nutzer den Suchbegriff noch gar nicht vollständig eingegeben hat.

Die Auto-Suggest-Funktion kann eine sehr gute Ideenquelle sein, indem das Fokus-Keyword eingegeben wird, ein Leerzeichen (hier werden bereits neue Kombinationen angezeigt, die notiert werden sollten) und dann einen beliebigen Buchstaben (z. B. „t shirt a“). Zwar ist diese Art von Recherche umständlich, da die Vorschläge einzeln notiert werden müssen, bietet dennoch interessante Einblicke für relevante Suchbegriffe.

Spannend? Jetzt Artikel zu Ende lesen!

Lesen Sie den Artikel weiter in unserer suchradar Ausgabe 77 von April 2019 mit dem Titelthema „Content vs. Werbung“.

Kostenloses PDF-Magazin bestellen Online weiterlesen? Einfach kostenlos für den Newsletter anmelden. Kostenpflichtiges Print-Abo bestellen